Die beiden Länderspiele gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) wurden vom DFB-Team siegreich gestaltet, doch echte Euphorie will in Deutschland vor der WM noch nicht aufkommen. Vielmehr wird so manche Wahl von Julian Nagelsmann kritisch hinterfragt, da der Bundestrainer mit seinen Aussagen und Entscheidungen zuletzt für Wirbel gesorgt hat.
Wir zeigen die fünf größten Brennpunkte:
Antonio Rüdiger
An den sportlichen Qualitäten von Antonio Rüdiger gibt es im Grunde nur wenige Zweifel. Wenn er fit ist, hätte Rüdiger - aus sportlicher Sicht - zweifelsfrei einen Platz im WM-Kader verdient. Trotzdem ist seine Personalie ein Brennpunkt, denn Rüdiger ist in den vergangenen Monaten immer wieder negativ aufgefallen. Zuletzt mit seinem brutalen Foul, als er einem am Boden liegenden Gegenspieler sein Knie ins Gesicht gehauen hatte.
Insofern gibt es nicht wenige Stimmen, die dafür plädieren, Rüdiger zuhause zu lassen. Mario Basler beispielsweise meinte: "Ich finde, die treten diese Werte, die sie irgendwann einmal vorgegeben haben, gerade mit Füßen, wenn man einen Spieler wie Rüdiger wieder einlädt. Ich finde es eine absolute Schweinerei." Das ist zwar hart ausgedrückt, aber man darf durchaus hinterfragen, ob jemand wie Rüdiger wirklich noch den Bundesadler tragen sollte.
Nagelsmann merkt man an, dass er zu der Personalie immer gereizter wird. Vor dem Spiel gegen die Schweiz wurde er abermals zu Rüdiger gefragt und entgegnete harsch: "Das haben wir achttausendmal besprochen in 7.000 Pressekonferenzen. Er ist ein Spieler, der sich mit seiner Rolle und mit der Nationalmannschaft extrem identifiziert. Er weiß schon, was er machen muss in Zukunft und was er besser lassen sollte."
Man darf nicht davon ausgehen, dass alsbald Ruhe um Rüdiger einkehrt.
Leon Goretzka
Während Rüdiger zumindest aus sportlicher Sicht über alle Zweifel erhaben ist, ist das bei Goretzka nicht (mehr) der Fall. Der Mittelfeldspieler hat in den vergangenen Jahren stark abgebaut und ist beim FC Bayern nur noch Reservist. Trotzdem bekam Goretzka von Nagelsmann quasi einen Freifahrtsscheint ausgestellt, wenngleich der Bundestrainer nach seinen vorlauten Aussagen zuletzt ein wenig zurückrudern musste.
Dennoch ist klar: Goretzka hat sein WM-Ticket quasi fix, während andere vielversprechende Stars wie Angelo Stiller im Mittelfeldzentrum bangen müssen. Das ruft natürlich Kritik hervor.
Besonders abstrus ist, dass Goretzka von Nagelsmann bei der Heim-EM 2024 zuhause gelassen wurde. Zwei Jahre später, mit deutlich schwächeren Leistungen und weniger Spielpraxis beim FC Bayern, ist er plötzlich ein WM-Garant. Logik? Fehlanzeige.
Angelo Stiller
Wo wir gerade beim angesprochenen Angelo Stiller sind: Auch seine Personalie ist ein Brennpunkt. Denn der Regisseur des VfB Stuttgart sollte aufgrund seiner hervorragenden Leistungen eigentlich einen Kaderplatz sicher haben - stattdessen wurde er für die Länderspiele im März nicht einmal eingeladen. Nur weil Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha verletzt absagen mussten, wurde Stiller nachnominiert und bekam reichlich Spielzeit.
Tatsächlich durfte Stiller gegen die Schweiz und Ghana insgesamt 140 Minuten spielen - mehr als jeder andere Mittelfeldspieler. Dabei machte er seine Sache so gut, dass man meinen sollte, dass Nagelsmann nicht mehr um ihn herum kommt. Doch die Aussagen des Bundestrainers vor der Kadernominierung lassen daraus schließen, dass er eigentlich ohne Stiller plant. Ob er nach den jüngsten Länderspielen seine Meinung überdenkt?
Leroy Sané
Ein ähnlicher Fall wie Goretzka: Sportlich hat Sané in den letzten Monaten wenig gezeigt, was eine WM-Nominierung rechtfertigen würde. Trotzdem scheint Nagelsmann große Hoffnungen in den Flügelspieler zu setzen. Seine Nibelungentreue zu Sané ist sehr, sehr kritisch zu betrachten - erst recht, falls ein grandios aufspielender Lennart Karl als Konsequenz den Kürzeren ziehen würde. Das kann der Bundestrainer nicht bringen...
Deniz Undav
Undav ist in der Form seines Lebens, schießt ein Tor nach dem anderen - und trotzdem hat er unter Nagelsmann einen brutal schweren Stand. Der Bundestrainer hat bereits deutlich gemacht, dass Undav nicht über die Rolle als Edeljoker hinauskommen wird, selbst wenn er weiterhin grandios in Form bleibt und wie am Fließband trifft. Er begründet das mit seinen "Rollengesprächen", die er zuletzt geführt hat.
Generell scheint es so, dass die Spieler bei Nagelsmann so gut wie keine Chance haben, aus ihrer Schublade, in die sie von ihm gesteckt wurden, herauszukommen. Egal wie gut oder schlecht die Leistungen sind. Damit macht der Bundestrainer einige Brennpunkte (unnötig) auf. Ob das bei der WM gutgehen kann?
