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DFB-Team vor WM-Generalprobe: Nagelsmann verkündet erste Neuer-Entscheidung

Im Test gegen Finnland wird Manuel Neuer noch nicht ins deutsche Tor zurückkehren.
Nagelsmann und Völler auf der ersten PK in Herzogenaurach
Nagelsmann und Völler auf der ersten PK in Herzogenaurach | DANIEL KARMANN/GettyImages

Am heutigen Mittwoch kam die deutsche Nationalmannschaft im ersten WM-Quartier im Adidas-Homeground in Herzogenaurach zusammen. 25 der 26 für die Weltmeisterschaft nominierten Spieler nahmen damit die heiße Phase der WM-Vorbereitung auf. Einzig Kai Havertz fehlte. Der 26-Jährige greift am Samstag mit Arsenal im Champions-League-Finale gegen PSG nach seinem zweiten Henkelpott-Gewinn.

Für die DFB-Kicker ging es am Mittwoch auch gleich auf dem Trainingsplatz an die Arbeit. Bundestrainer Julian Nagelsmann stellte sich zudem mit DFB-Direktor Rudi Völler auf einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten.

Neuer gegen Finnland nicht im Tor

"Mit Manu sind wir besser als ohne Manu."
Nagelsmann über Neuer

Am kommenden Sonntag wird dann die erste von zwei Generalproben vor dem Turnierstart (14. Juni gegen Curaçao) steigen. Deutschland empfängt in Mainz Finnland zum Testspiel (20:45 Uhr, ZDF). Comebacker Manuel Neuer wird dann aber noch nicht wieder im deutschen Tor stehen, wie Nagelsmann bestätigte.

"Im Trainerteam haben wir entschieden, dass er am Sonntag noch nicht spielen wird. Das war unsere Entscheidung, damit war er d'accord. Wir werden ein Update geben, wie es in Richtung USA-Spiel aussieht. Oli [Baumann] wird spielen und es gut machen", so der Bundestrainer.

Neuer hatte sich im letzten Bundesliga-Spiel leicht an der linken Wade verletzt und deshalb auch das DFB-Pokalfinale vergangenen Samstag verpasst. Die Bayern holten mit Jonas Urbig im Tor das erste Double seit 2020. Sorgen, dass Neuer den WM-Start verpassen könnte, macht sich Nagelsmann indes keine: "Eine kleine Erhärtung birgt immer ein kleines Restrisiko. Aber es gibt keinen Grund zur Sorge. Wenn man ihn fragt, wird er sich immer reinstellen. Aber ich versuche, einen Weitblick zu haben."

Der Bundestrainer unterstrich auf der PK auch nochmal, dass Neuer die Nummer eins bei der WM sein wird. "Manu kennt ja alle, er kennt das Trainerteam, er kennt alle Spieler. Er ist jetzt kein Neuling, sondern ein Rückkehrer. Mit Manu sind wir besser als ohne Manu. Wir sind immer sehr froh, dass er dabei ist und uns hilft und nochmal für Deutschland spielt", so Nagelsmann.

Völler verteidigt den Bundestrainer

Völler wollte derweil die Kritik an Nagelsmann wegen des späten Umdenkens im Tor nicht gelten lassen: "Ich kann es nur wiederholen: Man kann es nicht allen recht mache. Manchmal hört es sich kommunikativ etwas holprig an. Der Auftritt von Julian im Sportstudio war auch schwierig, weil er nichts sagen konnte. Normal ist er rhetorisch ja sehr stark. Er hätte auch sagen können: Ich gehe nicht ins Sportstudio. Aber er stellt sich, obwohl er weiß, dass es etwas holprig werden kann. Das macht ihn sympathisch, deswegen mag ich ihn und deswegen werden wir auch eine gute WM spielen."

"Wir gehören nicht zu den absoluten Top-Favoriten."
Rudi Völler

Gute Ergebnisse zum Auftakt wären dafür besonders wichtig. Bislang hält sich die WM-Euphorie in Deutschland arg in Grenzen. "Ich bin ehrlich, ich fand es teilweise ungerecht, weil wir uns in den letzten Spielen schon verbessert haben. Ich habe gehofft, dass die WM-Stimmung aufkommt, aber noch ist ein bisschen Zeit", meinte Völler dazu.

Die Kader-Nominierung hatte vergangene Woche zur gedämpten Stimmung beigetragen. Auch hier stellte sich Völler deutlich vor Nagelsmann: "Julian trifft Entscheidungen nur aus sportlicher Sicht und was für die Mannschaft am besten ist. Es zählt nur, wie wir am erfolgreichsten sein können. Wenn es Gegenwind gibt, bin ich ja auch noch da."

Nagelsmann: Rollen bleiben "nicht immer gleich"

Der Bundestrainer betonte am Mittwoch, dass "jeder dieses 26-Mann-Kaders wichtig" sei "und "seine Bedeutung" habe. "Die Rollengespräche haben einen ganz großen Teil der Berichterstattung eingenommen", meinte Nagelsmann. Die Spieler würden zwar wissen, woran sie sind. Aber: "Die Rolle bleibt nicht immer gleich, vor der Heim-EM hatten wir das auch. Beispiel David Raum und Maxi Mittelstädt."

"Wenn Jamal mit 70 Prozent spielt, ist er immer noch besser als viele andere."
Nagelsmann über Musiala

Eine Kritik am Nagelsmann-Kader war derweil auch, dass hinter Joshua Kimmich ein Backup hinten rechts fehlt. Auch dazu bezog der Bundestrainer Stellung: "Wir haben mehrere Optionen, das hängt vom Spiel oder der Situation in der Gruppe ab. Es gibt offensivere und defensivere Optionen. Es gibt nicht den klassischen Backup, aber das ist bewusst gewählt. Sollte Joshua etwas passieren, bricht nicht alles zusammen. Wir haben schon Ideen, aber die sind vielfältig", betonte Nagelsmann.

Einen Hinweis auf Plan A könnten wir schon gegen Finnland zu sehen bekommen. "Wir wollen die Testspiele nutzen, um eine Mannschaft zu sehen, die so im Turnier auch beginnen kann", meinte Nagelsmann. "Es ist nichts in Stein gemeiselt. Wir haben einen Plan B im Kopf, in den Tespielen aber die Möglichkeit, Spieler zu sehen. Wir werden aber nicht zehnmal in der Halbzeit wechseln."

DFB-Team soll "in den nächsten Wochen wie eine Familie" sein

Neben den personallen Entscheidungen, unter anderem auf der Doppelsechs, im offensiven Mittelfeld und Sturmzentrum, bei denen sich Nagelsmann öffentlich noch nicht festlegen wollte, wird für den WM-Erfolg auch der Zusammenhalt der Mannschaft entscheidend sein. Laut Nagelsmann sei das DFB-Team "über die letzten drei Jahre zusammengewachsen".

"Ich habe der Mannschaft mitgegeben, dass wir in den nächsten Wochen wie eine Familie sind. Jeder braucht das Vertrauen zu seinem Nebenmann. Das kann eine Überschrift für dieses Turnier sein", so der Bundestrainer weiter.

Zu größten Titel-Favoriten gehöre Deutschland laut Völler dennoch nicht. "Wir gehören nicht zu den absoluten Top-Favoriten, da gibt es drei, vier andere. Ich bin aber überzeugt, dass es schwer sein wird, gegen uns zu gewinnen. Wir wollen natürlich Gruppensieger werden. Und dann wird man sehen, was passiert. Wir wollen natürlich so weit kommen, wie es nur geht. Eine Vorgabe gibt es aber nicht", betonte er.


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