Kommentar: Deshalb wird der Reitz-Transfer für Gladbach kein schlechter Deal

Der sich anbahnende Abgang von Rocco Reitz verärgert viele Gladbach-Fans. Dabei ist der Deal, ganz nüchtern betrachtet, gar nicht so schlecht für die Borussia.
Rocco Reitz wird die Borussia voraussichtlich verlassen
Rocco Reitz wird die Borussia voraussichtlich verlassen | Christian Verheyen/GettyImages

Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass Rocco Reitz im Sommer wechseln wird: Borussia Mönchengladbach wird den Vize-Kapitän höchstwahrscheinlich an RB Leipzig verlieren. Aktuell wird vermutet, dass eine Einigung bei etwa 20 Millionen Euro als realistisch einzustufen ist (90min berichete).

Dieser Wechsel sorgt verständlicherweise für viel Unruhe rund um die Fohlenelf und dazu für viel Ärger und Unmut bei den Fans. Immerhin geht mit Reitz der Vize-Kapitän, eine Identitätsfigur und jemand, der selbst einmal sagte, für einen solchen Abgang müsse schon sehr viel passieren. Ausgerechnet Leipzig als Wechsel-Ziel ist bei den Borussia-Anhängern, die sich schon des Öfteren als lautstarke Kritiker des Klubs und der dahinterstehenden Struktur gezeigt haben, ein weiterer Dorn im Auge.

Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen für den sich anbahnenden Wechsel für die Borussia aber gar nicht so verkehrt - wenn mit einem nüchternen Blick geschaut wird.

20 Mio. Euro sind keine schlechte Summe für Reitz

Selbst wenn es schlussendlich 'nur' 20 Millionen Euro Ablöse werden, sind das ebenso gute wie wichtige Einnahmen für Gladbach. Reitz hat sich, bis auf einzelne positive Ausreißer, auch in dieser Saison nicht sonderlich hervortun können. Dabei lag die Latte angesichts der allgemeinen Leistungen der Mannschaft dafür gar nicht mal so hoch.

Ein Spieler, den RB Leipzig für so gut hält, dass sie ihn für diese Summe verpflichten, um das klare Ziel der Qualifikation für die Champions League anzugehen und auf nationaler Ebene um Titel mitzuspielen, sollte das zumindest halbwegs regelmäßig schaffen. Und seien wir mal ehrlich: Welcher andere Verein, außer finanzverrückte Engländer, würde eine solche Summe für den aktuellen Reitz zahlen?

Dazu stellt sich die Frage, ob Reitz überhaupt so gut zu den Sachsen passt. Seine Stärken hat der 23-Jährige definitiv im Spiel gegen den Ball. In seinen defensiven Aktionen zeigt er gute Werte, Balleroberungen gehören zu seinen wichtigsten Fähigkeiten, ebenso das Treiben des Balles (nach Eroberungen) oder die sogenannten 'progessive passes'. Das sind vertikale Pässe, die beispielsweise im Umschaltspiel mindestens zehn Meter an Distanz in der gegnerischen Hälfte zurücklegen und den Mitspieler finden (via Wyscout).

Leistungsdaten von Rocco Reitz
Leistungsdaten von Rocco Reitz | Best XI Scouting (by Ben Griffis)

Seine Schwächen hat Reitz jedoch hinsichtlich des offensiven Outputs. Bei den Assists ist er im Vergleich mit anderen Bundesliga-Spielern in seiner Rolle eher durchschnittlich unterwegs, ebenso bei den Pre-Assists. Seine eigene Torgefahr fällt wenig überraschend schwach aus. Die Passqualität ist vergleichsweise niedrig, was ebenso für seine erfolgreichen Dribblings gilt.

Damit hätte Reitz deutlich besser zu dem RB Leipzig von vor ein paar Jahren gepasst, als vorrangig auf Pressing, Gegenpressing und das Umschaltspiel gesetzt wurde. Mittlerweile setzt RBL aber auch eigene Spielkontrolle. So ist oftmals mehr Kreativität, Geschwindigkeit und Sauberkeit in Ballbesitz und auch Torgefahr von Mittelfeldspielern gefragt. Zumindest auf den ersten Blick ist es fraglich, ob der Reitz der letzten Jahre und auch dieser Saison wirklich gut dazu passt.

Reitz-Zukunft bei RBL für Gladbach uninteressant: Wichtig ist, was aus dem Geld gemacht wird

Doch damit wird sich die Borussia anschließend weniger beschäftigen müssen. Für die Fohlen ist wichtig, dass sie einen Hoffnungsträger für eine vernünftige Summe abgeben, der bislang aber nie wirklich über dieses Prädikat hinauskam. Natürlich hat Reitz auch unter den zuletzt enttäuschenden Saisons gelitten, doch war er bislang kaum der Unterschiedsspieler, der er für mindestens 20 Millionen Euro eigentlich sein müsste. Rouven Schröder wird eine solche Summe vermutlich gewinnbringend einsetzen können.

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