Die Derby-Woche beim 1. FC Köln hat mit einem gewaltigen Kater begonnen. Wer soll am Sonntag im brisanten Rhein-Duell gegen Borussia Mönchengladbach (15:30 Uhr) für die Kölner Tore sorgen?
Nach den Ausfällen der beiden nominellen Spitzen Thijs Dallinga (Kreuzbandriss) und Ragnar Ache (Muskelverletzung im Oberschenkel) klafft in der Offensive eine gigantische Lücke. Trainer René Wagner ist nun kurzfristig als Improvisationskünstler gefragt – und hat dabei offenbar drei völlig unterschiedliche Lösungsansätze im Kopf.
Bülter als klassischer Neuner
Bleibt der Kölner Coach seinem bisherigen System mit einem klaren Zielspieler treu, führt aktuell kein Weg an Marius Bülter vorbei. Der 33-jährige Routinier startete in seiner FC-Zeit bereits mehrfach im Zentrum und überzeugte in dieser Rolle vor allem zu Beginn der Vorsaison mit wichtiger Torgefahr.
Dass der gelernte Maschinenbauingenieur weiß, wo das Tor steht, bewies er erst am vergangenen Wochenende. Im verhängnisvollen Testspiel gegen Viktoria Köln rettete Bülter seiner Mannschaft mit einem wuchtigen Kopfballtreffer kurz vor Schluss immerhin das 2:2-Unentschieden. Er soll aktuell die absolute Pole-Position für das Derby inne haben.
Die Rückkehr des Aussortierten

Eine deutlich überraschendere, wenn auch sehr emotionale Personalie ist Imad Rondic. Der 27-jährige Bosnier war im vergangenen Sommer eigentlich schon komplett aussortiert worden und musste zeitweise sogar abseits des Teams trainieren. Doch der groß gewachsene Mittelstürmer ließ sich nie hängen und beeindruckte Trainer Wagner mit seiner herausragenden Einstellung.
"Er hat sich mit brutalem Willen und Charakter zurückgearbeitet", lobte Wagner. Zwar sieht der Coach den Angreifer offiziell weiterhin nur als Ergänzungsspieler, doch seine Präsenz und Körpergröße (1,90 Meter) könnten im Derby durchaus als wertvolle Joker-Option bei Standardsituationen gefragt sein.
Der Systemwechsel mit falscher Neun
Die dritte und spielerisch wohl anspruchsvollste Variante wäre ein kompletter Systemwechsel. In der abgelaufenen Saison ließ Wagner bereits häufiger ohne echten Mittelstürmer spielen, beispielsweise beim starken Auftritt gegen Bayer 04 Leverkusen (1:2), als er Said El Mala an der Seite von Bülter stürmen ließ.
Sollte Wagner auf einen alleinigen Angreifer in Form einer falschen Neun setzen, bieten sich im Kader mit Jan Thielmann, Luca Waldschmidt, Linton Maina oder eben dem flexiblen El Mala gleich mehrere schnelle, wendige Alternativen.
Bis Sonntag hat das Trainerteam nun Zeit, das Offensiv-Puzzle gewinnbringend zusammenzusetzen. Eines steht jedoch schon jetzt fest: Auf denjenigen, der das Kölner Sturmzentrum im Derby ausfüllt, lastet eine enorme Verantwortung.
