Kurz nach dem Jahresstart mit einem 2:2 gegen Mainz verkündete Union Berlin die Vertragsverlängerung mit Steffen Baumgart. Drei Monate später wurde der 54-Jährige als Chefcoach der Eisernen freigestellt.
Das Remis gegen die Nullfünfer war zuvor der Beginn einer Negativserie. Nur zwei der 14 Partien 2026 konnte Union unter Baumgart lediglich gewinnen. Nach nur einem Zähler aus den jüngsten drei Spielen zogen die FCU-Bosse die Trainer-Reißleine.
Bemerkenswert ist die Nachfolge-Regelung in Berlin-Köpenick, die die ursprünglichen Trainer-Pläne noch weiter umwerfen. Mit Marie-Louise Eta wird erstmals in der Bundesliga-Geschichte eine Frau als Cheftrainerin an der Seitenlinie stehen. Die 34-Jährige sprang zuvor schon unter Nenad Bjelica (22 Spiele) und Marco Grote (drei Spiele) als Co-Trainerin bei der ersten Mannschaft ein. Bis Sommer sollte sie eigentlich weiter die U19 der Eisernen als Chefcoach betreuen. Ab der kommenden Saison soll Eta die Bundesliga-Frauenmannschaft der Unioner übernehmen.
Eta für Heldt "die logische Konsequenz" – auch über den Sommer hinaus?
Ob das tatsächlich so passiert, ist noch offen. Zwar soll Eta zunächst nur als Interimscoach bis Saisonende bei der ersten Männer-Mannschaft einspringen. Sportchef Horst Heldt wollte einen Verbleib über den Sommer hinaus aber nicht ausschließen: "Wir werden den Fokus auf das Spiel gegen Wolfsburg legen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre es nicht sinnvoll das auszuschließen. Grundsätzlich haben wir einen Plan, wie es danach weitergeht. Aber wenn wir uns am Ende erneut Gedanken machen müssen, ist das gut für sie. Ob wir dann mit ihr weitermachen, wird sich zeigen."
"Wir halten uns alle Optionen offen. […] Eines der beiden Teams wird Marie-Louise betreuen."Heldt über Eta
Für Held war Eta die logische Wahl nach dem Baumgart-Aus, weil man bis Saisonende auf eine interne Lösung setzen wollte: "Sie ist die logische Konsequenz, weil wir uns entschieden haben, die Saison intern zu Ende zu bringen. Sie erfüllt den Cheftrainerposten bereits aus ihrer Zeit mit der U19. Dort hat sie eine starke Runde gespielt und entsprechend Erfahrung gesammelt. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir sie alle kennen – und sie uns. Sie hat mit vielen bereits zusammengearbeitet, kennt das Stadion, die Menschen, die Atmosphäre und vor allem die Spieler."
Klub reagiert souverän auf Hass im Netz
Die Wahl auf Eta hatte im Netz bei vielen für sehr positive Reaktionen gesorgt. Der ein oder andere negative Kommentar blieb aber nicht aus. Der Klub hatte in den sozialen Medien auf teils sexistische Kommentare deutlich reagiert.
"Der Bundesliga-Trainer, der gegen sie verliert, hat für immer sein Gesicht verloren. Es gibt, glaube ich, kaum etwas Peinlicheres", hieß es dort unter anderem. "Aber genau das bist du, ein Sexist", folgte die Unioner Replik.
Auf Kommentare, kein Spieler würde eine Frau in Fußball-Fragen ernst nehmen, folgte eine ähnlich klare Union-Reaktion: "Bei aller Liebe, aber das ist Sexismus.“
Thioune und Hürzeler zeigen richtigen Umgang
Dass der Trainerinnen-Meilenstein mit Eta für Schlagzeilen sorgt, war abzusehen. Auch international war die Aufmerksamkeit groß. Wie man mit diesem Novum am besten umgeht, zeigt derweil Daniel Thioune.
Der Werder-Coach erklärte zur Eta-Beförderung: "Für mich ist das völlige Normalität. Sie ist eine hochqualifizierte Kollegin. Da ist das Geschlecht auch völlig egal."
Dass eine Frau als Chefcoach an der Seitenlinie der Männer-Bundesliga keine "völlige Normalität" ist, wird Thioune auch wissen. Damit es aber "völlige Normalität" werden kann, dass das Geschlecht des Coaches keine Rolle spielt, fährt der Werder-Trainer mit seiner Einordnung genau richtig. "Es geht darum, dass sie eine gute Trainerin ist und das jetzt allen zeigen kann", so Thioune weiter.
An die Arbeit!
— 1. FC Union Berlin (@fcunion) April 14, 2026
Die erste Einheit unter unserer neuen Cheftrainerin Marie-Louise #Eta läuft. #FCUnion #FCUWOB #Bundesliga pic.twitter.com/oqzoaPSwli
Ähnlich großes Lob gab es für Eta auch von Fabian Hürzeler. Der Chefcoach von Premier-League-Klub Brighton hatte einst den UEFA-Pro-Lizenz-Lehrgang gemeinsam mit Eta absolviert.
"Marie-Louise war damals die einzige Frau im Kurs und ich kann mir vorstellen, dass es für sie nicht leicht war, in diesen Testosteron-geladenen Raum voller Männern zu kommen. Sie hat aber eine ganz tolle Art und wurde sofort von allen voll akzeptiert", erinnerte sich Hürzeler gegenüber der Bild zurück.
Für Hürzeler steht es außer Frage, dass Eta für den Job in der Männer-Bundesliga bereit ist: "Sie hat eine coole Seite und kann auch mal einen Spruch raushauen, ist extrem offen und freundlich, aber sie hat auch einen klaren Plan und dadurch eine natürliche Akzeptanz. Für mich war es keine Überraschung, dass sie das Vertrauen vom Verein auch in dieser Lage bekommt, da sie definitiv auch vor einer Mannschaft im Männerbereich bestehen kann."
Hürzeler über Etas besondere Qualität
"Was sie sehr gut kann, ist, schnell Empathie zu entwickeln. Sie hat eine gute Balance darin, wie sehr man die Spieler in Entscheidungen mit reinholt. Sie schaut den Spielern in die Augen, stellt auch mal gezielt Fragen und entscheidet dann", nannte Hürzeler eine der größten Qualitäten von Eta als Trainerin.
Zeigen kann sie das auf der großen Bundesliga-Bühne ab sofort. Ihr Debüt wird Eta am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg geben. Dann könnten die Eisernen mit einem Sieg den Klassenerhalt ein großes Stück näher kommen.
Bis Saisonende geht es dann noch gegen Leipzig (A), Köln (H), Mainz (A) und Augsburg (H).
