Der Sommer des 1. FC Köln wurde von den Schlagzeilen rund um Said El Mala dominiert. Doch dass das Offensivjuwel den Geißböcken erhalten blieb, ist nicht der einzige Erfolg des zurückliegenden Transferfensters. Mit vielen weiteren talentierten Spielern sowie einigen erfahrenen Stützen soll dem Effzeh im zweiten Jahr nach dem Aufstieg der Klassenerhalt gelingen. Dafür wurde allerdings wieder ordentlich Geld ausgegeben. Sportlich soll es am Geißbockheim dafür in dieser Saison gerne etwas ruhiger werden.
Was können die Neuzugänge liefern?
- Jahmai Simpson-Pusey (Manchester City, war zuvor ausgeliehen)
- Luka Lochoshvili (1. FC Nürnberg)
- Tom Krauß (1. FSV Mainz 05, war zuvor ausgliehen)
- Reigan Heskey (Manchester City)
- Paul Okon-Engstler (Sydney FC)
- Ellyes Skhiri (Eintracht Frankfurt)
- Gideon Mensah (AJ Auxerre)
- Martin James (PSG)
- Gil Neves (Benfica Lissabon)
- Thijs Dallinga (FC Bologna/Leihe)
- Mikey Moore (Tottenham Hotspur/Leihe)
- Borna Sosa (Crystal Palace/Leihe)
Im Sommer geschah in der Domstadt lange Zeit wenig. Nach den festen Verpflichtungen der Leihspieler Tom Krauß, Jahmai Simpson-Pusey und Jakub Kaminski blieb es um "echte" Neuzugänge zunächst ruhig. Doch dann kam der Markt nach der WM so richtig ins Rollen, was auch der Effzeh nutzen konnte.
Mit Luka Lochoshvili und Gideon Mensah kamen zwei wichtige Stützen für die Abwehr. Sie konnten sich auf Anhieb einen Stammplatz sichern und werden mit ihrer Leistung vorangehen. Sinnvolle Ergänzungen mit Blick auf die Zukunft könnten zudem die Verpflichtungen von Flügelspieler Reigan Heskey sowie der beiden Zentrumsspieler Paul Okon-Engstler und Gil Neves werden.

Ende August wurde der Kader schließlich mit den drei Leihgaben Stürmer Thijs Dallinga, Linksverteidiger Borna Sosa und Offensivjuwel Mikey Moore sowie der Rückholaktion von Ellyes Skhiri komplettiert. Auf Skhiri musste er der Effzeh in der ewigen, erfolglosen Sechsersuche fast schon gezwungenermaßen zurückgreifen. Die 1A-Wunschlösung war der Tunesier nach drei schwachen Jahren bei Eintracht Frankfrut nicht.
Wie sehr fallen die Abgänge ins Gewicht?
- Jakub Kaminski (Benfica Lissabon)
- Rasmus Carstensen (Aarhus GF)
- Eric Martel (Mainz 05)
- Denis Huseinbasic (Sporting Braga)
- Dominique Heintz (Fortuna Düsseldorf)
- Julian Pauli (Odense BK/Leihe)
- Jusuf Gazibegovic (Widzew Lodz/Leihe)
- Youssoupha Niang (FC St. Pauli/Leihe)
- Fynn Schenten (Roda JC/Leihe)
- Elias Bakatukanda (VfL Osnabrück/Leihe)
- Florian Kainz (Karriereende)
- Luca Kilian (vereinslos)
- Cenk Özkacar (FC Valencia/Leihende)
- Kristoffer Lund (Palermo/Leihende)
- Felipe Chavez (FC Bayern/Leihende)
Es ist ärgerlich, dass der Vertrag von Eric Martel nicht verlängert werden konnte und der Sechser ablösefrei zum Konkurrenten Mainz 05 wechselte. Mit Blick auf seine Leistungen in der Vorsaison ist dies jedoch durchaus verkraftbar. Abgesehen davon wird der Abgang von Florian Kainz wohl am schwersten zu kompensieren sein, er galt in der Kabine über mehrere Jahre als wichtige Führungsfigur. Andere abgewanderte Spieler wie Denis Huseinbasic, Dominique Heintz oder Rasmus Carstensen hatten hingegen keine aussichtsreiche Perspektive mehr.

Aus sportlicher Sicht schmerzt insbesondere der Verkauf von Jakub Kaminski, doch das Transferplus von 11,5 Millionen Euro für einen Leihspieler kommt den klammen Kassen sehr gelegen. Spannend wird auch sein, wie sich die vier Talente Julian Pauli, Youssoupha Niang, Fynn Schenten und Elias Bakatukanda bei ihren Leihstationen schlagen werden. Dort haben sie die Möglichkeit, mehr Spielpraxis zu sammeln.
Konnte der 1. FC Köln seine Problemstellen lösen?
Trotz der Kaminski-Millionen konnte der Effzeh in diesem Sommer keine großen Transfers tätigen. Das lag vor allem daran, dass man sich einerseits auf einen Abgang, andererseits aber auch auf einen Verbleib von Said El Mala einstellen musste. So wurden die großen Baustellen auf den Positionen des Linksverteidigers, des Sechsers und des Stürmers mit kostengünstigen Transfers und Leihen teilweise erst sehr spät geschlossen.
Nach dem Abgang von Kristoffer Lund standen die Kölner auf der linken Abwehrseite lange Zeit komplett blank da. Mit Gideon Mensah und Borna Sosa sind sie nun jedoch sehr gut besetzt. Im Abwehrzentrum dürfte Linksfuß Luka Lochoshvili eine deutliches Upgrade gegenüber Cenk Özkacar darstellen, der zwar kämpferisch stark war, aber vor allem im Aufbauspiel eklatante Schwächen hatte.
Auf der Doppelsechs bleibt abzuwarten, ob Ellyes Skhiri zumindest ansatzweise an seine frühere Form anknüpfen kann. Seine Verpflichtung für 1,6 Millionen Euro Ablöse plus sattem Gehalt war die mit Abstand riskanteste von allen. Weiter vorne wecken die Verpflichtungen der England-Talente Mikey Moore und Reigan Heskey Erwartungen. Und Sturm hat Ragnar Ache mit Thijs Dallinga sehr wahrscheinlich nicht nur einen Backup, sondern einen echten Konkurrenten.
Wie wirtschaftlich war die Transferphase?
Der Kaminski-Verkauf war zwar ein großer Gewinn, doch der 1. FC Köln geht wie schon im Vorjahr mit einem Transferminus aus dem Sommer. Den Ausgaben von über 25 Millionen Euro stehen gerade einmal 18 Millionen Euro an Einnahmen gegenüber. Damit ging Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler erneut ein Risiko ein, wodurch der Druck auf die Mannschaft steigt. Denn bei einem Abstieg könnte es finanziell wieder kritisch werden – auch, weil für Said El Mala dann wohl keine 50 Millionen Euro mehr eingenommen werden könnten. Ihn nicht zum BVB ziehen zu lassen, war mit Blick auf die Finanzen mutig.
Einnahmen | Ausgaben | Gesamtbilanz |
|---|---|---|
18 Mio. € | 25,65 Mio. € | -7,65 Mio. € |
Quelle: transfermarkt.de
Gesamtfazit:
Die Verantwortlichen rund um Sportchef Kessler brauchten deutlich länger als im Vorjahr, ehe der Kader des 1. FC Köln wirklich stand. Doch je länger das Transferfenster lief, desto besser kamen die Geißböcke ins Rollen.
Der Verbleib von El Mala ist zwar kein Transfer, stellt aus rein sportlicher Sicht aber den größten Coup des Sommers dar. Positiv anzumerken sind auch die Verpflichtungen von Lochoshvili, Dallinga, Moore, Mensah und Sosa. Sie alle versprechen im Vergleich zum Vorjahr mehr Qualität und geben den Fans Hoffnung auf eine ruhigere Saison.

Mit Skhiri, Heskey und Okon-Engstler sind zwar auch Wundertüten dabei, die meisten davon bergen aber kein großes finanzielles Risiko. Da einige Neuzugänge erst spät kamen, werden sie wahrscheinlich etwas Eingewöhnungszeit benötigen. Andererseits hat Dallinga mit seinem Doppelpack gegen Hoffenheim eindrucksvoll gezeigt, wie schnell das gehen kann. Im Idealfall erweist sich nicht nur der Niederländer als Soforthilfe.
Auf der anderen Seite haben die Kölner bis auf Imad Rondic alle unbenötigten Spieler abgegeben, wobei die meisten leider keine Ablöse einbrachten. Dafür verfügt man nun über einen breiten, aber nicht überfüllten Kader mit 25 Spielern, der auf nahezu allen Positionen einen spannenden Konkurrenzkampf verspricht. Einen wirklich sicheren Stammplatz haben aktuell nur Marvin Schwäbe, El Mala und höchstens noch Lochoshvili als einziger linksfüßiger Innenverteidiger.
Gesamt-Bewertung Transfersommer: 8/10
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