Auf den überraschenden 3:2-Heimerfolg gegen die TSG Hoffenheim folgte für den 1. FC Köln ein echter Reality-Check: Beim VfB Stuttgart bekamen die Geißböcke ihre Grenzen aufgezeigt und verloren mit 1:4. Trotz des klaren Resultats war der Auftritt beim Champions-League-Teilnehmer keine Schande, und doch hat er gezeigt, dass der Effzeh in dieser Saison hart arbeiten muss, um erneut die Klasse zu halten.
Essenziell dafür sind die Trainingseinheiten unter der Woche. Bis zum Ende der vergangenen Saison waren sie aber nicht nur für die Spieler und das Trainerteam, sondern auch für die Fans da. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Bundesliga-Klubs waren die meisten Einheiten am Geißbockheim für die Fans öffentlich zugänglich. Auf Wunsch von Trainer René Wagner hat sich das zu Beginn dieser Saison aber geändert.
"Nicht von Vorteil, wenn in jedem Training 1.000 Leute dabei sind"
"Training ist das größte Gut, das wir haben – jeden Tag", erklärte Wagner auf einem Mitgliederstammtisch (via Bild) die Maßnahme. "Es gibt für mich nichts Größeres als Training und das muss beschützt werden. Ich habe die Verantwortung, die Jungs für das Wochenende bestmöglich vorzubereiten, und es ist nicht immer von Vorteil, wenn in jedem Training 1.000 Leute dabei sind."
Insbesondere in der Sommervorbereitung, die sich mit der Ferienzeit im Rheinland überschnitt, war der Trainingsplatz (zu) gut besucht. Schon da ließ Wagner die Tore bei vielen Einheiten schließen, auch wenn das vor allem bei jüngeren Fans sicher für traurige Gesichter gesorgt hat.
"Am Ende des Tages bin ich der Cheftrainer und ich muss dafür sorgen, dass es den Jungs gut geht. Wenn ich nur vor den Jungs was sage, ist das etwas, was dem Spieler auch unangenehm sein könnte, wenn es etwas Hartes ist", erklärte Wagner. "Wenn dann noch 1.000 Leute drumherum stehen, plus Presse, habe ich immer das Problem, dass ich die Jungs zusammenholen und etwas leiser reden muss. Da gehen mir manchmal ein paar Momente verloren, weil ich einfach aktiv trainieren möchte."
Kessler beruhigt: Effzeh will nahbar bleiben
Der Effzeh wandert damit auf einem schmalen Grat, denn für das familiäre Image des Vereins ist die Fannähe alles andere als unwichtig. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler beruhigt daher die Gemüter: "Wir haben da sehr intensiv drüber diskutiert. Wir sind ein sehr nahbarer Klub und sind extrem stolz darauf. Wir wollen weiter nahbar bleiben, aber natürlich gebührt es auch der Professionalität. Das ist mir ganz wichtig: Bitte nicht den Eindruck haben, dass wir sagen, wir wollen euch nicht am Geißbockheim haben, ganz im Gegenteil."
Auch in der Woche vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen (Samstag, 18.30 Uhr) bekommen die Fans die Umstellung von Wagner zu spüren: Die drei Einheiten von Mittwoch bis Freitag werden allesamt unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Am Wochenende werden sich die Effzeh-Profis dafür aber wieder vor 50.000 Anhängern präsentieren.
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