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Braucht der BVB einen neuen Sechser?

Neben der Offensive steht auch das zentrale Mittelfeld im Transfer-Fokus. Doch braucht es dort überhaupt einen Neuzugang?
Jobe Bellingham zeigt sich schon topfit
Jobe Bellingham zeigt sich schon topfit | Hendrik Deckers/GettyImages

Die erfolgreichen BVB-Teams der Vergangenheit hatten eines gemeinsam: Ein überragendes zentrales Mittelfeld. Bei den beiden Meistertitel 2011 und 2012 dominierte zunächst das Duo Nuri Sahin und Sven Bender das Zentrum, ein Jahr später löste Ilkay Gündogan Sahin ab. Beim Pokalerfolg 2021 stach vor allem Jude Bellingham heraus.

Seither wartet Schwarzgelb auf den nächsten großen Titel. Und auf ein neues Mittelfeld-Duo, das das Team anführen kann. Ist es 2026/27 wieder soweit?

Offensiv-Verstärkung hat Priorität

Klar ist, dass bei der Suche nach Verstärkung in diesem Sommer das Mittelfeld besonders im Fokus steht. Zum einen braucht es mindestens einen Neuzugang für die Kreativ-Abteilung. Einige Kandidaten sollen bereits ausgemacht sein. Der 18-jährige Grieche Konstantinos Karetsas gilt als Wunschkandidat von Sportdirektor Ole Book.

Das Problem: Eigentlich sollte auch noch ein defensiver Anker für die Doppelsechs her. Karetsas würde aber wohl mindestens 30 Millionen Euro kosten. Viel Spielraum beim Transferbudget gäbe es dann nicht mehr.

Womit wir zur Frage kommen: Braucht der BVB überhaupt einen (teuren) Neuzugang auf der Sechs?

Warum es keinen neuen Sechser braucht

Die Antwort auf diese Frage könnte durchaus 'Nein' lauten. Unter einer gewissen Voraussetzung.

Und die hängt mit dem "Königstransfer" des vergangenen Sommers zusammen. Über 30 Millionen Euro nahm die Borussia 2025 für den nächsten Bellingham im zentralen Mittelfeld in die Hand. Jude-Bruder Jobe kam vom AFC Sunderland und weckte große Hoffnungen.

Erfüllen konnte der 20-Jährige diese in seiner Debüt-Saison in Dortmund nur bedingt. Sportchef Lars Ricken erklärte in diesen Tagen in einer Medienrunde deshalb auch, dass man sich von den letztjährigen Transfers weitere Entwicklungsschritte erwarte. Ganz besonders im Kopf gehabt haben dürfte Ricken hier Jobe Bellingham.

Bellingham hat im zweiten Halbjahr seine Rolle gefunden

Die Entwicklung beim englischen Youngster zeigte in der abgelaufenen Rückrunde jedenfalls in die richtige Richtung. Immer mehr wurde Jobe zum unumstrittenen Stammspieler. Immer deutlicher wurde dabei seine Rolle als defensiver Anker im jeweiligen Mittelfeld-Duo, das im Zentrum in ein 3-4-2-1-System gepackt ist, auf das Trainer Niko Kovac auch in der neuen Saison setzen möchte.

Der Best Case für alle Borussen ist 26/27, dass Jobe Bellingham gemeinsam mit Felix Nmecha Erinnerungen an die starken Mittelfeld-Duos der jüngeren Vergangenheit weckt. Und diese Hoffnung ist durchaus begründet. Nmecha wird von vielen als künftiger Weltklasse-Spieler gesehen. Der deutsche Nationalspieler hat alle Tools, um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden. Am besten ist Nmecha derweil, wenn er als Box-to-Box-Spieler agieren kann. Demnach eher als Achter mit Offensivdrang. So wie es Jude Bellingham einst in Schwarzgelb war.

Jobe Bellingham: Der bessere Pavlovic?

Um seine Stärken ausleben zu können, braucht Nmecha einen starken Sechser an der Seite. In der Nationalmannschaft war bei der WM Bayern-Star Aleks Pavlovic diesem Anspruch nicht gewachsen. Kann es der weitaus athletischere Jobe Bellingham beim BVB besser machen?

Einige Indizien sprechen dafür. Zunächst kam er wie sein älterer Bruder als Mittelfeld-Allrounder nach Dortmund, der sowohl Sechs, Acht als auch Zehn bekleiden kann. Schnell stellte sich aber heraus, dass Jobe offensiv deutlich weniger Output liefert als Jude. Stattdessen liegen die Stärken des 20-Jährigen eher vor der Abwehr.

Die Statistiken seiner ersten Bundesliga-Saison lesen sich dabei nicht schlecht. In Sachen Passgenauigkeit und gewonnene Zweikämpfe liegt Bellingham im Bereich des besten Viertels aller Bundesliga-Akteure auf seiner Position (Daten via fotmob). Das gilt auch für die Anzahl erfolgreicher Dribblings und könnte einen Indikator liefern, dass das Potenzial groß ist, auch in engen Situationen in Ballbesitz zu bleiben.

Dass es in Bellinghams Spiel weitere Entwicklungsschritte braucht, zeigt aber auch der Vergleich mit dem Mainzer Kaishu Sano. Der Japaner war 25/26 einer der besten Sechser im deutschen Oberhaus. Dessen Zweikampfwerte lagen vergangene Saison bei rund 63 Prozent (Boden- und Luftzweikämpfe zusammengenommen) und damit gut sechs bis sieben Prozentpunkte höher als bei Bellingham. Bei der Anzahl erfolgreicher Dribblings gehörte Sano zudem zur absoluten Bundesliga-Elite, zwei Drittel seiner Dribblings waren zudem erfolgreich.

Dass der Japaner auch offensiv für mehr Gefahr sorgte, kann an dieser Stelle vernachlässigt werden. In Dortmund braucht es kommende Saison vielmehr einen "Quarterback" mit viel Ballsicherheit, einem sauberen Passspiel und natürlich starkem Zweikampfverhalten. Um das sein zu können, sollte Bellingham auch seine 1,31 Ballverluste pro 90 Minuten herunterschrauben.


Bellingham vs. Sano (Bundesliga 25/26)

Stats (pro 90 Minuten)

Bellingham

Sano

gewonnene Zweikämpfe

5,20

5,38

in %

55,4%

62,7%

gewonnene Luftzweikämpfe

1,21

2,18

in %

57,1%

61,2%

Ballkontakte

68,66

52,43

Ballverluste

1,31

0,53

erfolgreiche Dribblings

0,76

0,82

in %

48,4%

66,7%

erfolgreiche Pässe

46,21

30,22

in %

87,4%

80,1%

Großchancen kreiert

0,10

0,18

Herausgespielte Chancen

0,45

0,74

defensive Aktionen

5,80

5,24

abgefangene Bälle

1,92

1,94

Stats via fotmob


Es ist durchaus denkbar, dass die BVB-Bosse in diesem Sommer auf mindestens einen großen Schritt nach vorne in Bellinghams Entwicklung setzen. Dann bräuchte es trotz des Abgangs von Reservist Salih Özcan und der noch längeren Verletzungspause von Kapitän Emre Can tatsächlich nicht unbedingt einen externen Neuzugang auf der Sechs.

Zumindest keinen, der direkt Ansprüche auf einen Stammplatz stellen würde und entsprechend teuer wäre.

Bellingham startet mit mehr Muskelmasse in die Sommer-Vorbereitung

Die ersten Trainingstage der Sommer-Vorbereitung verstärken diesen Eindruck. Bellingham kam topfit aus der Pause, wirkt deutlich muskulöser als noch im Vorjahr. Und da gehörte er bereits zu den laufstärksten Akteuren beim BVB.

An Motivation mangelt es dem 20-Jährigen ohnehin nicht. Das verdeutlichte er bereits Ende der letzten Saison in einem vereinseigenen Interview: "Jeden Tag, wenn ich zum Trainingsgelände komme, versuche ich einfach, besser zu werden und habe dann das Gefühl, dass der Tag produktiv ist. Ich würde es hassen, zum Trainingsplatz zu kommen und das Gefühl zu haben, dass es einen Tag gab, an dem ich nicht jeden Moment, den ich hier war, optimal genutzt habe."

Die körperlichen Grundlagen scheint Bellingham für die nächste Entwicklungsstufe bereits gemacht zu haben. Jetzt muss er die nächsten Schritte auf dem Platz gehen und umsetzen. Dann winkt Borussia Dortmund tatsächlich ein Mittelfeld-Duo, das in die großen Fußstapfen treten kann.


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