Keine Frage: Der FC Bayern war insbesondere im Rückspiel einfach nicht gut genug, um sich gegen Paris Saint-Germain durchzusetzen und die Hinspiel-Niederlage egalisieren zu können. Insbesondere über die ausgerechnet direkt in den Anfangsminuten wackelige Defensive, durch die Ousame Dembele den frühen Gegentreffer setzen und so die Herausforderungen für die Gastgeber nochmal schwieriger machen konnte, konnte sich auf Münchner Seite geärgert werden.
Den mit Abstand größten Frustmoment für den FCB gab es jedoch beim ausgebliebenen Pfiff zum vermeintlich klaren Hand-Elfmeter. Vitinha wollte den Ball aus dem eigenen Strafraum schlagen, schoss den Ball jedoch an den ausgestreckten Arm von Joao Neves. Für das gesamte Stadion – mit Ausnahme der mitgereisten PSG-Fans – war direkt klar: Das muss ein klarer Strafstoß sein. Umso größer war der Ärger, als klar wurde, dass Schiedsrichter Joao Pinheiro nicht pfiff und auch vom VAR nicht korrigiert wurde. Im Netz sprachen zwar vorrangig, aber längst nicht nur die Bayern-Fans von einer riesigen Fehlentscheidung und teilweise sogar von einem Skandal.
Allerdings scheint die Entscheidung von Pinheiro, in dieser Szene keinen Hand-Elfmeter zu geben, den aktuellen Regeln nach korrekt gewesen zu sein. Der FC Bayern wurde hier also nicht zum Opfer eines vermeintlich schwachen Schiedsrichters, stattdessen muss über die Regularien diskutiert werden.

Eigene Klärungsaktion: Kommt der Ball vom Mitspieler, wird anders auf die Szene geguckt
Die IFAB-Regel ('International Football Association Board') für diesen Fall kennt einen klaren 'teammate to teammate'-Aspekt. Vereinfacht formuliert heißt es dort: Wird ein Spieler bei einem Schuss oder Kopfball eines Mitspielers an der Hand oder am Arm getroffen, liegt in der Regel - wenn es sich um eine Klärungsaktion vom Tor weg handelt - kein Handspiel vor.
Und genau darum ging es in dieser Aktion. Vitinha wollte die Situation klären, den Ball einfach aus dem eigenen Strafraum schlagen. Neves, der sich in dieser Aktion auch noch etwas vom Ball wegdreht, bekommt diesen an den zwar ausgestreckten Arm – doch rein theoretisch zum eigenen Nachteil für PSG, weil die Klärungsaktion so ausbleibt. Auch der Aspekt der womöglich vergrößerten Körperfläche, wie manch einer angesichts dieser Regel noch anführte, ist dann zu vernachlässigen.
Eine Ausnahme gibt es in dieser Regel, wenn beispielsweise durch die vom eigenen Mitspieler angeschossene Hand ein eigenes Tor erzielt wird. Das war aber hier nicht der Fall, es handelte sich sogar um eine Defensiv- anstatt um eine Offensivaktion. Dementsprechend musste der Unparteiische auch nicht für einen zweiten Blick zum VAR-Bildschirm zitiert werden. Rein regeltechnisch war es mindestens vertretbar, wenn nicht gar schlichtweg korrekt, den Münchenern hier keinen Hand-Elfmeter zuzusprechen.
Weitere Nachrichten rund um den FC Bayern:
