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Anruf aus dem Kanzleramt: Die ambitionierte WM-Zielsetzung der DFB-Bosse

Nach den bitteren WM-Enttäuschungen der jüngeren Vergangenheit richtet sich der Fokus der deutschen Nationalmannschaft voll auf Wiedergutmachung in Nordamerika.
Wie lange ist das DFB-Team bei der WM in Nordamerika dabei?
Wie lange ist das DFB-Team bei der WM in Nordamerika dabei? | Alexander Hassenstein/GettyImages

Das Interesse an der Nationalmannschaft reicht kurz vor dem Start in die XXL-Weltmeisterschaft bis in die höchsten politischen Ebenen der Bundesrepublik. Pünktlich zum Turnierstart meldete sich Bundeskanzler Friedrich Merz per Video-Call aus Berlin bei Kapitän Joshua Kimmich und dem DFB-Tross, der aktuell im "German House of Soccer" Quartier bezogen hat. Merz wünschte der Mannschaft nicht nur viel Erfolg für die kommenden Wochen, sondern hakte auch ganz direkt nach, wie weit die sportliche Reise über den großen Teich dieses Mal gehen soll.

Das Viertelfinale als klarer Richtwert für die Nationalelf


Wie DFB-Sportgeschäftsführer Andreas Rettig im Anschluss gegenüber Sky Sport verriet, formulierte der Verband eine ebenso diplomatische wie ambitionierte Antwort. Man wolle definitiv noch im Turnier vertreten sein, wenn in Berlin die parlamentarische Sommerpause startet.

Ein Blick auf den Kalender offenbart die exakte Zielvorgabe hinter dieser humorvollen Aussage: Die parlamentarische Pause des Bundestages beginnt am 11. Juli. Da die Viertelfinal-Partien der Weltmeisterschaft genau zwischen dem 9. und 11. Juli ausgetragen werden, ist das interne Minimalziel der sportlichen Leitung unmissverständlich abgesteckt.

Erreicht das Team die Runde der letzten Acht, würde der DFB nach den jüngsten WM-Fehlschlägen von einem vollen Erfolg sprechen. Durch das neue Turnierformat mit 48 teilnehmenden Teams bedeutet dies immerhin, dass die Mannschaft nach der Gruppenphase gleich zwei K.o.-Spiele – im neu geschaffenen Sechzehntelfinale sowie im Achtelfinale – siegreich gestalten muss.

Neuendorf bremst die Erwartungen und lobt die neue Euphorie

Will die neu entfachte Euphorie der Fans auch bei der WM aufrechterhalten: DFB-Präsident Bernd Neuendorf
Will die neu entfachte Euphorie der Fans auch bei der WM aufrechterhalten: DFB-Präsident Bernd Neuendorf | Alexander Hassenstein/GettyImages

Trotz dieser klar umrissenen internen Zielmarke der sportlichen Leitung ist DFB-Präsident Bernd Neuendorf spürbar bemüht, den öffentlichen Druck auf den Kader vor dem Auftaktspiel nicht unnötig in die Höhe zu schrauben.

Der Verbandschef betonte ausdrücklich, dass es vonseiten der DFB-Spitze keine starren, dogmatischen Vorgaben gebe, die unweigerlich erfüllt werden müssten. Wenngleich der Anspruch einer deutschen Nationalelf natürlich historisch bedingt immer der sei, bei einem großen Turnier tief in die heiße K.o.-Phase vorzudringen, gelte es zunächst, demütig die elementaren Hausaufgaben zu machen.

Nach den regelrecht traumatischen Vorrunden-Aus-Erlebnissen bei den Endrunden in Russland (2018) und Katar (2022) liege der primäre Fokus nun allein darauf, die anstehende Gruppenphase mit souveränen und überzeugenden Auftritten zu meistern.

Besonders wichtig sei es den Bossen, die gewaltige Euphorie und die enge emotionale Bindung zu den Fans aufrechtzuerhalten. Diese Nähe hatte man sich nach einer langen Entfremdungsphase erst bei der mitreißenden Heim-Europameisterschaft im Jahr 2024 mühsam durch ehrlichen und leidenschaftlichen Fußball zurückerkämpft. Ein erneuter Fehlstart auf der Weltbühne soll dieses neu entfachte Feuer unter den Anhängern keinesfalls wieder ersticken.

Teamgeist als Schlüssel zum Erfolg

Dass die Träume von einem möglichen fünften WM-Titel oder gar einer als absolut sicher eingeplanten Halbfinal-Teilnahme (am 14. und 15. Juli) aktuell noch reine Zukunftsmusik sind, weiß auch Neuendorf extrem realistisch einzuschätzen.

Es wäre laut dem obersten deutschen Fußballfunktionär schlichtweg vermessen zu behaupten, man würde die internationale Top-Konkurrenz bei diesem Turnier problemlos aus dem Weg räumen. Zu eng sei die Weltspitze mittlerweile zusammengerückt.

Dennoch blickt die Verbandsspitze dem Turnierstart äußerst optimistisch entgegen. Der Grund dafür ist die spürbar exzellente Stimmung innerhalb der Truppe, die laut Neuendorf absolut authentisch und "nicht gespielt" sei.

Der Zusammenhalt der Spieler, der sich nicht nur in den Trainingseinheiten auf dem Rasen, sondern vor allem auch im täglichen Miteinander und den Freizeitaktivitäten im Mannschaftsquartier zeigt, sei tief greifend. Dieser enge, mannschaftsdienliche Teamgeist, so die feste Überzeugung der DFB-Bosse, bilde die allerwichtigste Grundvoraussetzung, um den Traum vom Viertelfinale – und vielleicht sogar noch etwas mehr – in den USA, Kanada und Mexiko Wirklichkeit werden zu lassen.


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