Abstiegskampf, Transfers, Fans: Warum Gladbach ein Pulverfass ist
Von Fabian Küpper

Rouven Schröder hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er schwierige Situationen bei einem Traditionsverein meistern kann. Schalke 04 führte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach nach dem Abstieg zurück in die Bundesliga.
Die Fohlen muss der 50-Jährige dabei allerdings nicht ins deutsche Oberhaus führen, sondern sie vielmehr dort halten. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit, schließlich beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur noch drei Punkte. Die ungewisse sportliche Situation beißt sich dabei mit den Zukunft-Visionen des Vereins und macht die Borussia zu einem Pulverfass.
Eine neue Philosphie
Das fängt schon bei den Transfers an. Elf Kaderbewegungen nahm Schröder in der Winter-Transferperiode vor – so viele wie seit 2005 nicht mehr. Dabei setzte er die geforderte Sparpolitik perfekt um: Schröder generierte durch Ablösen und Gehaltseinsparungen 4,5 Millionen Euro und holte im Gegenzug ausschließlich Leihspieler.
Hier liegt jetzt aber die Krux: Weder Alejo Sarco, noch Kota Takai und Hugo Bolin sind Soforthilfen, die Gladbach im Abstiegskampf gebrauchen könnte – die angebotenen, aber abgelehnten Edin Dzeko und Sheraldo Becker wären es hingegen gewesen. Sie wären allerdings deutlich teurer gewesen.
Gladbach denkt groß
Es zeigt, dass Rouven Schröder das Kunststück bewerkstelligen muss, den Kader günstiger zu machen, ohne ihn gleichzeitig schlechter zu machen. Eine echte Herkulesaufgabe, genauso wie die langfristigen Pläne der Borussia.
Denn Schröder will den Verein auch strukturell neu aufbauen. Von Bayern kommt mit Chefscout André Hechelmann ein Vertrauter aus seiner Zeit auf Schalke. Der 41-Jährige beerbt den langjährigen Scouting-Direktor Steffen Korell und soll den Bereich modernisieren.
Zudem wird auch über eine Asienreise diskutiert. Grund ist die Kooperation mit dem japanischen Verein Kashima Antlers, durch die Gladbach in der Vermarktung und im Scouting profitieren will. Das Ziel: Die Borussia auch international wieder gefragter machen.
Eine verunsicherte Mannschaft
Den hohen Zielen gegenüber steht die aktuelle prekäre sportliche Situation. Gegen Leverkusen zeigte die Mannschaft zwar endlich wieder Mut, Bereitschaft und ein aggressives Pressing. Allerdings steht in den Sternen, wie nachhaltig diese Entwicklung wirklich ist.
Zudem soll laut Bild-Informationen auch innerhalb der Mannschaft Unruhe herrschen. Das Team sei mental angeschlagen und könne mit Rückständen nicht umgehen, heißt es. Zudem würden einige Profis offen ihre Unzufriedenheit zeigen.
Gleichzeitig sinken durch die dürftigen Leistungen auch die möglichen Verkaufspreise einzelner Spieler im Sommer – vor allem dieser Aspekt sorgt im Borussia-Park für Schweißausbrüche.
Klare Forderungen der Fans
Was zudem zumindest für Stirnrunzeln bei der Vereinsführung sorgt, sind die Fans. Die neu aufgestellte Dachorganisation der Anhänger setzt mit einer zehn Punkte umfassenden Agenda die Bosse unter Druck. Unter anderem fordert die Organisation, dass sich die Fohlen aktiv gegen Investoreneinstiege und die Aufhebung der 50+1-Regel sowie für die Abschaffung des VAR einsetzen.
Gerade Letzteres ist ein Thema mit viel Sprengkraft – obwohl es mittlerweile nahezu wöchentlich Diskussionen um den Videobeweis gibt.
Fakt ist: Es ist eine hoch-explosive Situation bei den Fohlen. Es geht nicht nur um den Klassenerhalt – vielmehr geht es um die mittlefristige Zukunft des gesamten Vereins.
Weitere Gladbach-News lesen:
feed