Die ersten Länderspiele von Jürgen Klopp als Bundestrainer sind geschafft und neben der im Vorfeld gehegten enormen Hoffnung auf schnelle Besserung schwingt im Nachhinein auch eine gute Portion Enttäuschung mit, dass der Hoffnungstrainer eben auch nicht zaubern und eine Weltklasse-Mannschaft aus dem Hut ziehen kann.
Klopp wird noch jede Menge Arbeit, Zeit und Geduld, aber auch Mut beweisen müssen, um die DFB-Auswahl wieder in die Spur zu bringen und fit für die Europameisterschaft 2028 zu machen.
DFB-Länderspiele offenbarten auch viele Schwächen
Was beim deutschen Team in den Länderspielen gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland auffällig wurde, war, dass es vor allem an Kreativität, Direktheit, Zielstrebigkeit und manchmal einem kleinen Schuss Brechstange fehlte – vor allem gegen die tief stehenden Griechen.
Die Erkenntnisse aus dem ersten großen Bewerbungstreffen unter Klopp, bei dem er mittels XXL-Kader versucht hat, einen ersten groben Einblick zu gewinnen, wer in seine Vorstellung passt und wer (noch) nicht oder nicht mehr, waren sicherlich schon umfassend.
Doch was eben auch deutlich wurde, ist, dass die Tür für diejenigen, die nicht nominiert waren oder mit denen künftig kaum noch jemand rechnet, eben noch nicht zu ist.
Wir zeigen euch drei Spieler, die sich bis zur nächsten Länderspielphase im November jetzt anbieten können, um unter Klopp einen Platz im Team zu ergattern und verschiedene Baustellen zu schließen.
Tür nicht zu: Diese 3 Stars könnten nach dem Klopp-Debüt profitieren
Im zentralen Mittelfeld der DFB-Auswahl fiel auf, dass der zweite Block deutlich besser und harmonischer zu funktionieren schien. Während es um Felix Nmecha und vor allem Joshua Kimmich recht viel Kritik oder zumindest zahlreiche Fragezeichen gab, wussten Tom Bischof und Aleksandar Pavlovic über weite Strecken deutlich mehr zu beeindrucken.
Die beiden Bayern-Shootingstars haben sich ihren Stammplatz bei Klopp damit zwar längst noch nicht gesichert, doch nun dürfte endgültig klar sein, dass die Karten im deutschen Mittelfeld gänzlich neu gemischt werden und niemand mehr einen gefestigten Platz hat – auch Kapitän Kimmich nicht.
Leon Goretzka / Aston Villa
Und genau in diese Thematik könnte sich Leon Goretzka nun vielleicht noch einmal einbringen, mit dem vermutlich kaum noch jemand rechnet, was eine Zukunft im DFB-Team angeht. Der Ex-Star des FC Bayern kam aufgrund einer leichten Verletzung überhaupt nicht in Frage für eine Nominierung, doch vermutlich hätte er es auch ohne Blessur sehr schwer gehabt, ins XXL-Aufgebot berufen zu werden.
Doch der robuste Box-to-Box-Spieler könnte durchaus vielversprechend ins Klopp-System passen und neben den kreativen Spielgestaltern auch eine neue Durchschlagskraft durchs Zentrum einbringen. Denn während Goretzka defensiv in der Vergangenheit etwas eingebüßt zu haben scheint, ist er immer noch ein Spieler, der vor dem gegnerischen Tor für große Gefahr sorgen kann und seine Physis auch in engen, ruppigen Strafraumszenen einbringen kann.
Zwar hätte auch der 73-fache Nationalspieler wenig Ausblick auf Stammplatzgarantie, doch für spezielle Spiele fehlt sein Profil im deutschen Team in Gänze. Und seine Erfahrung könnte auch beim Umbruch helfen.

Was aus dieser Sicht unbedingt beachtet werden muss: Goretzka ist erst 31 Jahre alt und muss sich mit seinem Wechsel in die Premier League komplett neu beweisen. Raus aus der Komfortzone, rein in eine Welt, die alles von ihm abverlangen wird, was noch im Tank steckt. Das wird den wahren Goretzka - ungeachtet aller Kritik - noch offenbaren.
Der bewusste Schritt in ein Umfeld, das ihn auf neue Art und Weise permanent herausfordern wird, kann auch ein erheblicher Karriereschub sein und zu einem späten Frühling führen. Denn anders als beim FC Bayern muss sich Goretzka bei Aston Villa nun im Brot und Butter-Business mit absoluten Topklubs messen und permanent abliefern, wenn er nicht eine ähnlich bittere Erfahrung wie Niclas Füllkrug machen will.
Das könnte nicht nur Goretzka, sondern letztlich auch dem deutschen Fußball helfen – vor allem, wenn der gebürtige Bochumer die Flughöhe des englischen Oberhauses auf Dauer halten und seine Spielweise wieder intensivieren kann. Genau dann wäre ein Spieler seines Formats und seiner Erfahrung Gold wert für den Powerfußball Klopps.
Leon Goretzka kann bei entsprechender Leistung in England schnell wieder ins Gespräch kommen und an Standing im deutschen Fußball gewinnen - dafür muss er aber auch fit bleiben bzw. werden . Aktuell laboriert er noch an leichten Knieproblemen.
Doch neben den neu gemischten Verhältnissen und einer deutlich abgeflachten Hierarchie im zentralen Mittelfeld wurde eben auch deutlich, dass es der deutschen Nationalmannschaft an weiteren Spielertypen wie Derry Scherhant fehlte, die zielstrebig mit hohem Aufwand und mit Nachdruck gegnerische Abwehrketten attackieren.
Ein Kevin Schade beispielsweise konnte seine Chance nicht nutzen, und auch ein Serge Gnabry oder Karim Adeyemi blieben vieles schuldig, was man auf den offensiven Außenbahnen zuvor von ihnen erwartet hatte. Auch hier sind die Strukturen nun komplett aufgebrochen und liegen für jedermann offen.
Maximilian Beier / Borussia Dortmund
Und genau da könnte sich Maximilian Beier von Borussia Dortmund in Lauerstellung bringen, denn unter Niko Kovac blüht der agile Außenbahnspieler zunehmend auf. Beier war an den ersten vier Spieltagen bereits an drei Treffern des BVB direkt beteiligt und hat großen Anteil am erfolgreichen Saisonstart.
Seine Art Fußball zu spielen, ähnelt der von Derry Scherhant und vielleicht ist gerade diese Vorstellung von viel direkterem Flügelspiel die große Erkenntnis der Länderspielpause. Eine Flügelzange aus Beier und Scherhant – das klingt nach durchaus viel Spaß und Offensivpower. Auf gut Deutsch gesagt: Fußball auf die Fresse statt Klein-Klein und Hacke-Spitze-Eins-Zwei-Drei.

Um ehrlich zu sein, hatten viele eigentlich auch fest mit einer Nominierung des Dortmunders gerechnet. Das Staunen war schließlich groß, als Beier im ersten Klopp-Aufgebot fehlte - vor allem bei Fans des BVB. Aber vielleicht stieg seine Aktie jetzt gerade deshalb um einiges an und brachte ihn trotz Fehlens plötzlich eine Nasenspitze vor diejenigen, die dabei waren und nicht überzeugen konnten.
Das betrifft auch das Sturmzentrum, bei dem man in nahezu jedem Spiel nicht nur die große Durchschlagskraft vermisste, sondern auch das Gefühl hatte, dass es dort keinen echten Zielspieler gibt.
Nick Woltemade bestätigte während der Länderspielpause, dass er seiner Gala-Form aus Stuttgarter Zeiten längst nachläuft und das gegnerische Tor für den baumlangen Angreifer wie vernagelt scheint. Stürmer Nummer eins, Kai Havertz, wurde abermals vom Verletzungspech eingeholt und stellt keine verlässliche Fixgröße dar. Shootingstar Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt ist noch nicht so weit und kann die große Last im DFB-Team noch nicht schultern.
So wirkte es, als würde die DFB-Auswahl komplett ohne Sturmspitze agieren.
Deniz Undav / VfB Stuttgart
Und genau hier hat Deniz Undav Pluspunkte gesammelt, obwohl er gar nicht dabei war. Denn einen bulligen Strafraumwühler, der einfach da ist und aus dem Nichts den Fuß hinhält, hat man in allen vier Spielen schmerzlich vermisst. Womöglich hätte der Torjäger des VfB Stuttgart trotz seiner kleinen Formkrise im Verein dort für Akzente sorgen können.

Bei der am Ende enttäuschenden Weltmeisterschaft im Sommer war Undav schließlich der vermeintlich hellste Lichtblick in einem ansonsten blassen DFB-Team.
Mit neun Toren aus 13 Länderspielen hat der 30-Jährige eine beeindruckende Statistik vorzuweisen. Zwar war seine Nicht-Nominierung irgendwie auch nachvollziehbar, doch am Ende fragte man sich insgeheim, ob es nicht gerade bei ihm sinnvoll gewesen wäre, den Rücken zu stärken.
Andererseits könnte die Nicht-Nominierung für ihn auch ein Ansporn sein, bis zum November zu zeigen, dass er unbedingt in die Nationalelf gehört und der Weg in der deutschen Spitze nur über ihn führt. Sein größter Pluspunkt in dieser Geschichte dürfte sein, dass man vor allem auf seiner Position gemerkt hat, was alles fehlt - oder eben, dass ein klassisches Undav-Näschen fehlt.
