Jürgen Klopp hat mit dem DFB-Team den Befreiungsschlag geschafft. Im dritten Länderspiel unter dem neuen deutschen Hoffnungsträger gab es gegen Serbien endlich den ersten Sieg. Ein sehr überzeugender, auch wenn der Gegner sicherlich nicht die größte Aufgabe darstellte.
Im Vorfeld der ersten vier Spiele unter dem neuen Bundestrainer hatte 'The National One' bereits für Aufbruchsstimmung gesorgt. Die deutsche Nationalmannschaft soll ein neues, erfrischendes Gesicht bekommen. Der Klopp-typische "Heavy-Metal-Fußball" mit viel Gegenpressing soll dafür sorgen, dass potenziell jeder Gegner bezwungen werden kann. Und dabei die eigenen Anhänger emotional mitgenommen werden.
Müdes Ballgeschiebe und unmotiviert wirkende Nationalspieler sollen unter Klopp der Vergangenheit angehören. Das 2:0 über Serbien war dafür ein wichtiger Schritt. Und hat deutlich gemacht, dass der 59-Jährige einige "alte Zöpfe" im DFB-Team abschneiden sollte.
Mit seiner ungewöhnlichen ersten Nominierung von gleich 44 Akteuren verteilt auf zwei Kader hat Klopp auch hier schon den ersten Schritt gemacht. Weitere sollten jetzt folgen.
Wir blicken dafür auf sechs Spieler, die Klopp zumindest nicht mehr als Stammspieler einplanen sollte. Für vier der sechs von uns genannten Akteure sollte die DFB-Karriere komplett vorüber sein.
Auf dieses Quartett sollte Klopp in Zukunft komplett verzichten
1. Josha Vagnoman

Die Rechtsverteidiger-Position ist seit Jahren ein Sorgenkind im DFB-Team. Joshua Kimmich musste hier viel zu häufig aushelfen. Und entgegen den häufigen Nagelsmann-Analysen war der Bayern-Star hinten rechts nie "einer der Besten auf dieser Position", wie es der ehemalige Bundestrainer gerne bewertete.
Jürgen Klopp hat das erkannt und will Kimmich künftig nicht mehr als Rechtsverteidiger einsetzen. Es braucht deshalb Alternativen. Weil Josha Vagnoman einen starken Saisonstart im VfB-Trikot hatte, schien sich der 25-Jährige eine erneute Nominierung verdient zu haben.
Das Problem: Vagnoman verfügt einfach nicht über die nötige Klasse, um die DFB-Schwachstelle auszumerzen. Das hat er bei all seinen drei A-Länderspielen "bewiesen".
Entsprechend sollte Klopp künftig komplett auf Vagnoman verzichten. Zumal er zum Glück mit Philipp Treu die potenzielle Lösung für die Zukunft gefunden hat. Der Freiburger hat in seinen ersten beiden Länderspielen – anders als Vagnoman – komplett überzeugt.
2. Serge Gnabry

Große Ehre für Serge Gnabry: In seinem 62. Länderspiel durfte er die deutsche Nationalmannschaft erstmals als Kapitän aufs Feld führen.
Es wäre ein würdiger Abschluss seiner Länderspielkarriere. Mit 31 Jahren hat der Bayern-Star schon zahlreiche Verletzungsrückschläge erlitten. Für ihn wäre es nun am besten, er würde sich ausschließlich auf den Klub-Fußball konzentrieren.
In guter Form hat Gnabry zwar weiterhin die Klasse, so gut wie jeder Mannschaft der Welt weiterhelfen zu können. Im DFB-Team gibt es aber zu viele Spieler der jüngeren Generationen, die auf Einsatzzeiten drängen.
Said El Mala, Lennart Karl, Derry Scherhant (der gegen Serbien einen starken Eindruck hinterließ), Kevin Schade, Bambasé Conté und Karim Adeyemi sollten in Zukunft die Optionen auf den Flügeln sein. Und im Zentrum versperren Wirtz, Musiala und Co. Gnabry den Platz.
3. Nadiem Amiri

Klingt hart, aber Nadiem Amiri ist im DFB-Team überflüssig. Im zentralen Mittelfeld hat Klopp zahlreiche Alternativen, die vor dem 29-Jährigen anzusiedeln sind.
Für Mainz ist und bleibt Amiri zwar ein Unterschiedsspieler. Im DFB-Team hat er diese exponierte Stellung aber nicht inne. Sein Auftritt gegen die Niederlande hat gezeigt, dass für das internationale Topniveau vielleicht doch ein paar Prozentpunkte fehlen.
Es hatte schließlich auch seine Gründe, warum Amiri in Leverkusen am Ende keine Rolle mehr spielte...
4. Maximilian Mittelstädt

Maxi Mittelstädt ist ein feiner Kicker mit einer für einen Linksverteidiger überdurchschnittlich guten Technik. Der 29-Jährige sollte aber mit 16 A-Länderspielen nun das Maximum aus seiner Karriere herausgeholt haben. Denn Mittelstädts Defizite in Sachen Tempo und defensiver Zweimampfführung sind ebenso offensichtlich.
Als Platzhirsch hinten links sollte sich Nene Brown etabliert haben. Dahinter bietet sich mit David Raum ein Linksverteidiger mit anderem Profil eher an.
Zwei Platzhirsche, die es nicht mehr braucht
5. Joshua Kimmich

Einsatz, Leidenschaft, Mentalität, Siegeswille, Klasse – Joshua Kimmich ist der perfekte DFB-Kapitän. Eigentlich! Denn der 31-Jährige scheint einfach der Pechvogel der deutschen Nationalmannschaft zu sein.
Ging es in seinem DFB-Debütjahr 2016 mit Kimmich immerhin noch bis ins EM-Halbfinale und ein Jahr später zum Titel im Confed Cup, wird seine DFB-Bilanz im Anschluss zappenduster.
WM 2018: Gruppen-Aus, EM 2021: Achtelfinal-Aus, WM 2022: Gruppen-Aus, EM 2024: Viertelfinal-Aus, WM 2026: Sechzehntelfinal-Aus!
Bei allen Qualitäten, die Kimmich definitiv mitbringt: Der 31-Jährige sollte unter Klopp einfach nicht mehr gesetzt sein. Auf der Rechtsverteidiger-Position wie zuvor unter Nagelsmann ohnehin nicht. Und auch nicht auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld.
Der 116-fache Nationalspieler muss Platz machen für die nächste Generation. Die dann vielleicht nicht mehr das Pech an den Hacken kleben hat. Hoffnungen hat in der Vergangenheit schon Felix Nmecha geschürt. Gegen Serbien beeindruckten Aleks Pavlovic und Tom Bischof. Im 4-3-3 von Klopp sollte zudem eine Position im Zentrum von Florian Wirtz (oder Jamal Musiala) belegt sein. Und auch den derzeit verletzten Leipziger Assan Ouedraogo sollte man weiter auf der Rechnung haben.
6. Jonathan Tah

In Leverkusen hat sich Tah unter Xabi Alonso zum international hoch angesehenen Innenverteidiger entwickelt. Beim FC Bayern scheint der 30-Jährige sogar noch einen weiteren Schritt gemacht zu haben. In München ist Tah gesetzt und aufgrund konstant guter Leistungen unumstritten.
Anders sieht das im DFB-Dress aus. Da kam Tah in seinen bisher 53 Länderspielen nur höchst selten an die Form aus dem Klub heran. Und genau hier liegt das größte Problem der deutschen Mannschaft in den vergangenen Monaten und Jahren: Zu wenige Akteure zeigen im DFB-Team ihr Potenzial aus dem Klub.
Tah gehört definitiv dazu und wirkt eher wie ein Unsicherheitsfaktor denn Stabilisator der deutschen Defensive – die ohne ihn gegen Serbien erst zum zweiten Mal in diesem Jahr ohne Gegentreffer blieb.
Nicht falsch verstehen: Tah ist ein hervorragender Innenverteidiger, den Klopp zumindest als Backup weiterhin nominieren kann. Neben Nico Schlotterbeck sollte er künftig aber auf einen anderen zentralen Abwehrspieler setzen.
Optionen hat Klopp dafür genug: Yann Bisseck (25, Inter), Malick Thiaw (25, Newcastle), Finn Jeltsch (20, Stuttgart), Waldemar Anton (30, BVB).
