Jürgen Klopp hat insgesamt 44 Spieler für seine ersten vier Länderspiele nominiert und zahlreichen jungen Spielern zum Debüt im DFB-Team verholfen. Bei dieser Anzahl an Akteuren ist man – überspitzt formuliert – geneigt zu sagen, dass jeder, der einigermaßen gegen den Ball treten kann, mit dabei war.
Dem ist allerdings nicht so. Klopp hat sich gegen einige prominente und talentierte Spieler entschieden, die dem Team durchaus helfen könnten. Wir werfen einen Blick auf fünf Nichtnominierte, die es beim nächsten Mal in den dann deutlich kleineren Kader schaffen sollten.
An diesen fünf Spielern ist für die Länderspielpause im November kein Vorgbeikommen:
1. Deniz Undav

Wer gedacht hätte, dass Deniz Undav zum großen Profiteur des Nagelsmann-Aus wird, sieht sich zunächst getäuscht. Jürgen Klopp setzte nicht auf den VfB-Stürmer, der so schleppend in die neue Saison gestartet ist. Aus diesem Gesichtspunkt heraus war es auch in Ordnung, Undav nicht zu nominieren.
Blickt man aber auf die Leistungen, die der 30-Jährige in den letzten drei Jahren gezeigt hat, gehört er aber ganz klar in die Nationalmannschaft. Es ist nicht ganz ungewöhnlich, dass Undav mit Formschwankungen zu kämpfen hat. Demnach kann man sich aber sicher sein, dass sich der Angreifer aus seiner Leistungsdelle wieder herauskämpfen wird. Ob der Stuttgarter jetzt ein Mann für die erste Elf ist, sei mal dahingestellt, jedoch benötigt man ihn zumindest als kaltschnäuzigen Joker, der weiß, wo die Bude steht.
Diesen Killer-Instinkt konnte keiner der 44 Klopp-Spieler unter Beweis stellen. Die magere Torausbeute von drei Treffern in vier Partien war die logische Konsequenz.
2. Angelo Stiller

Bei Angelo Stiller ist die Angelegenheit tatsächlich einigermaßen kompliziert. Der zentrale Mittelfeldspieler ist ein Spielertyp, den es in Deutschland relativ häufig gibt. Stiller ist ähnlich wie Aleksandar Pavlovic, Tom Bischof und Joshua Kimmich äußerst spielintelligent, passsicher und technisch beschlagen, bringt aber keine sonderlich ausgeprägte Athletik mit. Demnach kann man sich streiten, ob noch Platz für Stiller im Aufgebot sein sollte.
Letztlich ist es aber so, dass Stiller massiv unterschätzt wird. Der Aufschwung des VfB Stuttgart in den letzten Jahren ist definitiv auch sein Verdienst, weil er die Geschicke als Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld lenkt.
Weil Klopp auf ein 4-3-3 setzt, könnte der Bedarf nach Stillers Qualitäten durchaus gegeben sein.
3. Nicolo Tresoldi

Den Fall von Nicolo Tresoldi muss man natürlich ein wenig anders bewerten. Der Brügge-Stürmer stand nicht im Aufgebot der A-Nationalmannschaft, da er sich noch nicht zwischen Deutschland und Italien entscheiden konnte. Bedenkt man die knifflige Stürmer-Situation im DFB-Team wäre es enorm wichtig, dass Tresoldis Wahl auf Deutschland fällt.
Mit 16 Toren in 26 Spielen fehlt Tresoldi nur noch ein Treffer, um zum deutschen U21-Rekordtorschützen zu werden. Da wäre es schon mehr als bitter, wenn der Mittelstürmer künftig für Italiens A-Nationalmannschaft auf Torejagd geht.
Die Entscheidung muss letztlich Tresoldi selbst treffen, jedoch liegt es gewiss auch an Klopp, den 22-Jährigen eine attraktive Perspektive aufzuzeigen. Tresoldi könnte schließlich die Antwort auf die deutsche Mittelstürmer-Frage sein.
4. Paris Brunner

Paris Brunner hat zwar den ein oder anderen Irrweg hinter sich, blüht nun bei der AS Monaco aber förmlich auf. In sieben Pflichtspielen gelangen ihm in der noch jungen Saison sechs Treffer. Zudem glänzte der Ex-Dortmunder bei seinen ersten Einsätzen in der U21 und setzte sich direkt als Torschütze in Szene.
Die DR Kongo wirbt um die Dienste von Brunner, jedoch hat Deutschland wohl gute Chancen. Zumindest dann, wenn man ihm eine Perspektive aufzeigt. Genau das sollte nun geschehen. Der Angreifer zählt schon in den Junioren-Klassen stets zu den vielversprechendsten Akteuren. Selbst wenn der Sprung von den Junioren in den Erwachsenenbereich bei Brunner nicht reibungslos verlief, scheint er nun den richtigen Weg gefunden zu haben. Mit seiner Schnelligkeit, Technik und Torgefahr bringt der Youngster fußballerisch alles mit. Und er kann sowohl auf der Neun als auch über den Flügel eingesetzt werden.
5. Maximilian Beier

Maximilian Beier zeigte sich enttäuscht darüber, es nicht in den 44er-Kader von Jürgen Klopp geschafft zu haben. Dies ist auch nicht verwunderlich, zumal der Dortmunder im WM-Kader mit dabei war und eigentlich einen guten Saisonstart hingelegt hat. Nach vier Bundesliga-Einsätzen steht der Offensiv-Allrounder bei drei Torbeteiligungen.
Beier ist zwar technisch nicht unbedingt herausragend, hat sich beim BVB aber dennoch weiterentwickelt. Mit seinem Tempo und seinem Einsatzwillen hat er sich sogar schon als Schienenspieler stark präsentiert. Diese Flexibilität und Mentalität machen Beier auch in der Nationalmannschaft zu einem interessanten Spieler. Bedenkt man nun, dass längst nicht alle nominierten Flügelspieler überzeugen konnten, sollte Beier bei den nächsten Länderspielen seine Chance bekommen.
