Immer wieder werden die enormen finanziellen Unterschiede zwischen der Bundesliga und der Premier League deutlich. Während die Insel-Klubs Geld ohne Ende rauskloppen und auch bei sportlichen Misserfolgen munter weiter einkaufen können, sind die deutschen Vereine in einer oft konträren und geradezu frustrierenden Situation.
Der VfB Stuttgart gibt hierbei das beste Beispiel ab. Die Schwaben haben zuletzt mit der Vize-Meisterschaft, dem Pokalsieg und der zweiten Qualifikation für die Champions League innerhalb von drei Jahren sportlich und finanziell große Errungenschaften erzielt. Teure Transfers hat der Verein zwar mit Deniz Undav, Dzenan Pejcinovic und Ermedin Demirovic, die allesamt 25 Millionen Euro gekostet haben, durchaus getätigt, jedoch waren die Verkäufe eigentlich meist lukrativer. Alleine Nick Woltemade hat mit 75 Millionen Euro so viel eingebracht wie das eben genannte Trio zusammen.
Stuttgart muss 40 Mio. Euro erwirtschaften: Mindestens ein Star muss weg
Die Stuttgarter haben weiterhin viel auf junge Spieler gesetzt und aus der Ferne betrachtet sehr solide und bedacht gewirtschaftet. Auch in Sachen Gehälter sollte abgesehen von Deniz Undav kein absoluter Top-Verdiener im Kader sein. Umso überraschender kam der Bericht des kicker, wonach die Schwaben dringend 40 Millionen Euro erwirtschaften müssen. In den nächsten beiden Transferperioden soll in etwas ein solch hohes Transfer-Plus herausspringen, um finanziell gesund bleiben zu können, heißt es (90min berichtete).
Die bittere Realität dürfte also lauten: Ein Star wie Angelo Stiller oder Jamie Leweling muss bald weg.
Gestiegene Personalkosten und Gelder, die zur Modernisierung benötigt werden, sind ausschlagend dafür. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, was der Verein gemacht hätte, wenn Woltemade nicht 75 Millionen Euro eingebracht hätte?
Bundesliga-Dilemma sorgt für Langeweile
Gewissermaßen zeigt das VfB-Finanzproblem genau das Dilemma, in dem sich Bundesliga-Klubs befinden, wenn sie den Weg an die Spitze schaffen. Zwar hat der Verein einen guten Standort, viele Fans und zahlungskräftige Sponsoren, kann aber finanziell dennoch keine großen Sprünge machen. Selbst dann nicht, wenn man annehmen könnte, dass in den letzten Jahren alles nahezu perfekt gelaufen ist. Auf diese Weise ist es nahezu ausgeschlossen, dass sich "normale" Vereine zu Top-Klubs entwickeln und den Bayern Paroli bieten können. Ein Dilemma, das die Bundesliga für viele langweilig werden lässt.
Die Münchner haben sich seit Jahrzehnten ein gutes Polster aufgebaut, doch alle anderen Teams sind auf teure Verkäufe angewiesen. Selbst Dortmund, Leverkusen und Leipzig wären hier zu nennen, wenngleich diese drei Klubs noch eine gewisse Sonderrolle genießen.
Eintracht Frankfurt steckt in einem vergleichbaren Dilemma
Ganz ähnlich wie dem VfB Stuttgart ergeht es dafür Eintracht Frankfurt. Der Klub hat den DFB-Pokal und die Europa League gewonnen und irrsinnige Summen für Randal Kolo Muani, Luka Jovic, Hugo Ekitike und Omar Marmoush generiert. Über mehrere Jahre hinweg erzielten die Hessen Transfer-Überschüsse von rund 40 Millionen Euro und dennoch musste vor allem in diesem Sommer wieder enorm gespart werden. Selbst Leih-Stürmer Arnaud Kalimuendo konnte nicht fest verpflichtet werden. Sportlich ging die Tendenz bereits in der letzten Saison nach unten. Ein ähnliches Schicksal droht nun auch dem VfB Stuttgart.
Bereits in der Vergangenheit mussten andere Klubs ähnliche Erfahrungen machen. Borussia Mönchengladbach hat Anfang und Mitte der 2010er Jahre mehrmals die Champions League erreicht und grandiose Transfer-Coups gelandet. Dennoch konnten sich die Fohlen nie große Sprünge leisten und verabschiedeten sich ins Niemandsland der Bundesliga. Werder Bremen hat Selbiges einige Jahre zuvor durchgemacht.
Tottenham gibt nach Fast-Abstieg 366 Millionen Euro aus
Der Grundsatz "Nach oben kommen ist schwer, oben zu bleiben umso mehr" ist auf eine Vielzahl von Bundesliga-Klubs absolut zutreffend. Frustrationspotential ist definitiv gegeben, weil selbst eine positive Entwicklung auf Dauer keine Garantie für irgendetwas darstellt.
Dieses wird noch größer, wenn man den Blick auf Tottenham Hotspur und die dort ganz anderen Gegebenheiten wirft. Die Spurs sind in der Vorsaison fast abgestiegen und konnten im Sommer erneut 366 Millionen Euro für neue Spieler - bei einem Transfer-Minus von mehr als 200 Millionen Euro - in die Hand nehmen.
Die Spurs sind dabei das Paradebeispiel für einen Premier-League-Klub. Wundern braucht man sich deshalb längst nicht mehr, warum die Schwere zwischen den Ligen in England und Deutschland immer weiter auseinandergeht.
