Sportlich verliefen die ersten Monate der Spielzeit 2026/27 für Borussia Dortmund weitgehend stabil, doch hinter den Kulissen an der Strobelallee wird bereits intensiv am nächsten Entwicklungsschritt gefeilt. Die bevorstehende Winterpause fällt durch den engen Terminkalender mit dem Wiederbeginn Anfang Januar extrem kurz aus. Ausgedehnte Trainingslager wie in den Vorjahren fallen flach, und große Kaderumbrüche verbieten sich mitten in der Saison von selbst.
Dennoch können sich die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben im Januar keineswegs zurücklehnen. Nachdem auf der sportlichen Kommandobrücke mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Cheftrainer Niko Kovac bis 2029 für personelle Kontinuität gesorgt wurde, rückt das Aufgebot auf dem Rasen in den Brennpunkt.
Wie die Analysen der vergangenen Wochen zeigen, müssen Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Sportdirektor Ole Book drei zentrale Baustellen im Kader zeitnah anpacken, um böse Überraschungen für die Rückrunde und die kommende Spielzeit abzuwenden.
1. Das Star-Trio und die Lehre aus dem Adeyemi-Schock
Die schmerzhafte Erfahrung aus dem vergangenen Sommer wirkt in den Dortmunder Büros bis heute nach: Damals zogen sich die Verhandlungen mit Flügelflitzer Karim Adeyemi quälend in die Länge, ehe der FC Barcelona ernst machte und der DFB-Star für rund 30 Millionen Euro – kaum mehr als der damalige Einkaufspreis – nach Katalonien abwanderte. Ein solches Zitter-Szenario will die sportliche Führung bei ihren aktuellen Stützen um jeden Preis verhindern.

Um nicht erneut mit Leistungsträgern in den Sommer zu gehen, deren Kontrakte nur noch zwölf Monate Restlaufzeit besitzen, startet der BVB im Winter eine Verlängerungsoffensive für das defensive Fundament. Wie 90min bereits berichtet hat, genießt Innenverteidiger Waldemar Anton dabei oberste Priorität. Erste Sondierungsgespräche mit den Beratern des 30-jährigen Abwehrchefs haben bereits stattgefunden; ein zügiger Abschluss samt angepasster Bezüge gilt als Formsache.
Direkt im Anschluss sollen im November die konkreten Gespräche mit Dauerbrenner Julian Ryerson starten, um das wachsende Interesse aus der englischen Premier League frühzeitig im Keim zu ersticken.
Komplettiert wird das Vorhaben von Keeper Gregor Kobel: Der Schweizer fühlt sich in Dortmund pudelwohl und soll als unumstrittene Identifikationsfigur ähnlich wie einst Roman Weidenfeller langfristig an den Verein gebunden werden.
2. Die rechte Flanke schließen: Das "Piszczek-Projekt"
Auf der Zugangsseite drückt der Schuh vor allem auf der defensiven Außenbahn. Da im Spätsommer die Verpflichtung von Wunschspieler Héctor Fort platzte (der Spanier entschied sich für Real Sociedad) und Yan Couto derzeit an den italienischen Erstligisten Como 1907 verliehen ist, agiert Ryerson auf der rechten Schiene nahezu ohne echten Backup.
Sportdirektor Ole Book betonte unlängst bei den Ruhr Nachrichten, dass man "in der Breite nicht übermäßig besetzt" sei und Wintertransfers definitiv eine Option darstellen.

Ganz oben auf der Liste steht dabei ein hochinteressanter Name: Marcel Reguła. Wie von 90min berichtet, fand auf der Dortmunder Geschäftsstelle bereits ein geheimes Treffen zwischen Book, dessen Referent David Blacha und der Beraterseite des 19-jährigen Polen statt.
Der Clou hinter der Personalie: Obwohl Reguła bei Zagłębie Lubin vor allem als Zehner im offensiven Mittelfeld glänzt und jüngst sein Debüt in der polnischen A-Nationalmannschaft feierte, sieht der BVB in ihm den idealen Kandidaten für eine Positionsumschulung zum Schienenspieler – ganz nach dem Vorbild von Vereinslegende Łukasz Piszczek, der einst ebenfalls als Angreifer kam und zur Abwehr-Ikone reifte. Für eine Ablösesumme von rund sieben bis acht Millionen Euro könnte der Deal bereits im Januar heiß werden.
3. Kaderbereinigung: Das Sabitzer-Dilemma
Wer neue Qualität verpflichten will, muss im Gehaltsgefüge und auf dem Trainingsplatz Platz schaffen – das stellte Manager Book unmissverständlich klar: "Es könnte auch sein, dass dafür zunächst noch ein Abgang nötig ist." Im Fokus steht dabei die Mittelfeldzentrale, in der sich nach den jüngsten Transfers eine spürbare Unwucht gebildet hat.
Als größter Verlierer der internen Hierarchie gilt Marcel Sabitzer. Der 32-jährige Österreicher, der mit geschätzten acht Millionen Euro Jahresgehalt zu den Topverdienern im Kader zählt, sieht sich durch Neuzugänge wie Joey Veerman sowie die starke Konkurrenz um Felix Nmecha und Jobe Bellingham vermehrt auf die Ersatzbank verdrängt. Wie 90min analysiert, ist eine Verlängerung seines 2027 auslaufenden Vertrages intern derzeit ausgeschlossen.

Ähnlich wie bei Linksverteidiger Ramy Bensebaini und dem unzufriedenen Abwehrtalent Luca Reggiani (lediglich 50 Saisonminuten) herrscht bei Sabitzer eine sportliche Hängepartie. Sollte im Januar ein lukratives Angebot aus dem Ausland oder von einem internationalen Topklub eintreffen, wären die Dortmunder Bosse gesprächsbereit, um wertvolles Budget für eigene Vorstöße freizumachen.
Feststeht, die Winterpause mag kurz sein, doch für die sportliche Leitung des BVB werden die kommenden Wochen alles andere als geruhsam.
