Noch vor einer Woche sah es für Lennart Karl alles andere als gut aus. Obwohl sich gegen den BVB mit Ismael Saibari und Serge Gnabry zwei Offensivspieler verletzten, kam der Youngster zunächst nicht in die Partie. Erst als Michael Olise auch noch ausgewechselt werden musste, erhielt Karl noch einen Kurzeinsatz.
Doch nach den schweren Wochen und der immer schärfer werdenden Kritik hat Karl die Wende geschafft. Der 18-Jährige durfte in Madrid und in Mainz von Beginn an ran und erzielte in beiden Partien wichtige Treffer Für den FC Bayern. Hatten Kritiker nach seinem Tor in Madrid noch etwas an seinem Torjubel auszusetzen, bot das Top-Talent am Samstagnachmittag keine Angriffsfläche mehr.
Eberl-Lob an Karl: "Hat gezeigt, wie wichtig er ist"
Das freute auch Sportvorstand Max Eberl. "Es ist einfach schön, dass Lenny jetzt diese Reaktion gezeigt hat. Er hat einfach gezeigt, wie wichtig er für uns ist. Er ist rotzfrech, scheißt sich nix. Er spielt, er macht sein Ding - und das freut uns alle", lobte er Karl nach dem 2:1-Sieg der Münchner in Mainz.
Doch nicht nur Eberl zeigte sich begeistert von Karl. Auch Kollege Harry Kane hatte positive Worte übrig. "Ich genieße es, gemeinsam mit Lenny zu spielen. Er schnappt sich den Ball in den engen Räumen, er bewegt sich gern, ich mache die Läufe auf ihn zu. Ich freue mich für ihn, dass heute wieder getroffen hat", verdeutlichte der Engländer, der sich freut, dass sein Kollege, auf dem Platz die richtige Antwort geben konnte.
"Da war viel Lärm um ihn. Aber dass er zwei Tore in zwei Spielen macht, zeugt von seiner Mentalität", gab Kane zu verstehen. Karl war zuletzt in die Kritik geraten, weil seine Leistungen nicht stimmten, er sich gerne in auffälligen Klamotten zeigte und auf Social Media sehr aktiv war.
Karl-Wende: Hoeneß klopft sich selbst auf die Schulter
Damit hat er unter anderem Uli Hoeneß verärgert. "Ich habe mir vorgenommen, ein ernstes Gespräch mit ihm zu führen. Er ist noch lange kein Superstar, junge Spieler brauchen Demut. Vergleiche mit Olise tun ihm offensichtlich nicht gut, da liegen noch Welten dazwischen", hatte Hoeneß deutliche Worte in einem Interview mit der Welt am Sonntag gefunden.
""Prozent seiner Tore der letzten Tage, da bin ich mit beteiligt""Uli Hoeneß
Nun scheint Hoeneß der Meinung zu sein, dass der Aufschwung von Karl direkt mit ihm zusammenhängt. "50 Prozent seiner Tore der letzten Tage, da bin ich mit beteiligt", erklärte der Ehrenpräsident im Bayerischen Rundfunk.
"Wir sind ja auch verpflichtet, jungen Spielern ein bisschen den Weg zu geben. Ich habe so viel Erfahrung - wenn ein junger 18-Jähriger nicht von mir noch etwas annimmt, dann müssen wir aufhören", fügte Hoeneß hinzu.
Ob es nun aber wirklich die Hoeneß-Worte waren, die Karl wieder in die Spur gebracht haben, sei mal dahingestellt. Womöglich hat der kleine Denkzettel aber auch nicht geschadet.
Der Ehrenpräsident macht allerdings keinen Hehl daraus, wie sehr ihm Social Media ein Dorn im Auge ist. "Dieses ganze Influencer-Zeug ist doch alles eine Scheinwelt", monierte er und gab zu verstehen, dass die Verantwortlichen ihre Spieler davon "ein bisschen runterholen" sollten.
