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Fußballmärchen oder tragischer Heldentod - Was Klopp und Zidane im Job verbindet

Sowohl Jürgen Klopp als auch Zinedine Zidane wecken große Hoffnungen. Doch beide sehen sich auch einer großen Gefahr gegenüber.
VonOliver Helbig
Zidane und Klopp im Fokus
Zidane und Klopp im Fokus | 90min-Edit/IMAG

Die anstehende Länderspielpause ist bei Weitem keine wie sonst, möchte man fast meinen, und dieser Eindruck festigt sich vor allem mit Blick auf namhafte Neubesetzungen von Trainerstühlen großer Fußballnationen.

Neben dem etwas überraschenden Engagement des Spaniers Xavi bei den Niederländern stehen aber vor allem die zuvor erwarteten und vor allem erhofften Amtsantritte von Jürgen Klopp beim DFB sowie der von Zinedine Zidane bei der französischen Nationalmannschaft im großen Rampenlicht. Beide gelten als ausgemachte Helden und Heilsbringer und sollen ihre großen Errungenschaften auf Vereinsebene nun auch ins Nationaldress bringen. Und genau darin liegt die große Gefahr für beide.

Helden auf Vereinsebene

Jürgen Klopp und Zinedine Zidane – ein Vergleich, der aus Sicht der jeweiligen Spielerkarrieren noch eher wie der zwischen einem FIAT-Panda-Pizza-Lieferservice und einem Ferrari F40 anhört, bewegt sich auf der Trainerbank mindestens auf Augenhöhe.

Klopp gilt als Weltstar, der den Fußball neben Pep Guardiola mit einem ganz eigenen Stil prägte und revolutionierte. Bei Zinedine Zidane liegt die Rolle als sportlich starker Mann an der Seitenlinie etwas anders, und dennoch hat der einstige Weltklassemittelfeldspieler und Weltmeister von 1998 nichts von seiner Aura verloren.

Zinedine Zidane feierte den CL-Hattrick
Zinedine Zidane feierte den CL-Hattrick | GENYA SAVILOV/GettyImages

Während Klopp Vereine wie Borussia Dortmund und den FC Liverpool nicht nur wieder groß machte, sondern auch einige Titel holte, übernahm Zidane bislang nur bei seinem Ex-Verein Real Madrid die Zügel und feierte dort unglaubliche Erfolge. Unter anderem holte er drei Champions League-Titel in Folge. Doch auch hier sind die Unterschiede wie Tag und Nacht.

Jürgen Klopp holte den ersten Meistertitel nach 30 Jahren Durststrecke nach Liverpool
Jürgen Klopp holte den ersten Meistertitel nach 30 Jahren Durststrecke nach Liverpool | PAUL ELLIS/GettyImages

Mit dem BVB und den Reds baute Klopp Klubs, die zuvor jahrelang mit sich selbst zu kämpfen hatten und ihren eigenen Ansprüchen hinterherliefen, wieder zu sportlichen Top-Adressen auf. Beim FC Liverpool holte Klopp beispielsweise den ersten englischen Meistertitel nach 30 Jahren an die Anfield Road und gewann zudem die Champions League.

Zidane übernahm eine mit Superstars gespickte Spitzentruppe und stand unter dem großen Druck, Titel gewinnen zu müssen. Erwartungen, die der frühere Weltstar erfüllte – und damit auch zum Welttrainer wurde. Eine ebenfalls überaus beeindruckende Leistung.

Beide Coaches sind angesehene Fachleute mit Heldenstatus und genießen weltweit hohes Ansehen. Sowohl Klopp als auch Zidane haben unter Beweis gestellt, dass sie ihren Fußball auf den Rasen bringen und mit den ganz großen Namen der Branche umgehen und diese führen können. Klopp gilt als Menschenfänger, für den Spieler durchs Feuer gehen. Zidane war vermutlich der Kindheitsheld vieler seiner Starspieler und steht als Persönlichkeit wie ein antiker Held in Marmor vor seinem Team.

Doch bislang haben beide nur auf Vereinsebene gearbeitet. Und da kommt der viel interessantere Schnittpunkt der beiden neuen Hoffnungsträger der Nachbarländer ins Spiel.

Die Fallhöhe ist enorm

Gerade weil die beiden Neu-Nationaltrainer auf Vereinsebene ihr Denkmal derart groß gebaut und aufpoliert haben, ist die Fallhöhe im Nationalteam nun umso höher.

Schaffen es beide, ihren Namen auch in dieser bislang unbekannten Rolle in großem Glanz erstrahlen zu lassen, oder scheitert einer der beiden möglicherweise an dieser nicht ganz unbrisanten Aufgabe, was dann auch zu einem deutlichen Makel des jeweiligen Denkmals führen würde?

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp | Alex Grimm/GettyImages

Jürgen Klopp gilt als Hoffnungsträger des deutschen Fußballs. Er soll die Nationalmannschaft reformieren und wieder an die Weltspitze führen. Seine Aufgabe ist ein Umbruch mit hohen Ambitionen, bei dem der 59-Jährige am besten schon bei der Europameisterschaft 2028 Erfolge vorweisen soll. Wie umfassend dieses Projekt ist, zeigt der XXL-Kader Klopps, der 44 Nationalspieler in zwei Aufgeboten umfasst.

Zwar hat der Amtsantritt und die bisherige Arbeitsweise Klopps in Fußball-Deutschland schon für eine neue kleine Flamme der Euphorie gesorgt, doch was, wenn der sportliche Erfolg der DFB-Auswahl auch unter dem Heilsbringer zum Rohrkrepierer wird?

Zinedine Zidane
Zinedine Zidane | Eurasia Sport Images/GettyImages

Nicht weniger gefährlich ist die Rolle von Zinedine Zidane bei der Equipe Tricolore. Der 54-Jährige übernimmt das Amt von Didier Deschamps, der die Franzosen in den letzten 14 Jahren überaus erfolgreich leitete, einen Punkteschnitt von 2,13 Zählern pro Partie aus seinen 189 Länderspielen hinlegte und neben der Nations League auch den Weltmeistertitel holte.

Im Gegensatz zu Klopp in Deutschland findet Zidane in Frankreich, wie einst bei Real Madrid, das vermeintlich deutlich bessere Spielermaterial vor. Er kann auf eine Vielzahl gestandener Superstars wie etwa Kylian Mbappe, Ousmane Dembele oder Bayern-Star Michael Olise zurückgreifen und den glorreichen Weg der Franzosen fortsetzen, während Klopp viele unbekannte Spieler und No-Names geholt hat und einen gigantischen Neuaufbau wagen muss.

Auch für Zidane ist die Fallhöhe eine durchaus ernst zu nehmende Bedrohung. Was nämlich, wenn der neue Mann auf dem französischen Trainerstuhl die enormen Erwartungen nicht erfüllen und möglicherweise seinem einstigen Mittelfeldkollegen Deschamps in dessen Erfolgen nachstehen würde? Auch dann kann sich die Heldenhoffnung ganz schnell in einen Sumpf der Kritik umschlagen.

Für beide könnte es zum Ritt auf der Rasierklinge werden

Sowohl Jürgen Klopp als auch Zinedine Zidane treten ihr Amt bereits auf dem goldenen Thron an, doch die Wahrheit ist eben auch, dass die Rolle des Nationaltrainers nicht mit der eines Vereinstrainers zu vergleichen ist und für beide eine gänzlich neue Welt darstellt.

Eine Welt, in der sich beide Trainerstars neu beweisen und ihren Stellenwert auf eine andere Art bestätigen müssen.

Bei diesen enormen Aufgaben nützt der große Name beiden auch nur bedingt etwas und könnte am Ende sogar zur schweren Ankerkette um den Hals werden, sollte eine große Fußballnation unter der Führung des neuen Heilsbringers baden gehen.

Die nächsten Monate werden daher aus Sicht von Klopp und Zidane spannend zu beobachten sein. Beide Trainerstars gehen ihr Amt aus ganz anderen Perspektiven und Startpunkten an, stecken aber in der gleichen Zwickmühle, wenn es nicht so läuft, wie es sich die beiden Fußballnationen erträumen.

Vom Märchenprinzen kann man dann auch ganz schnell zum tragischen Helden werden.


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