Schlechter hätte die Länderspielphase für Jamal Musiala nicht laufen können. Eigentlich sollte der 23-Jährige im DFB-Team seine aufsteigende Form bestätigen, jedoch verletzte er sich bereits vor dem ersten Spiel gegen die Niederlande und wird wohl auch dem FC Bayern noch ein paar Spiele fehlen.
Doch nicht nur beim FC Bayern gerät sein Stammplatz durch den erneuten Rückschlag in Gefahr, sondern auch in der Nationalmannschaft. Zumindest was den Platz auf im Mittelfeldzentrum als Zehner betrifft. Florian Wirtz hat in dieser Rolle gegen Serbien ein überragendes Spiel gemacht und damit ein deutliches Statement setzen können.
DFB-Team: Wirtz sollte im Offensiv-Zentrum gesetzt sein
Stand jetzt gibt es keine Argumente dafür, dass Wirtz diesen Posten wieder abgeben sollte. Der Liverpool-Profi war schon immer am besten im Zentrum aufgehoben, wo er seine starke Technik, seine Stärken im Kombinationsspiel, seine Kreativität und seine meist gute Entscheidungsfindung optimal einsetzen kann. Was Wirtz hingegen keineswegs ist, ist ein Flügelspieler in einem 4-2-3-1-System. Gerade in der Nationalmannschaft musste er aber eine solche Rolle häufig übernehmen, weil zunächst Ilkay Gündogan und später Jamal Musiala die Zehner-Position blockierten.
Klopp wäre nun angehalten, eine klare Entscheidung zu treffen: Und diese kann nur lauten, Wirtz das volle Vertrauen in einer zentralen Offensivposition zu schenken und ihn nicht mehr auf den Flügel zu stellen. Nur so wird man das Potenzial des 23-Jährigen voll ausschöpfen können.

DFB-Team: Musiala kann auf Flügelposition weichen
Doch welche Zukunft hätte Jamal Musiala dann noch im Nationalteam? Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich relativ einfach. Sollte er körperlich und gesundheitlich bei Kräften sein, stellt es überhaupt kein Problem dar, Musiala auf den Flügel zu stellen. Während bei Wirtz der Performance-Unterschied zwischen Flügel und Zentrum eklatant ist, ist dieser bei Musiala weniger ausgeprägt.
Der Bayern-Star war von seiner Veranlagung her eigentlich nie ein typischer Zehner. Musiala kam schon immer mehr über seine Dribblings und seinen Zug zum Tor als über sein Passspiel oder kreative Momente. Häufig tut sich Musiala in Aktionen, in denen er über die Außenbahn kommt, sogar leichter, weil er etwas mehr Platz hat und sich seltener gegen drei, vier Gegenspieler behaupten muss, die ihm auf den Füßen stehen. Zwar muss man Musiala den Raum gewähren, auch mal ins Zentrum zu ziehen, jedoch gibt es im modernen Fußball ja ohnehin kaum noch offensive Außen, die an der Linie kleben. Die Breite geben meist die Außenverteidiger. Dies war auch im Klopp-Fußball fast immer der Fall.
Ohnehin sei gesagt, dass die Situation auf den Flügelpositionen nicht ganz einfach ist. Die Top-Talente Said El Mala und Lennart Karl befinden sich in einer kleinen Delle, während Karim Adeyemi und Kevin Schade zwar schnell sind, aber spielerische Defizite offenbaren. Derweil scheint die Zeit von Leroy Sané zu Ende zu sein und jene von Serge Gnabry auch nicht mehr sonderlich lange anzudauern. Andere Kandidaten wie Chris Führich, Derry Scherhant und Jamie Leweling sind lediglich gute Bundesligaspieler, aber auch nicht mehr – selbst wenn Scherhant mit seinen beiden guten Auftritten zuletzt mächtig Eigengewerbung betrieben hat und sicher noch Potenzial mitbringt.
Ein Musiala in einer einigermaßen stabilen Verfassung sollte aber eigentlich überhaupt kein Problem haben, sich auf einer Flügelposition durchzusetzen.
4-3-3-System kann Musiala nur bedingt helfen
Klopp lässt in seiner Trainerkarriere am liebsten im 4-2-3-1 oder 4-3-3 spielen. Beide Systme ähneln sich natürlich. Bei seinem Debüt als Bundestrainer war häufig eher eine 4-3-3-Formation zu erkennen.
Deutschland hat das Glück, zahlreiche starke zentrale Mittelfeldspieler zu haben. Zu nennen wären beispielsweise Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlovic, Tom Bischof und Felix Nmecha. Wirtz und Musiala könnten hingegen vor dem Dreier-Mittelfeld und hinter der Spitze als rechter und linker Halbzehner fungieren. Eine ähnliche Rolle hat Wirtz als linker Halbzehner bereits in Leverkusen übernommen. Für Musiala wäre dann die Halbzehner-Rolle auf der rechten Seite vorgesehen. Gerade in dieser Formation würde man aber laufstarke Außenverteidiger benötigen, die dem Offensivspiel Breite verleihen können. Zudem müsste man voll auf die Karte Ballbesitzfußball gehen.
Dass Klopp sein neues System derart interpretiert, ist eher unwahrscheinlich. Der neue Bundestrainer ist eigentlich bestrebt, die Flügel zu stärken, damit sein "Heavy-Metal-Fußball" mit Gegenpressing und schnellem Zug zum Tor greifen kann.
Wirtz und Musiala müssen beide auf dem Platz stehen
Letztlich ist festzuhalten, dass sich die Frage "Wirtz oder Musiala" eigentlich überhaupt nicht stellen darf. Sind beide in Form, müssen auch beide spielen. Wichtig ist allerdings, dass Wirtz stets in einer zentralen Position, idealerweise als Zehner oder aber als Halbzehner oder offensiver Achter, eingesetzt wird und nicht auf dem Flügel ran muss. Im Falle eines 4-3-3- oder 4-2-3-1-Systems muss Musiala zurückstecken und seine zentrale Position für den maximalen Mannschaftserfolg aufgeben.
