Eintracht Frankfurt hat sich schon vor langer Zeit die Bezeichnung "Diva der Bundesliga" gesichert. Ausschlaggebend dafür sind die enormen Leistungsschwankungen, mit denen der Klub zu kämpfen hat. Gab es in den letzten Jahren häufiger Ausreißer nach oben als nach unten, stellt sich die Situation aktuell genau andersrum dar. Viel zu häufig gleicht die Leistung der SGE einem Totalausfall, wie zuletzt bei der 0:6-Pleite gegen in Leipzig. Positive Momente, wie der 3:1-Sieg in Mainz, werden dadurch schnell überdeckt.
Dementsprechend machen sich viele Experten Sorgen um die Frankfurter. "Es ist nur ein Gefühl, aber Eintracht muss aufpassen, dass sie nicht das nächste Gladbach werden", teilte Weltmeister Christoph Kramer im Copa-TS-Podcast seine Befürchtung. Die Fohlen gehörten in den 2010er-Jahren häufig der Top 5 der Bundesliga an, ehe das Team im Niemandsland der Tabelle verschwand und nun auf dem 18. Tabellenplatz liegt.
Frankfurt verliert nach starken Jahren an Konstanz und Klasse
Die Frankfurter hatten in den letzten sieben, acht Jahren eine sehr gute Phase. Nach einem überraschenden Triumph im DFB-Pokal (2018) gewann die Eintracht die Europa League (2022) und erreichte in der Saison 2024/25 als Tabellen-Dritter die Champions League. Doch im Vorjahr deutete sich nach einem eigentlich starken Saisonstart ein Abwärtstrend an. Die Hessen verpassten als Tabellen-Achter das internationale Geschäft und rangieren in der Bundesliga gegenwärtig nur an Position 14.
Eigentlich hatte man sich von Adi Hütter erhofft, dass er nach dem Riera-Debakel wieder Ruhe ins Team bringen kann. Zuletzt war genau das Gegenteil der Fall. Die SGE fing sich wie schon in der Vorsaison zuletzt zahlreiche Gegentreffer, was auch zu einer öffentlichen Kritik von Hütter an Kapitän Robin Koch führte. Zwar haben die Frankfurter bewiesen, dass sie sich an guten Tagen in einen Rausch spielen können, jedoch klappt das viel zu selten.
Kramer sieht inzwischen viele Parallelen zu dem, was er selbst als Gladbach-Profi erlebt hat. "Der Kader ist jetzt noch gut, aber nicht sehr gut. Dazu sind aber die Ansprüche noch sehr, sehr hoch. Das erinnert mich an uns. Also wenn ich auf Frankfurt gucke, dann denke ich häufig: Jo, das waren auch wir vor vier Jahren", stellte er einen Vergleich auf, den man bei der SGE nicht gerne hören wird.
Bremen, Schalke, Hamburg und Stuttgart geben drohende Beispiele ab
Doch droht Frankfurt tatsächlich der Rückfall ins Niemandsland der Tabelle oder sogar mittelfristig der Abstiegskampf?
Die Gefahr ist durchaus vorhanden. Nicht nur Gladbach hat sich vom Champions-League-Teilnehmer zum Abstiegskandidaten entwickelt. Blickt man auf die jüngere Vergangenheit, waren mit Werder Bremen, dem Hamburger SV, Schalke 04 und dem VfB Stuttgart vier Vereine zwischenzeitlich zweitklassig unterwegs, obwohl sie wenige Jahre zuvor zu den schärfsten Rivalen der Bayern zählten - und im Falle von Werder Bremen und Stuttgart sogar den Meistertitel gewinnen konnten.
Wer eine schlechte Kaderpolitik betreibt, viele Stars verliert und Unruhe im Verein hat, der kann in der Bundesliga schnell durchgereicht werden und in der 2. Bundesliga landen. Warum sollte Frankfurt davor bewahrt sein, wenn es viele andere eigentlich große Klubs in Deutschland auch nicht waren?
Die Bundesliga verzeiht keine Fehler
Während sich Premier-League-Klubs schlechte Transferfenster leisten und bei der nächsten Transferphase nochmal ordentlich investieren können, ist das in der Bundesliga anders. Abgesehen von den Bayern ist der finanzielle Puffer bei den meisten Vereinen so klein, dass jede falsche Entscheidung nachhaltig Folgen haben kann.
Eintracht Frankfurt dient hierbei als passendes Beispiel. Jahrelang machte man auf dem Transfermarkt kaum Fehler, ehe man in jüngerer Vergangenheit mit Elye Wahi doch mal so richtig daneben lag. Eigentlich war Arnaud Kalimuendo als Nachfolger eingeplant, jedoch konnte man sich den prompt nicht mehr leisten.
Eintracht in anderer Situation als Gladbach - doch ist diese besser?
Stellt man einen Vergleich zwischen Gladbach und Frankfurt auf, so gibt es aber einen eklatanten Unterschied. Während die Fohlen es überhaupt nicht geschafft haben, ihre Stars zu Geld zu machen und beispielsweise Marcus Thuram, Matthias Ginter und Ramy Bensebaini ablösefrei verloren haben, hat Frankfurt Unsummen an Geld erwirtschaftet. Alleine in den letzten gut drei Jahren wurden für Randal Kolo Muani, Hugo Ekitike (je 95 Millionen Euro) und Omar Marmoush (75 Millionen Euro) Spieler für gigantische Summen verkauft. In den letzten vier Jahren steht bei den Hessen laut Werten von transfermarkt.de ein Transfer-Plus von insgesamt rund 180 Millionen Euro.
Doch hat man deswegen einen Vorteil gegenüber Gladbach? Im Endeffekt nicht, vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Durch gestiegene Personalkosten muss Frankfurt laut Angaben der Sport Bild Jahr für Jahr einen Überschuss von 35 Millionen Euro erzielen.
Es scheint so, dass Fußballkubs in Deutschland das Problem haben, bei sportlich überraschenden Erfolgen die gestiegenen Kosten zu decken. Der VfB Stuttgart gibt hierbei ein ähnliches Beispiel ab, zumal die Schwaben trotz des Erreichens der Königsklasse demnächst wohl einen Star verkaufen müssen.
Während Stuttgart sportlich noch erfolgreich ist, befindet sich Frankfurt schon in einer Art Teufelskreis. Der Kader hat an Klasse verloren, was sich unter anderem darin zeigt, dass Nathaniel Brown und Rasmus Kristensen nicht wirklich ersetzt wurden. Auf diese Art und Weise gibt es auch immer weniger Spieler, die eine hohe Ablöse einbringen können. Die logische Konsequenz wäre, dass die SGE nun von Jahr zu Jahr schwächer wird.
Frankfurt vor Downfall? Der Fußball bleibt unvorhersehbar
Gewissermaßen ist aber das auch nur blanke Theorie. Man darf nicht vergessen, dass die SGE eine hohe Strahlkraft besitzt und einige Talente noch immer im Kader verweilen. Hoffnungsträger wie Can Uzun, Younes Ebnoutalib oder Noel Aseko könnten ihre Werte noch deutlich steigern und auch sportlich eine sehr gute Rolle spielen.
Letztlich wird es für Frankfurt darauf ankommen, junge und ambitionierte Spieler für wenig Geld zu verpflichten und dann selbst weiterzuentwickeln. Dies ist der Weg, zu dem Bundesliga-Klubs abgesehen von den Bayern und mit Abstrichen zwei, drei andere Klubs gehen müssen.
Letztlich bleibt der Fußball auch ein unvorhersehbares Geschäft. Die Gefahr eines Frankfurt-Downfall ist definitiv vorhanden, jedoch gibt es auch Möglichkeiten, das Ruder herumzureißen. Wichtig ist, wieder Ruhe in den Verein zu bekommen und die wichtigen Positionen im Verein mit kompetenten Leuten zu besetzen.
