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Zeit drängt: Warum Klopp nach dem Spiel gegen Serbien 3 Fragen beantworten muss

Der erste Sieg von Bundestrainer Jürgen Klopp mit der DFB-Auswahl hat drei neue Fragen geöffnet.
VonOliver Helbig
Bundestrainer Jürgen Klopp
Bundestrainer Jürgen Klopp | picture alliance/GettyImages

Da ist er endlich: der erste Sieg für Jürgen Klopp als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Nach einem ordentlichen Auftritt ging die DFB-Auswahl unter der Leitung des 59-jährigen Hoffnungstrainers am Donnerstagabend in der Münchner Allianz Arena mit einem verdienten 2:0-Erfolg (Tore: Bischof 39. & Wirtz 61) gegen Serbien vom Feld und hätte das Spiel sogar noch deutlicher gestalten können.

Die dritte Partie unter Klopp gegen den wohl vermeintlich schwächsten Kontrahenten in der Nations League lieferte dabei neben der Freude über den Sieg auch einige spannende Erkenntnisse und Fragen.

Im Spiel gegen die Serben traten einzelne Teilbereiche des deutschen Teams besonders ins Rampenlicht und nun steht der Bundestrainer vor einigen Fragen, die jetzt beantwortet werden müssen.

Frage 1: Was wird jetzt aus Kimmich?

Bereits vor dem Spiel war klar, dass der besondere Fokus auf dem deutschen zentralen Mittelfeld liegen würde, denn nach den ersten beiden Länderspielen wusste man, dass Kapitän und Taktgeber Joshua Kimmich fehlen würde.

Gegen Serbien bekleideten seine beiden Teamkollegen vom FC Bayern München, Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof, das Herzstück im DFB-Team und überzeugten auf vielschichtige und beeindruckende Art und Weise.

Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof überzeugten gegen Serbien
Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof überzeugten gegen Serbien | Alexander Hassenstein/GettyImages

Während Pavlovic der Ruhepol war, der das Spiel wie ein Feldherr ordnete und die Bälle verteilte, war Bischof das Powerhouse, das für Energie und Antrieb sorgte. Verdientermaßen kam Bischof dabei sogar zu seinem ersten Länderspieltor im zweiten Einsatz in der A-Elf. Beide ergänzten sich hervorragend und teilten sich die Rolle Kimmichs auf eine Art und Weise, die große Hoffnungen schürt, aber auch die Frage aufwirft, ob Kimmich dadurch an Standing verloren hat.

Ist Joshua Kimmich nicht mehr unantastbar?
Ist Joshua Kimmich nicht mehr unantastbar? | DeFodi Images/GettyImages

Schon vor dem Spiel munkelten einige, ob das Herauslassen des Kapitäns, obwohl dieser gerne geblieben wäre, ein bewusster Schachzug war, um den Unantastbaren antastbar zu machen. Nach dem gestrigen Spiel stellt sich diese Frage für viele wohl umso mehr.

Dieses Thema ist nicht nur für die sportliche und taktische Herangehensweise der DFB-Auswahl von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Hierarchie im Team. Denn ein Kimmich, dessen sportliches Standing nicht mehr zweifelsfrei wäre, kann eigentlich auch nicht die Kapitänsbinde tragen. Was nun, Herr Klopp?

Frage 2: Muss Klopp bei Tresoldi jetzt all-in gehen?

Der Sieg gegen Serbien hätte noch viel deutlicher ausfallen können, doch die Chancenverwertung der deutschen Elf ließ zu wünschen übrig. Vor allem der Spieler, der fürs Toreschießen aufgestellt wurde, konnte seinen Job nicht zur Zufriedenheit erfüllen. Nick Woltemade nahm zwar engagiert am Spiel teil, doch phasenweise hatte man das Gefühl, dass Serbien auch ohne Torhüter hätte spielen können, wenn man sich die Chancenverwertung des baumlangen Angreifers ansah.

Nick Woltemade
Nick Woltemade | Alexander Hassenstein/GettyImages

Man hat ein wenig den Eindruck, dass Woltemade nach seinem überaus erfolgreichen Halbjahr beim VfB Stuttgart, das ihn ganz nach oben gebracht hat, an Leichtigkeit und Unbekümmertheit verloren hat. Er hadert mit sich und seinem Spiel und das zeigt sich in seiner Torquote der letzten Monate - national wie international. Letztmals traf der Stürmer von Juventus Turin im November 2025 für die DFB-Auswahl.

Nachdem mit Deniz Undav auch einer der Spieler in einer kleinen Formkrise zu stecken scheint, der eine weitaus bessere Torquote als Woltemade vorzuweisen hat, und auch weil Younes Ebnoutalib noch nicht über den Shootingstar-Status hinaus überzeugen konnte, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die deutsche Nationalmannschaft mit Mut auf einen neuen Stürmer Nummer eins setzen muss. In dieser Diskussion kommt man nicht um U21-Knipser Nicolo Tresoldi herum.

Nicolo Tresoldi
Nicolo Tresoldi | picture alliance/GettyImages

Der gebürtige Italiener, der noch mit der Entscheidung hadert, ob er künftig für Italien oder Deutschland auflaufen soll, schießt bei der deutschen U21 alles kurz und klein und jagt einen Rekord nach dem anderen.

16 Länderspieltore in 26 U21-Einsätzen stehen derzeit zu Buche, und auch im Verein beweist der ehemalige Stürmer von Hannover 96, dass er ein gutes Näschen hat. Seit seinem Wechsel zu Club Brügge nach Belgien hat Tresoldi dort 28 Tore und neun Vorlagen in 67 Pflichtspielen geliefert und seinen Marktwert von neun auf 25 Millionen Euro nach oben geschraubt.

Die große Frage bei Tresoldi wird sein, ob Klopp und der DFB das Sturmjuwel von der deutschen Auswahl überzeugen können. Kann sich der Angreifer mit zwei Herzen in der Brust gegen eines seiner Länder entscheiden, ehe es zur nächsten Länderspielpause im November geht? Verliert der DFB Tresoldi an den italienischen Verband, wäre das ein schmerzhafter Nackenschlag. Ist Nicolo Tresoldi möglicherweise sogar das wichtigste Thema für Jürgen Klopp in der näheren Zukunft?

Frage 3: Kommt man an Derry Scherhant noch vorbei?

Mit Jonas Urbig vom FC Bayern und Derry Scherhant feierten am gestrigen Abend zwei Spieler ihr Länderspieldebüt in der Startelf und beide konnten weitgehend überzeugen oder zumindest große Hoffnungen schüren.

Derry Scherhant
Derry Scherhant | Boris Streubel/GettyImages

Vor allem der Offensivspieler des SC Freiburg begeisterte die Fans im Stadion und vor den heimischen TV-Geräten. Scherhant war ständig agil, suchte mutig den Weg in die Tiefe, dribbelte die Serben mit Tempo an und suchte selbst Abschlüsse.

Der 23-jährige gebürtige Berliner zeigte all das, was man sich von einem Spieler auf seiner Position wünscht, aber eben auch all das, was beispielsweise ein Kevin Schade vermissen ließ. Unter Berücksichtigung von Dynamik, Torgefahr, Lauffreudigkeit und Zielstrebigkeit war Scherhant in der bisherigen Länderspielpause der Offensivspieler, der am meisten Freude bereitet hat und Lust auf mehr gemacht hat.

Damit stellt der Freiburger sogar Karim Adeyemi in den Schatten, der seine Glanzform vom FC Barcelona noch nicht auf die DFB-Auswahl übertragen konnte - wenngleich der Ex-Dortmunder stets bemüht war.

Derry Scherhant
Derry Scherhant | Adam Pretty/GettyImages

Zwei Punkte sind dabei nun von großer Bedeutung: Klopp MUSS Scherhant jetzt auch gegen Griechenland zum Einsatz bringen, um zu sehen, ob der Berliner auch gegen einen besseren Gegner zu solch einer Form auflaufen kann. Wenn ihm das gelingt, stellt sich die Frage, ob Scherhant im deutschen Team künftig noch verzichtbar ist. Das, was der 23-Jährige am Donnerstagabend zeigte, ist nämlich, was dem deutschen Spiel seit Langem fehlt. Nun muss er die Gelegenheit bekommen, das auch am Sonntag unter Beweis zu stellen.

Gegen Serbien konnte Scherhant sogar noch mehr überzeugen, als Said El Mala vom 1. FC Köln. Dies wird nun aber zu bestätigen sein. Kann Scherhant diese Leistung auf Dauer einreichen und sich vielleicht sogar einen Stammplatz bei Klopp ergattern?


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