Im Leben eines Profifußballers ist ein Kreuzbandriss ohnehin ein heftiger Nackenschlag. Doch im stolzen Fußballeralter von 35 Jahren ist die schwere Knieverletzung noch einmal ungleich dramatischer. Lohnt sich der lange und beschwerliche Weg zurück auf den Rasen überhaupt noch? Zwangsläufig wabert der Gedanke an ein Karriereende herum. Nicht aber bei Luuk de Jong. Der mittlerweile 36 Jahre alte Niederländer hat sich noch längst nicht mit einem unfreiwilligen Abschied vom Profifußball abgefunden.
Dass eine Rückkehr auch im fortgeschrittenen Fußballeralter möglich ist, hat etwa Zlatan Ibrahimovic vorgemacht. Der Schwede kämpfte sich nach seinem ersten Kreuzbandriss mit 35 Jahren zurück und stand nach einer weiteren schweren Knieverletzung mit über 40 noch einmal für die AC Mailand auf dem Platz. Und auch de Jong arbeitet an seinem Comeback.
Reha fast abgeschlossen - MLS keine Option
Sein Knie mache gute Fortschritte, mittlerweile befinde er sich in der letzten Phase seiner Rehabilitation. Und an Möglichkeiten scheint es nicht zu mangeln. "Es gibt genug Leute, die anrufen", verriet der inzwischen 36-Jährige im Interview mit PSV TV: "Ich habe nicht das Gefühl, dass dies das Ende meiner Karriere ist."

Einen neuen Klub hat de Jong allerdings noch nicht gefunden. Als vertragsloser Spieler kann er sich bei seiner Entscheidung Zeit lassen und will sich diese offenbar auch nehmen. Zwar sei er bereit, sich alles anzuhören, für irgendeinen Verein möchte der Mittelstürmer seine Karriere aber nicht fortsetzen. "Es muss wirklich etwas ganz Besonderes sein", stellte er klar. Neben der sportlichen Perspektive spielt dabei auch seine Familie eine wichtige Rolle.
Abenteuer in der MLS oder Australien reizen ihn inzwischen weniger, weil er mit seinen beiden vier und fünf Jahre alten Söhnen nicht mehr unbedingt ans andere Ende der Welt ziehen möchte. Ein Engagement in Deutschland scheint dagegen durchaus im Bereich des Möglichen zu sein.
Porto-Angebot abgelehnt - Karriereende bleibt möglich
Die Suche nach der richtigen Herausforderung könnte letztlich aber auch doch in einem Karriereende münden. Sollte kein Angebot kommen, das ihn sportlich und privat überzeugt, kann sich de Jong auch mit diesem Gedanken anfreunden. "Vielleicht entscheide ich irgendwann, dass es schön gewesen ist und dass die Karriere zu Ende ist. Aber so denke ich im Moment noch nicht darüber", erklärte der Angreifer.
Dabei hätte de Jong seine Zukunft längst klären können. Der FC Porto wollte nach Angaben des Niederländers trotz seiner Verletzung ein weiteres Jahr mit ihm zusammenarbeiten. De Jong entschied sich jedoch bewusst gegen einen Verbleib. Die lange Ausfallzeit habe ihm die Gelegenheit gegeben, über seine Zukunft nachzudenken. Nun genieße er auch die zusätzliche Zeit mit seiner Familie und Freunden in der Heimat. "Alle Optionen sind noch offen", betonte er. Eine weitere Rückkehr zur PSV Eindhoven, wo de Jong über viele Jahre seine erfolgreichste Zeit erlebte, zeichnet sich derzeit aber nicht ab.
Vom Gladbach-Flop zum Barça-Stürmer
Hinter de Jong liegt ohnehin eine bewegte Karriere. Nach seinem Durchbruch beim FC Twente wechselte der Mittelstürmer 2012 für zwölf Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach. Die hohen Erwartungen konnte er dort nicht erfüllen: In 36 Bundesliga-Spielen gelangen ihm lediglich sechs Treffer. Nach einer ebenfalls glücklosen Leihe zu Newcastle United kehrte de Jong in die Niederlande zurück und fand bei der PSV zu alter Stärke. Später gewann er mit dem FC Sevilla die Europa League und landete 2021 sogar beim FC Barcelona, für den er in 29 Pflichtspielen sieben Tore erzielte. Nach seiner Rückkehr zur PSV folgte 2025 mit dem Wechsel zum FC Porto noch einmal ein Auslandsabenteuer.

Dort nahm seine Karriere schließlich die bislang bitterste Wendung. Nach nur wenigen Einsätzen stoppte ihn der Kreuzbandriss. Ob daraus tatsächlich der Schlusspunkt seiner langen Laufbahn wird oder de Jong noch einmal auf den Platz zurückkehrt, ist weiterhin offen. Der Niederländer selbst hat aber offenbar noch nicht genug.
