Dass es für den 1. FC Köln im zweiten Jahr nach dem Aufstieg schwierig werden dürfte, war allen Beteiligten vor der Saison bewusst. Durch die unerwartete Vertragsverlängerung von Said El Mala und spätestens durch den fast ebenso überraschenden 3:2-Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim zum Bundesliga-Auftakt kam in der Domstadt aber plötzlich wieder Euphorie auf. Doch diese ist drei Wochen später schon wieder verflogen.
Einen großen Anteil daran hat Trainer René Wagner. Nachdem er im März vom Co-Trainer zum Chefcoach befördert wurde, hielt er mit dem Effzeh zwar die Klasse, holte gleichzeitig aber in sieben Spielen nur einen Sieg. Mit wirklich vielen Vorschusslorbeeren ging Wagner also nicht in die neue Saison. Und schon nach vier Spieltagen hat er seinen Restkredit - zumindest bei vielen Anhängern - komplett verspielt.
Problematisch ist die Punkteausbeute nach dem Hoffenheim-Spiel. Dass es beim individuell deutlich stärkeren VfB Stuttgart eine 1:4-Niederlage gab, war da noch am ehesten verkraftbar. Doch nur ein Punkt aus den beiden Spielen gegen Werder Bremen (1:1) und den Hamburger SV (1:2) ist zu wenig, wenn man die Klasse halten und dabei nicht auf Überraschungssiege wie gegen Hoffenheim angwiesen sein will.
Köln überzeugt nur in Phasen
Was die Fans dabei vor allem beschäftigt, ist die Art und Weise, wie gegen die beiden direkten Konkurrenten aus dem Norden Punkte liegen gelassen wurden. Enorm auffällig ist, dass der Effzeh in beiden Spielen Überlegenheit ausstrahlte - aber nur phasenweise.
"Wir dürfen uns diese wellenförmige Performance so nicht erlauben. Das wird sofort bestraft, deswegen müssen wir das aufarbeiten", erkannte Torhüter und Kapitän Marvin Schwäbe. Doch kann Wagner dieses Problem mit der Mannschaft in den Griff bekommen? Für einen Sieg in einem Bundesliga-Spiel benötigt es im Normalfall eine konzentrierte Leistung über 90 Minuten.

Wagner muss die Standards schnell in den Griff bekommen
Ein weiterer großer Kritik an Wagner sind die Standardsituationen. Während diese vorne zu keinen Torerfolgen führen, werden sie hinten quasi nicht verteidigt. Im Hamburg durfte Nicolas Capaldo unbedrängt zum 1:0 einköpfen, gleich vier Spieler sahen ihm dabei tatenlos zu. Ein Knackpunkt, da der Effzeh bis dahin eigentlich die spielbestimmende Mannschaft war. Eine Woche zuvor kostete auch ein Standard von Werder Bremen Punkte, als Niclas Füllkrug nach einer Ecke traf.
So gingen den Kölnern, die auch schon in der vergangenen Saison besonders anfällig bei Standards waren, aufgrund unerklärlicher Nachlässigkeiten fünf Punkte flöten, die am Ende der Saison fehlen könnten. Ob dann immer noch René Wagner an der Seitenlinie steht, ist inzwischen völlig offen.
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