In Deutschland tobt eine Mittelmaß-Debatte. Bastian Schweinsteiger hatte nach der 0:1-Pleite gegen Griechenland als ARD-Experte erklärt: "Wir sind im Mittelmaß angekommen." DFB-Kapitän Joshua Kimmich wollte im Anschluss nicht widersprechen, wies aber daraufhin, dass dies eine Momentaufnahme sei.
Nach den ersten beiden Klopp-Spielen gegen die Niederlande (1:1) und Griechenland kommt es zum großen Spieler-Wechsel im DFB-Team. Rechnet man Florian Wirtz und Jonathan Burkardt mit ein, bleiben acht Spieler aus dem ersten Kader mit dabei (dazu noch Finn Dahmen, Phlipp Treu, Yannik Englehardt, Bambasé Conté, Serge Gnabry und Nico Schlotterbeck). Heißt auch, dass 17 neue Akteure zum DFB-Team stoßen. Neun davon haben übrigens noch kein einziges A-Länderspiel absolviert.
Topelf für die Duelle gegen Niederlande und Griechenland (H):
ter Stegen - Bisseck, Tah, Schlotterbeck, Brown - Kimmich, Nmecha - Adeyemi, Musiala, Führich - Havertz
Am Ende überzeugte Yann Bisseck zwar als Innenverteidiger gegen die Griechen, als Topwahl hinten rechts entpuppte sich aber der Freiburger Philipp Treu. Weil sich Musiala beim Warmmachen vor dem Deull gegen die Elftal verletzte, war in Amsterdam Nadiem Amiri in die Starelf gerückt. Auf dem linken Flügel erhielt in beiden Partien Kevin Schade den Vorzug. Und mit Kai Havertz musste der 1A-Mittelstürmer früh verletzt raus. Für ihn spielte im Anschluss Eintrachts Younes Ebnoutalib.
Für unseren Head-to-Head-Vergleich ziehen wir daher folgende DFB-Elf heran:
ter Stegen - Treu, Tah, Schlotterbeck, Brown - Kimmich, Nmecha, Amiri - Adeyemi, Schade - Ebnoutalib
Topelf für die Duelle gegen Serbien und Griechenland (A):
Urbig - Baku, Thiaw, Anton, Raum - Pavlovic, Bischof, Wirtz - Karl, El Mala - Woltemade
Wie Klopp für die nächsten beiden Spiele plant, wissen wir natürlich noch nicht. Daher bleibt hier die von uns erstellte Topelf vor der Länderspielpause. Lediglich mit leicht veränderter Anordnung im 4-3-3 statt 4-2-3-1.
Deutschland '1' vs. Deutschland '2' im Head-to-Head
1. Tor

Marc-André ter Stegen vs. Jonas Urbig
Der von Klopp zur vorläufigen Nummer eins ernannte ter Stegen konnte gegen die Niederlande auf der Linie zahlreiche gute Paraden zeigen. Mit dem Ball am Fuß und auch in der Strafraumbeherrschung zeigte der Routinier dagegen Schwächen. Dennoch hat ter Stegen untermauert, das Potenzial für die Stammkeeper-Rolle zu haben.
Urbig gillt derweil als Nummer eins der Zukunft – beim FC Bayern und im DFB-Team. Sein Profil ist ein ähnliches wie das von ter Stegen: Beide sind nicht die körperlich größten Keeper. Beide sind extrem stark auf der Linie und eigentlich auch gut mit dem Ball am Fuß.
Weil ter Stegen in den jüngeren Vergangenheit wegen Verletzungssorgen wenig zwischen den Pfosten stand, geht dieses Duell unentschieden aus.
(Unentschieden würde unsere Bewertung übrigens auch enden, wenn Noah Atubolu den Vorzug vor Urbig bekommt oder sich beide Keeper die Spiele aufteilen.)
Deutschland '1' 1-1 Deutschland '2'
2. Abwehr

Treu, Tah, Schlotterbeck, Brown vs. Baku, Thiaw, Anton, Raum
Die Viererkette gegen die Niederlande könnte sich recht schnell als aktuelle Bestbesetzung für das deutsche Team herausstellen. In der Innenverteidigung sind Tah und Schlotterbeck ohnehin die Platzhirsche, Brown hatte sich schon bei der WM gegen Raum durchgesetzt. Und Neuling Treu gehört definitiv zu den Gewinnern der ersten Klopp-Spiele.
Auf der anderen Seite hat vor allem Anton zuletzt mit konstant starken Leistungen für den BVB aufgezeigt. Baku hat in Leipzig seinen Stammplatz gegen Henrichs verteidigt. Gegenüber Treu ist er offensiv stärker und technisch versierter. Was Intensität, Laufstärke und Defensivverhalten angeht, ist der Freiburger aber besser. Auf der linken Seite ist Raum sehr schwach in die neue Saison gestartet. Der Abstand zu Brown ist entsprechend größer geworden. Als Alternative stünde Maxi Mittelstädt bereit, der den Vergleich mit Brown aber auch verlieren würde.
Deutschland '1' 2-1 Deutschland '2'
3. Mittelfeld

Kimmich, Nmecha, Amiri vs. Pavlovic, Bischof, Wirtz
Auch im zentralen Mittelfeld dürften Kapitän Kimmich und BVB-Star Nmecha zur Klopp'schen Wunschformation gehören. Umso bitterer, dass beide gegen Griechenland einen gebrauchten Abend erwischten. Amiri hat derweil gegen die Elftal ein extrem unauffälliges Spiel absolviert.
Auf der anderen Seite steht ein Youngster-Trio, dessen Saisonstart kaum unterschiedlicher hätte verlaufen können. Pavlovic zeigt in München nach Katastrophen-WM plötzlich wieder die gewohnt guten Leistungen. Bischof hat sich dagegen wohl mehr Spielzeit ausgerechnet und hinkt in der Bayern-Hierarchie weiter hinterher. Sein Potenzial bleibt aber ungebrochen enorm.
Ebenso wie das von Wirtz, bei dem es in Liverpool aber einfach nicht 'Klick' machen will. Die Kritik auf der Insel wird immer lauter. Der Karriereknick beim 23-Jährigen ist nicht wegzudiskutieren.
Vom Potenzial her liegen beide Mittelfeldreihen eng beieinander. Allerdings ist die Kombination aus aktueller Klasse und Form bei Kimmich, Nmecha und Amiri dann doch etwas höher.
Deutschland '1' 3-1 Deutschland '2'
4. Angriff

Adeyemi, Schade - Ebnoutalib vs. Karl, El Mala - Woltemade
Für den Angriff vergleichen wird die beiden Flügelstürmer und den Neuner der beiden Klopp-Kader.
Mit Adeyemi und Schade hatte Klopp zum Debüt auf viel Schnelligkeit gesetzt. Wirklich ausspielen konnte das Duo den Speed aber nicht. Adeyemi blieb im DFB-Dress zwar bemüht, aber – anders als bei Barça – extrem unglücklich. Schade dagegen extrem blass. Neuling Ebnoutalib fügte sich nach Einwechselung gegen die Niederlande mit einem guten Abschluss zwar schnell ein, hatte im Anschluss aber weder gegen Oranje noch gegen die Griechen nennenswerte Szenen.
Mit Karl und El Mala könnte Klopp nun ein neues Youngster-Duo von der Leine lassen. Beide sind technisch versiert und gut im Eins-gegen-eins. Bayern-Jungstar Karl eher als Typ Spielmacher, Köln-Sternchen El Mala als geradlinigerer und schnellerer Außenstürmer mit Tiefgang. Zu den beiden könnte Woltemade gut passen. Zwar befindet sich der baumlange Angreifer nach seiner Leihe zu Juventus noch nicht wirklich wieder im Aufschwung. Woltemade ist aber ein mitspielender Stürmertyp, der Bälle gut festmachen und verteilen kann. Speziell El Mala könnte davon bei seinen Tiefenläufen profitieren.
Insgesamt verspricht die Sturmreihe Karl, El Mala und Woltemade mehr Spielwitz und Torgefahr.
Deutschland '1' 3-1 Deutschland '2'
Fazit
Klopp hat offenbar darauf geachtet, dass beide Kader qualitativ ähnlich gut besetzt sind. Für die ersten beiden Spiele hat er mehr potenzielle Defensiv-Stammkräfte nominiert. Wahrscheinlich mit dem Gedanken, zunächst stabil stehen zu können.
Kader zwei verliert zwar in unserem Head-to-Head knapp, hat in der Offensive derzeit aber mehr Potenzial, um auch wieder gesuchte "Unterschiedsspieler" zu Tage zu fördern. Die hatte Schweinsteiger nach der Pleite gegen die Griechen vermisst. Karl und El Mala sind schließlich zwei der größten offensiven Hoffnungsträger der DFB-Zukunft. Und wer weiß, vielleicht helfen die beiden auch Florian Wirtz dabei, endlich mal wieder glänzten zu können.
