Borussia Dortmund befindet sich, zumindest was die Punkteausbeute betrifft, derzeit auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League sind die beiden prominentesten Klubs Deutschlands Tabellen-Nachbarn.
Mit dem späten Treffer zum 2:2 in München hat BVB-Stürmer Fabio Silva nicht nur dafür gesorgt, dass beide Klubs punktgleich an der Tabellenspitze stehen, sondern hat vielleicht auch im Kopf so manchen Schalter umgelegt. Das sollte man zumindest meinen.
Schlotterbeck mit Mini-Ansage an den FCB
Doch glaubt der BVB nun wirklich an seine Chance im Titelkampf? Zumindest hat Nico Schlotterbeck angemerkt, dass Dortmund noch immer unterschätzt werde.
"Wir stehen gut da, wir sind punktgleich mit den Bayern. Du musst dranbleiben, du musst das Meisterschaftsrennen offen halten. Wir haben eine gute Mannschaft, wir können was reißen. Die Bayern sind der Favorit, wir sind der Jäger", äußerte sich der Abwehr-Star zumindest verhalten offensiv, wenngleich er eine Titel-Ansage vermied.

BVB möchte sich erst am 30. Spieltag öffentlich zum Titelziel äußern
Noch offensivere Worte als von Schlotterbeck wird man in Dortmund wohl in der näheren Zukunft auch nicht hören. Schließlich vermeidet der Klub schon seit Jahren, eine echte Kampfansage nach München zu schicken. Das ist laut Michael Makus, Bild-Sportchef West, auch 2026/27 nicht anders.
"Soweit ich das höre, so aus den oberen Vereinsetagen, will man sich auch nicht vor März, frühestens ab dem 30. Spieltag öffentlich mit diesem Titelziel auseinandersetzen, wenn man dann noch in Schlagdistanz oder vielleicht sogar Tabellenführer ist", erklärte Makus Im Bild-Podcast 'Dortmund Insider'.
Wirklich gut findet Makus die defensive Haltung der Borussen aber nicht. "Das muss man akzeptieren. Ich fände es aber besser, weil das sich meiner Meinung nach psychologisch im Haupthirn oder sonst wo festsetzt, dass man positiver da rangeht", spricht er sich für eine Titel-Ansage aus.
Bundesliga: Titelkampf nur selten spannend

Echte Titelkämpfe in der Bundesliga sind inzwischen aber eben auch eine Ausnahme. Abgesehen von der Saison 2022/23, in der Dortmund einen Meister-Matchball hatte, und in der Saison 2023/24, in der Leverkusen triumphierte, entschieden die Bayern das Rennen meist vorzeitig.
Bedenkt man, dass die Bayern klar stärker aufgestellt sind, ist es durchaus verständlich, dass sie selbst nicht unbedingt an den Titel glauben. Jedoch muss der BVB aufpassen, dass man nicht zu viel Energie damit verschwendet, einen möglichen Meisterkampf wegzudiskutieren, als diesen wirklich mit voller Entschlossenheit anzunehmen.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Momentum nach dem späten Ausgleichstreffer im direkten Duell eigentlich bei den Dortmundern liegt.
Dortmund muss an seine Chancen glauben
Der FC Bayern hat mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen und einen besonderen Fokus auf dem Henkelpott. Demnach ist nicht ausgeschlossen, dass sie in der Bundesliga weiterhin Zähler liegen lassen.
Der BVB hat aber nur dann eine Chance, wenn er selbst daran glaubt und sich nicht selbst kleinredet. Gewiss wird man auch nicht deswegen Punkte liegen lassen, weil man in der Öffentlichkeit Titel-Ansagen macht. Vielleicht braucht es sogar genau das, um den die nötige Energie im Verein freizusetzen und sich vom Dasein des ewigen Zweiten zu befreien.
Ein etwas selbstbewussteres Auftreten und die eine oder andere Titelansage würde jedenfalls der gesamten Bundesliga gut tun. Mit braven Aussagen alleine ist schließlich noch niemand Meister geworden und mit einer Verlierer-Mentalität genauso wenig.
