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Dieser FC Bayern ist nicht CL-titelreif – oder doch? 90min diskutiert

Der FC Bayern stolpert auch gegen Viking FK und lässt Zweifel daran, ob es in dieser Saison mit dem Gewinn des Henkelpotts klappen kann.
VonDominik Hager, Simon Zimmermann
Der FC Bayern befindet sich noch nicht in Topform
Der FC Bayern befindet sich noch nicht in Topform | IMAGO/Beautiful Sports International/90min-Edit

Der FC Bayern hat in der Saison 2025/26 ganz stark performt und sich wenig Luft nach oben gelassen. Lediglich in der Champions League hat es nicht zum Titel gereicht, weshalb auf diesem Wettbewerb in der Spielzeit 2026/27 das Hauptaugenmerk liegt. Nach einem souveränen Sieg zum Auftakt gegen Bodø/Glimt gab es bei Viking FK aber völlig überraschend nur ein 3:3-Unentschieden.

Zuvor hatten die Münchner auch in der Bundesliga in Augsburg und beim FC Schalke keinen Sieg erringen können. Joshua Kimmich erklärte nach dem Spiel in Stavanger, dass er "innerlich in Alarmbereitschaft" sei und das Team "zu viele Fehler anbiete". Auf der anderen Seite zeigte er sich aber auch überzeugt davon, dass man schnell wieder zu alter Stärke zurückfinden könne.

Doch sind die durchwachsen performenden Bayern in dieser Saison wirklich reif für den Champions-League-Titel? 90min diskutiert über die Chancen der Münchner.

Contra: Die Bayern schießen individuell zu viele Böcke

Selbst wenn auf Champions-League-Ebene die besten Kicker der Welt aufeinandertreffen, sind es meist die Fehler, die den Unterschied machen und weniger die magischen Momente. Bereits in den letzten Spielzeiten waren es immer wieder individuelle Fehler, die den Bayern zum Verhängnis geworden sind oder sie an den Rand einer Niederlage gebracht haben. Denken wir nur an den irren Neuer-Bock gegen Real Madrid nach wenigen Minuten, der durchaus zum Ausscheiden hätte führen können.

Man stempelt individuelle Fehler gerne als Zufall ab, jedoch steckt auch hier System dahinter. Die Münchner scheinen aus der Vergangenheit nicht ausreichend Lehren gezogen zu haben. Sowohl in Augsburg als auch in Stavanger führten individuelle Fehler zum Remis. Beim FCA war es Neuer mit seinem Fehlpass, in Stavanger Olise mit seinem unnötigen Platzverweis.

Wer auf Top-Ebene bestehen möchte, darf den Gegner nicht durch eigene Unzulässigkeiten stärken. Teams wie Arsenal oder PSG machen derartige Fehler nicht. Es ist derzeit nicht davon auszugehen, dass die Münchner sich im Laufe der Saison eine ähnliche Souveränität aneignen können.

Pro: Die Bayern können sich PSG als Vorbild nehmen

Es mag abgedroschen klingen, aber im Herbst hat noch keine Mannschaft den Henkelpott (oder irgendetwas anderes) gewonnen. Andere Teams in Europa mögen aktuell deutlich formstärker daherkommen. Barça etwa.

Doch was die Katalanen 26/27 sind, waren die Bayern 25/26 – spätestens nach dem Erfolg in der Ligaphase bei PSG.

An jenen Parisern sollten sich die Bayern ein Vorbild nehmen. Unter Luis Enrique startet PSG gerne langsam in eine Saison. Mit dem Wissen, dass es trotzdem locker für die nationale Meisterschaft reicht. Ähnliches gilt auch für den FCB in der Bundesliga.

Der doppelte CL-Titelverteidiger scheint sich vor allem darauf zu fokussieren, in der Crunchtime der Saison voll da und in Bestform zu sein. Die vergangene Spielzeit zeigte das exemplarisch. PSG schloss die Ligaphase nur als Elfter ab und musste sogar den Umweg über die Playoffs gehen. Der Ausgang ist bekannt.

Die Bayern müssen oder sogar sollten derzeit gar nicht in Topform sein. Eine komplette Saison auf allerhöchstem Niveau zu spielen ist nämlich schier unmöglich, wenn man auf allen Hochzeiten tanzen will. Vielmehr gilt es auch Kräfte zu sparen für die dann entscheidenden Partien im Frühjahr.

Contra: Der FC Bayern ist innerhalb von Spielen zu unbeständig

Es gab in der laufenden Saison kaum Spiele, die wirklich von A bis Z überzeugend waren. Häufig verpatzten die Münchner die Anfangsphasen, wie zuletzt gegen Augsburg und Viking, aber auch schon beim Pokal-Erstrunden-Match gegen Osnabrück. Zwar konnten die Spiele gegen den VfB Stuttgart (5:1) und Bodø/Glimt (5:0) hoch gewonnen werden, jedoch stolperte man auch hier zunächst in die Partie, ehe man sich deutlich steigerte.

Im Supercup gegen Dortmund und beim Spiel gegen Elversberg verloren die Münchner hingegen in der zweiten Halbzeit phasenweise die Kontrolle. Es gibt Spielphasen, in denen die Bayern ähnlich dominant und effizient agieren wie im Vorjahr, aber auf der anderen Seite auch die Phasen, in denen aus viel Ballbesitz wenige Chancen entstehen und es hinten immer wieder brennt.

Nicht immer stimmt auch die nötige Bereitschaft, Zweikämpfe konsequent zu führen. Dieses Muster war auch wieder gegen Stavanger zu sehen, beispielsweise beim 3:3, als Davies gar nicht richtig hoch zum Kopfball ging. Beim zweiten Treffer von Viking FK war es hingegen Brown, der zwar von Peter Christiansen auch geschickt gekreuzt wurde, aber dennoch die letzte Entschlossenheit vermissen ließ.

Der Spielstil der Bayern lässt es nicht zu, immer wieder zwischen Genie und Wahnsinn zu wechseln. Stimmt die Aggressivität im Pressing und in den Zweikämpfen nicht, rächt sich die offensive Ausrichtung sofort. Durch Fehler im Passspiel und sinnlosen Dribblings wird dies weiter befeuert.

Pro: Der Kompany-Fußball kann in Topform jeden erdrücken

Das Argument, dass die Leistungen der Bayern aktuell zu schwankend sind, ist nicht zu widerlegen. Selbst innerhalb der Spiele sehen wir teilweise unterschiedliche Gesichter.

Heißt aber auch: Teilweise erleben wir schon die dominanten Bayern der Vorsaison. Und selbst mit den vielen Fehlern reicht es bislang für eine ungeschlagene Spielzeit.

Wieder lohnt der Blick an die Seine: PSG liegt in der Ligue 1 derzeit nur auf Rang sechs. Dennoch zweifelt niemand ernsthaft daran, dass die Enrique-Truppe am Saisonende ganz oben stehen wird. Und auch in der Königsklasse wird jeder PSG bei den Topfavoriten mit dabei haben.

Im weiteren Saisonverlauf ist es einfach viel zu wahrscheinlich, dass sich die Bayern erneut steigern und mehr Konstanz zeigen. Allein dadurch, dass in der Rückrunde die Spiele wichtiger werden und der Fokus schärfer.

Bis dahin gilt, wie gesagt, dass man nicht zu viel Energie auf dem Weg verschwendet – ohne dabei die Saisonziele außer Reichweite geraten zu lassen.

Shkodran Mustafi hatte es als Amazon-Experte nach dem 3:3 in Stavanger richtig gesagt: Die Bayern sollten angehalten sein, auch mal Ruhe in die Spiele zu bringen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten, ohne unmittelbar auf einen Torerfolg zu spielen.

Vergangene Saison war es fast durchgängig "Kompany-Rock ’n’ Roll". Am Ende fehlten vielleicht die entscheidenden Körner. Sollte der Belgier und sein Team daraus gelernt haben, könnte 26/27 die Kraftreserven prall genug gefüllt sein, um den Henkelpott anzugreifen.

Contra: Andere Teams haben zugelegt - vor allem im Mittelfeld

In der vergangenen Saison wäre es durchaus machbar gewesen, die Champions League zu gewinnen, weil es kein anderes Team gab, das wirklich zu 100 Prozent auf dem Leistungs-Peak war. In dieser Saison sieht das ein wenig anders aus. Selbst wenn Manchester City durch den Finanzskandal jede Menge Ärger an der Backe hat, zeigt sich das Team sportlich absolut unbeeindruckt. Neuzugänge wie Elliot Anderson und Enzo Fernandez haben die Qualität im Mittelfeld deutlich nach oben geschraubt, während Erling Haaland ununterbrochen knipst.

Die Skyblues haben in der Premier League und Champions League bislang alle Spiele gewonnen und zuletzt Liverpool an der Anfield Road mit 3:0 besiegt. Zudem wäre da noch der FC Barcelona, der ebenfalls alle Saisonspiele gewonnen hat und mit Hansi Flick im dritten Anlauf alles daran setzen wird, die Champions League zu gewinnen. Elementar könnte hierbei die Verpflichtung von Mittelfeld-Stratege Rodri sein.

Barcelona und Manchester City sind nur zwei von mehreren Vereinen, die sich auf dem Transfermarkt verstärkt haben und besser performen dürften als im Vorjahr, stehen aber exemplarisch dafür. Die Bayern hingegen haben sich mit Nathaniel Brown und Ismael Saibari eher in der Breite verstärkt, im zentralen Mittelfeld aber nicht nachgelegt.

Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic bilden kein schlechtes Duo. Doch reicht es wirklich für einen Champions-League-Sieg? Die Zweifel werden größer, zumal Spiele im Mittelfeld entschieden werden und gerade Barcelona und Manchester City auf dieser Position herausragend verstärkt haben.

Pro: Die Kaderbreite ist ein Upgrade zur Vorsaison

Nach aktuellem Stand muss man tatsächlich leichte Bedenken haben, ob Kimmich und Pavlovic im Zentrum stark genug für einen Champions-League-Sieger sind. Das liegt vor allem am Routinier, der nach der nächsten WM-Enttäuschung recht weit von seiner Bestform entfernt zu sein scheint.

Doch wenn jemand den Ehrgeiz hat, das zu ändern, dann Joshua Kimmich. Ruft er seine ganze Klasse ab und bleibt Pavlovic in guter Form, muss sich das Duo keinesfalls vor der Konkurrenz aus Manchester, Barcelona oder Paris verstecken. Zumal man Tom Bischof nicht außer Acht lassen sollte. Beim 21-Jährigen hat man das Gefühl, es fehlt nur noch ein klitzekleiner Schritt, ehe er sich endgültig etablieren kann. Auch für ihn gilt: Potenzial ist reichlich vorhanden!

Heißt im Umkehrschluss: Die größte Bayern-Baustelle war vor dieser Saison nicht die Kaderspitze, sondern die Breite. Hier war vor allem PSG in den Halbfinal-Duellen überlegen.

In der Offensive hat man mit Ismael Saibari eine richtig starke Alternative hinzubekommen. Mit Nathaniel Brown zudem einen Spieler, der beide Außenverteidiger-Rollen bekleiden und darüber hinaus auch im Mittelfeld helfen kann.

Es heißt zwar immer, es gäbe keinen direkten Diaz-Backup. Mit Saibari, Serge Gnabry und Lennart Karl (der aktuell zugegeben etwas schwächelt) hat man aber hinter Diaz, Michael Olise, Jamal Musiala und Harry Kane nun drei starke Rotationsspieler. Sieben Akteure für vier Positionen sollten genug sein. Schließlich können auch Bischof und Brown als Zehner eingesetzt werden.

Insgesamt ist das Kader-Management so, dass genau die richtigen Feinjustierungen für den letzten Henkelpott-Schritt vorgenommen wurden. Auch das Zusammenspiel aus Trainer und Mannschaft hat Titelpotenzial. Ob es sich am Ende tatsächlich ausgeht, ist nicht seriös vorherzusagen. Dafür kann während einer Saison zu viel passieren. Die Voraussetzungen für einen Finallauf sind in München aber defintiv auch 26/27 gegeben. Vielleicht sogar einen kleinen Tick mehr als 25/26 – selbst wenn es aktuell nicht ganz danach aussieht.


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