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Die 10 kuriosesten Ballon-d'Or-Kandidaten der Bundesliga

Wir blicken auf zehn unerwartete Bundesliga-Profis zurück, die völlig überraschend auf der Ballon-d'Or-Shortlist landeten und dabei echte Weltstars hinter sich ließen.
VonMoritz Jonas
Die Bremer Double-Helden Angelos Charisteas, Johan Micoud und Aílton
Die Bremer Double-Helden Angelos Charisteas, Johan Micoud und Aílton | Stuart Franklin/GettyImages

Wenn am kommenden Montag (26. Oktober) im ehrwürdigen London Palladium der Ballon d'Or 2026 verliehen wird, blickt auch die Bundesliga gespannt nach England. Mit den beiden Bayern-Superstars Harry Kane und Michael Olise rechnen sich diesmal zwei ganz offensichtliche Top-Kandidaten aus dem deutschen Oberhaus beste Chancen auf den prestigeträchtigen Titel aus.

Doch ein Blick zurück zeigt, dass es in den vergangenen Jahren beileibe nicht immer nur die erwartbaren Mega-Stars auf die finale Shortlist des Fachmagazins France Football schafften. In den letzten gut 25 Jahren sorgten immer wieder völlig überraschende Bundesliga-Akteure bei der Wahl zum besten Fußballer der Welt für staunende Gesichter – hier sind die zehn kuriosesten Nominierungen seit der Jahrtausendwende.

1. Ebbe Sand (2001 – FC Schalke 04)

Ließ 2001 als Schalker Torjäger zahlreiche Weltstars hinter sich: Ebbe Sand
Ließ 2001 als Schalker Torjäger zahlreiche Weltstars hinter sich: Ebbe Sand | Stuart Franklin/GettyImages

Als im Jahr 2001 die 50 besten Fußballer Europas gekürt wurden, tauchte zwischen den Champions-League-Siegern des FC Bayern München und den Weltstars von Real Madrid plötzlich ein echter Malocher aus dem Ruhrgebiet auf. Ebbe Sand hatte den FC Schalke 04 in der dramatischen Saison 2000/01 mit 22 Treffern als Torschützenkönig zur vierminütigen Meisterschaft der Herzen sowie zum DFB-Pokalsieg geschossen.

Ohne einen großen internationalen Titel im Gepäck überzeugte der Däne die Jury allein durch seine unbändige Wucht im nationalen Alltag und sammelte zwei Punkte für den 18. Platz. Damit ließ der einzige Königsblaue auf der Liste im finalen Ranking allen Ernstes Kaliber wie Steven Gerrard, Roberto Baggio, Gianluigi Buffon oder Alessandro Del Piero hinter sich.


2. Bernd Schneider (2002 – Bayer 04 Leverkusen)

Verzückte die internationale Jury im Jahr der vier zweiten Plätze: Leverkusens "weißer Brasilianer" Bernd Schneider
Verzückte die internationale Jury im Jahr der vier zweiten Plätze: Leverkusens "weißer Brasilianer" Bernd Schneider | Sandra Behne/GettyImages

Das Jahr 2002 ging für Bayer 04 Leverkusen zwar als tragisches Vize-Triple in die Geschichte ein, bescherte der Werkself jedoch gleich mehrere Plätze auf der Weltfußballer-Liste. Während man prominente Gesichter wie Michael Ballack oder den brasilianischen Weltmeister Lúcio dort erwarten konnte, war die Nominierung von Edeltechniker Bernd Schneider eine echte Krönung für bodenständige Straßenfußballer.

Der weiße Brasilianer verzauberte Europa auf dem Weg ins Champions-League-Finale gegen Real Madrid und war auch beim deutschen Lauf ins WM-Endspiel in Japan und Südkorea der unverzichtbare Motor. Mit vier Jury-Punkten landete Schneider auf einem starken 15. Rang – noch vor etablierten Weltstars wie Luís Figo, Patrick Vieira oder Francesco Totti.


3. Yıldıray Baştürk (2002 – Bayer 04 Leverkusen)

Stürmte 2002 sensationell in die Top Zehn der Weltfußballer-Wahl: Leverkusens Spielmacher Yıldıray Baştürk
Stürmte 2002 sensationell in die Top Zehn der Weltfußballer-Wahl: Leverkusens Spielmacher Yıldıray Baştürk | Richard Sellers/Allstar/GettyImages

Noch weiter nach vorne spülte das magische Jahr 2002 einen Leverkusener Teamkollegen von Schneider, den trotz seiner feinen Klinge kaum jemand in den weltweiten Top Zehn erwartet hätte. Spielmacher Yıldıray Baştürk war das pulsierende Herzstück zweier absoluter Sensationsteams: Er führte erst die Werkself ins Königsklassen-Endspiel und anschließend die Türkei sensationell auf Platz drei bei der Weltmeisterschaft.

Zwar glänzte der quirlige Dribbler selten durch reine Torquoten, doch seine grandiose Ballbehauptung gegen Giganten wie den FC Barcelona, Manchester United oder Brasilien verzückte die internationalen Fachjournalisten. Mit 13 Punkten katapultierte sich Baştürk als erster Türke überhaupt auf Platz neun des Ballon d'Or und verwies Ikonen wie Alessandro Del Piero, Ronaldinho und Vorjahressieger Michael Owen auf die hinteren Plätze.


4. Jan Koller (2003 – Borussia Dortmund)

Überzeugte die Jury als Torjäger und legendärer Not-Torwart: BVB-Kultstürmer Jan Koller
Überzeugte die Jury als Torjäger und legendärer Not-Torwart: BVB-Kultstürmer Jan Koller | Martin Rose/GettyImages

Ein 2,02 Meter großer Stürmer mit Schuhgröße 50 entspricht wahrlich nicht dem klassischen Idealbild eines leichtfüßigen Ballon-d'Or-Kandidaten. Doch Jan Koller spielte sich im Trikot von Borussia Dortmund in der Saison 2002/03 mit insgesamt 27 Pflichtspieltoren – darunter acht Treffer in der Champions League – sowie einer starken EM-Qualifikation mit Tschechien in den Fokus der Weltpresse.

Unvergessen blieb in jener Spielzeit zudem sein legendärer Auftritt im November 2002 gegen den FC Bayern, als er nach dem Platzverweis für Jens Lehmann kurzerhand ins BVB-Tor rückte und seinen Kasten mit Glanzparaden sauber hielt. Am Wahlabend 2003 reichte ein einzelner Punkt für den geteilten 22. Platz neben Filippo Inzaghi, womit der Dortmunder Publikumsliebling vor leer ausgegangenen Größen wie David Beckham oder Oliver Kahn landete.


5. Aílton (2004 – SV Werder Bremen / FC Schalke 04)

Schoss sich im Bremer Double-Jahr 2004 bis auf die Weltfußballer-Shortlist: "Kugelblitz" Aílton
Schoss sich im Bremer Double-Jahr 2004 bis auf die Weltfußballer-Shortlist: "Kugelblitz" Aílton | ullstein bild/GettyImages

Dass ein Angreifer mit sichtbarem Bauchansatz und eigenwilliger Trainingsmoral einmal zur Wahl des besten Fußballers des Planeten stehen würde, hätte an der Weser lange Zeit wohl niemand für möglich gehalten. Doch als Kugelblitz Aílton den SV Werder Bremen in der Fabelsaison 2003/04 mit 28 Bundesliga-Toren und sechs Pokaltreffern fast im Alleingang zum Double schoss, kam selbst France Football nicht mehr an ihm vorbei.

Der Brasilianer, der sich im selben Jahr als erster Ausländer überhaupt zu Deutschlands Fußballer des Jahres krönte und im Sommer zum FC Schalke 04 weiterzog, schaffte es tatsächlich auf die 50er-Shortlist. Zwar ging Aílton in der finalen Abstimmung mit null Punkten leer aus, doch allein die Nominierung neben seinem kongenialen Bremer Spielmacher Johan Micoud bleibt ein unvergessenes Stück Bundesliga-Folklore.


6. Angelos Charisteas (2004 – SV Werder Bremen)

In Bremen nur Edeljoker, beim Ballon d'Or 2004 plötzlich vor Cristiano Ronaldo: EM-Held Angelos Charisteas
In Bremen nur Edeljoker, beim Ballon d'Or 2004 plötzlich vor Cristiano Ronaldo: EM-Held Angelos Charisteas | JAVIER SORIANO/GettyImages

Während Aílton und Micoud 2004 ohne Punkte blieben, sorgte ausgerechnet ihr Bremer Bankdrücker für die wohl absurdeste Ballon-d'Or-Platzierung der jüngeren Fußballgeschichte. Angelos Charisteas brachte es in Werders Double-Saison hinter dem gesetzten Sturmduo Aílton und Ivan Klasnić auf gerade einmal 848 Bundesliga-Minuten und vier magere Treffer.

Im Sommer 2004 verwandelte sich der Reservist unter Trainer-Legende Otto Rehhagel jedoch in Griechenlands Fußball-Gott und köpfte den krassen Außenseiter mit Toren gegen Spanien, Frankreich und im Finale gegen Portugal sensationell zum EM-Titel. Das Resultat bei der Weltfußballer-Wahl war völlig verrückt: Mit 15 Punkten landete Charisteas als einziger Bundesliga-Profi mit Stimmen auf Platz elf – direkt vor Cristiano Ronaldo, Zlatan Ibrahimović, Kaká und Zinédine Zidane.


7. Lukas Podolski (2006 – 1. FC Köln / FC Bayern München)

Vom Kölner Bundesliga-Abstieg direkt auf Platz 17 der Weltfußballer-Wahl: Sommermärchen-Held Lukas Podolski
Vom Kölner Bundesliga-Abstieg direkt auf Platz 17 der Weltfußballer-Wahl: Sommermärchen-Held Lukas Podolski | Alexander Hassenstein/GettyImages

Normalerweise müssen Offensivspieler für eine Ballon-d'Or-Nominierung die großen europäischen Vereinswettbewerbe dominieren – Lukas Podolski reichte im Frühjahr 2006 hingegen der bittere Bundesliga-Abstieg mit dem 1. FC Köln. Trotz zwölf eigener Saisontore musste der damals 21-Jährige mit seinem Herzensklub den Gang in die Zweitklassigkeit antreten, ehe er im Sommer für rund zehn Millionen Euro zum FC Bayern wechselte.

Sein Ticket für die Weltfußballer-Gala löste Prinz Poldi stattdessen beim deutschen Sommermärchen, als er bei der Heim-WM drei Tore erzielte und noch vor Lionel Messi und Cristiano Ronaldo zum besten jungen Spieler des Turniers gewählt wurde. Mit drei Jury-Punkten kletterte der unbekümmerte Straßenkicker beim Ballon d'Or auf den 17. Platz und ließ Weltstars wie Wayne Rooney, Michael Ballack und abermals den jungen Messi hinter sich.


8. Diego (2007 – SV Werder Bremen)

Verzauberte die Bundesliga und schaffte es zweimal auf die Kandidatenliste: Werder-Regisseur Diego
Verzauberte die Bundesliga und schaffte es zweimal auf die Kandidatenliste: Werder-Regisseur Diego | ullstein bild/GettyImages

Als der Ballon d'Or im Jahr 2007 erstmals für Spieler weltweit geöffnet wurde, stand ein 1,73 Meter kleiner Zauberfuß von der Weser plötzlich im erlesenen Kreis der 50 besten Kicker des Globus. Der Brasilianer Diego war im Sommer 2006 vom FC Porto zu Werder Bremen gewechselt und hatte die Bundesliga als Nachfolger von Johan Micoud mit 15 Pflichtspieltoren sowie unzähligen Traumvorlagen im Sturm erobert.

Spätestens mit seinem legendären Jahrhunderttor aus 63,8 Metern gegen Alemannia Aachen im April 2007 spielte sich der Regisseur endgültig in die internationalen Highlight-Shows. Zwar blieb Diego bei der Wahl im Herbst ebenso wie bei seiner zweiten Nominierung 2009 – nach Werders Einzug ins UEFA-Cup-Finale und seinem Wechsel zu Juventus Turin – ohne Punkt, teilte sich dieses Schicksal 2007 aber prominent mit David Beckham und Raúl.


9. Rafael van der Vaart (2008 – Hamburger SV / Real Madrid)

Ballerte sich über den Hamburger SV zu Real Madrid und auf die Ballon-d'Or-Liste: Rafael van der Vaart
Ballerte sich über den Hamburger SV zu Real Madrid und auf die Ballon-d'Or-Liste: Rafael van der Vaart | Lars Baron/GettyImages

Rückblickend scherzte Rafael van der Vaart im Magazin 11FREUNDE einmal, er hätte den Ballon d'Or gewinnen können, wenn er nur etwas schneller gewesen wäre. Im Jahr 2008 reichte es für den niederländischen Spielmacher und Freistoßkünstler aber immerhin für den Sprung auf die exklusive, damals erstmals auf 30 Namen reduzierte Shortlist.

Verdient hatte sich der Kapitän diese Ehre durch eine überragende Abschiedssaison beim Hamburger SV, in der er in 44 Pflichtspielen satte 21 Tore und zehn Vorlagen verbuchte, ehe er im August 2008 zu Real Madrid wechselte und dort sofort per Hattrick einschlug. In der Endabrechnung blieb van der Vaart zwar ohne Zähler auf dem geteilten 26. Rang, befand sich dort aber in bester Gesellschaft mit Größen wie Karim Benzema und Luca Toni.


10. Sébastien Haller (2022 – Borussia Dortmund / Ajax Amsterdam)

Sorgte 2022 als neu verpflichteter BVB-Profi für einen emotionalen Gala-Moment und Platz 13: Sébastien Haller
Sorgte 2022 als neu verpflichteter BVB-Profi für einen emotionalen Gala-Moment und Platz 13: Sébastien Haller | DeFodi Images/GettyImages

Als die Nominierten für den Ballon d'Or 2022 verkündet wurden, tauchte in den offiziellen Listen von France Football auch ein Stürmer von Borussia Dortmund auf, der bis dahin noch keine einzige Pflichtspielminute für die Schwarz-Gelben absolviert hatte. Der BVB hatte Sébastien Haller im Sommer für über 30 Millionen Euro als Haaland-Nachfolger verpflichtet, ehe den Ivorer im Trainingslager die schockierende Diagnose Hodenkrebs aus der Bahn warf.

Seine Nominierung verdankte der Angreifer seiner vorangegangenen Rekordsaison bei Ajax Amsterdam, in der er 32 Pflichtspieltore erzielt und in der Champions League mit elf Treffern in acht Partien – darunter ein Viererpack beim Debüt – für Furore gesorgt hatte. Bei seinem hochemotionalen Gala-Auftritt in Paris durfte sich Haller dank zwei erhaltener Punkte über einen sensationellen 13. Platz freuen – noch vor leer ausgegangenen Megastars wie Cristiano Ronaldo, Harry Kane oder Virgil van Dijk.


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