Bei der Vorstellung der beiden deutschen Kader konnte man zunächst den Eindruck gewinnen, dass das DFB-Aufgebot für die ersten beiden Spiele besser aufgestellt ist als jenes für die letzten beiden Partien. Mit Aleksandar Pavlovic und Florian Wirtz wurden nur zwei klare Stammspieler dem Kader für die Matches gegen Serbien und Griechenland zugeordnet.
Auf dem Platz bot sich jedoch ein anderes Bild. Während der auf dem Papier prominentere Kader nur mit Glück in den Niederlanden punktete und gegen Griechenland verlor, gelang dem zweiten Aufgebot ein überzeugender 2:0-Sieg gegen Serbien. Dabei machte das Team einen wesentlich sichereren und spielstärkeren Eindruck.
Doch warum war das deutsche Spiel mit dem zweiten Kader so viel sehenswerter? Wir werfen einen Blick auf die Gründe.
1. Mittelfeld-Trio glänzt mit spielerischer Brillanz

Der Hauptgrund für den starken ersten Auftritt von Kader zwei liegt im zentralen Mittelfeld. Die Achse mit Aleksandar Pavlovic auf der Sechs, Tom Bischof auf der Acht und Florian Wirtz auf der Zehn harmonierte prächtig. Pavlovic fungierte als Ballmagnet, zog die Fäden und verteilte die Bälle klug, während Bischof immer wieder gute Steckpässe auspackte und selbst torgefährlich wurde. Florian Wirtz fühlte sich in der zentralen Rolle pudelwohl und war an fast jeder gefährlichen Situation beteiligt.
Hinzu kam, dass alle drei immer wieder blitzschnell kombinierten, stets in Bewegung blieben und überraschende Momente kreieren konnten. Die pure fußballerische Klasse dieses Trios hat dazu geführt, das Deutschland das Mittelfeld komplett dominieren konnte.
Während das Zusammenspiel des Trios schnell, dynamisch und harmonisch war, konnten Joshua Kimmich, Felix Nmecha und Nadiem Amiri/Bambasé Conté im Verbund nicht wirklich überzeugen. Es fanden praktisch keine Kombinationen statt und auch das Spiel ohne Ball war deutlich statischer. Kimmich und Co. brachten zwar viele Pässe an den Mann, ohne dabei jedoch das Tempo zu erhöhen oder wesentlichen Raumgewinn zu erzielen.
2. Mehr Ballsicherheit auf dem Flügel

Mit Karim Adeyemi und Kevin Schade hatte Deutschland enorm viel Tempo auf dem Flügel. Damit konnte zwar immer wieder Gefahr erzeugt werden, jedoch zeigten beide auch einige Unzulänglichkeiten. Adeyemi und Schade verloren zahlreiche Bälle und konnten sich spielerisch nicht so gut einbringen, wie man sich das wohl erhofft hatte.
Derry Scherhant und Serge Gnabry zeigten schlichtweg eine deutlich reifere Leistung. Beide waren gut ins Spiel eingebunden, fanden die richtige Dosierung zwischen Sicherheit und Risiko, hielten das deutsche Offensivspiel am Laufen und wurden immer wieder auch selbst torgefährlich.
3. Serbien war der schwächste Gegner

Natürlich ist es immer einfacher, gegen einen eher schwachen Gegner gut auszusehen. Serbien ist zwar durchaus eine Fußball-Nation, aktuell aber relativ schwach aufgestellt, weil Leistungsträger in die Jahre gekommen sind und es an hochkarätigen Talenten mangelt. Nicht umsonst steht Serbien derzeit mit null Punkten am Tabellenende, selbst wenn die Pleiten gegen die Niederlande und Griechenland knapp waren.
Unter dem Strich benötigt es nur einen Blick auf die Kader, um zu sehen, dass die Niederlande und Griechenland deutlich besser aufgestellt sind. Die Elftal gehört traditionell zur europäischen Spitze, während sich in Griechenland gerade eine sehr starke Generation entwickelt. Dies zeigte sich auch auf dem Spielfeld. Serbien war nach vorne ziemlich harmlos, hat aber defensiv trotzdem mehr Räume zugelassen als die beiden anderen Deutschland-Gegner.
4. Kader zwei hatte etwas mehr Eingewöhnungszeit

Der erste deutsche Kader hatte nach Anreise einen Tag weniger Zeit, ehe das erste Spiel auf dem Programm stand als der zweite deutsche Kader. Dies mag nach einem geringfügigen Unterschied klingen, jedoch ist bei der begrenzten Zeit jeder Tag wichtig. Insbesondere dann, wenn sich das neu zusammengewürfelte Team erst finden muss. Hinzu kommt, dass einzelne Spieler wie Philipp Treu oder Bambasé Conté geblieben sind und Serge Gnabry schon in der ersten Woche im Training mit dabei war.
Auch das neue Trainerteam um Jürgen Klopp konnte in der ersten Woche bereits Erfahrungen und Erkenntnisse erlangen und sich an die täglichen Abläufe gewöhnen. Demnach dürfte Kader zwei schlichtweg einen Ticken besser vorbereitet gewesen sein, mal abgesehen davon, dass sie Zeit zur Regeneration hatten.
5. Verletzungsausfälle von Musiala & Havertz schwächten Kader 1

Der erste deutsche Kader war zwar prominenter besetzt, hatte aber auch heftige Ausfälle zu beklagen. Mit Jamal Musiala verletzte sich ein wichtiger Spieler schon vor dem ersten Match, während Kai Havertz in diesem früh ausgewechselt werden musste. Die beiden Akteure wären im Duell mit Griechenland vermutlich Gold wert gewesen. Klopp brachte dafür Younes Ebnoutalib und Bambasé Conté, die schlichtweg noch nicht die Klasse und die Erfahrung von Musiala und Havertz verkörpern. Dementsprechend harmlos war das Angriffsspiel dann auch.
