Für Pierre Littbarski begann der Besuch beim 1. FC Köln mit einem Wiedersehen unter alten Weggefährten. Gemeinsam mit weiteren Vereinslegenden war der Weltmeister von 1990 zum Heimspiel gegen den FC Schalke 04 eingeladen worden – doch die gute Stimmung hielt nicht bis zum Ende des Nachmittags.
Nach dem torlosen Remis veröffentlichte der 66-Jährige auf Instagram ein Video, in dem er seiner Enttäuschung freien Lauf ließ. Dabei beschäftigte ihn vor allem, wie Trainer René Wagner seine Mannschaft gegen die kompakt verteidigenden Gäste aufgestellt und verändert hatte.
Littbarski hinterfragt Wagners Wechsel
"Heute das Spiel kannst du in die Mülltonne schmeißen", lautete Littbarskis deutliches Urteil. Gegen eine aus seiner Sicht biedere Schalker Mannschaft hätte der FC unbedingt gewinnen müssen.
"Ich nehme natürlich nicht die Spieler runter, die mir ein Spiel gewinnen können"Pierre Littbarski
Besonders die Auswechslungen von Mikey Moore nach 68 Minuten und Said El Mala in der 80. Minute konnte er nicht nachvollziehen. Moore habe gute Aktionen gezeigt und noch frisch gewirkt, argumentierte Littbarski.

Auch El Mala hätte er auf dem Platz gelassen. "Ich nehme natürlich nicht die Spieler runter, die mir ein Spiel gewinnen können", erklärte die Vereinsikone und stellte damit Wagners Entscheidungen in der Schlussphase infrage.
Kritik am Positionsspiel – Olise als Gegenbeispiel
Darüber hinaus vermisste Littbarski eine klare offensive Raumaufteilung. Linton Mainas Positionierung habe ihm ebenso wenig gefallen wie die Rolle von El Mala, der sich seiner Ansicht nach zu häufig im Zentrum aufgehalten habe.

Als Gegenbeispiel führte er Bayerns Michael Olise an, der über eine breite Ausgangsposition Platz für seine Aktionen finde. Wagner sieht in El Malas variablerer Rolle dagegen den Vorteil, dass sich der Angreifer schwerer doppeln lässt.
Auch von den Außenverteidigern Borna Sosa und Sebastian Sebulonsen hätte sich Littbarski mehr Tempo und Vorstöße gewünscht. Insgesamt habe Köln die eng stehenden Schalker zu wenig unter Druck gesetzt.
Schon zuvor hatte Littbarski Zweifel geäußert
Wie 90min bereits berichtete, hatte Littbarski bereits vor der Partie deutliche Kritik am FC geübt. Bei einem Talk-Abend mit Thomas Häßler verglich er die wechselhaften Leistungen mit "Wackelpudding" und bemängelte "zu viel Mittelmaß" im Kader.
Dabei stellte er insbesondere die geringe Zahl an Spielern heraus, die eine Begegnung entscheiden könnten. Seine jüngste Kritik an den Auswechslungen von Moore und El Mala knüpft unmittelbar an diesen Punkt an.
Trotz zweier Siege und zweier Remis aus den bisherigen vier Heimspielen bleibt Wagner damit unter Druck. Gegen Schalke machten Teile des Publikums ihrem Unmut mit Pfiffen und "Wagner raus"-Rufen Luft – Littbarskis anschließende Wortmeldung dürfte die Diskussion um den Trainer weiter verschärfen.
