Für Fußballfans weltweit ist der 26. Oktober ein im Kalender fett markiertes Datum, denn an diesem Tag wird bei der Vergabe des Ballon d’Or verkündet, wer den Titel "Bester Fußballer der Welt" erhält und sich damit zumindest für ein Jahr deutlich über seine Kollegen stellt.
Für mich steht dabei außer Frage, dass dieser Titel nach 2024 zum zweiten Mal nur an den spanischen Mittelfeldstar Rodrigo Hernández Cascante, besser bekannt als Rodri, gehen kann.
Ausschlaggebendes Kriterium in diesem Jahr sind ausschließlich die Leistungen der vergangenen Saison 2025/26 – einschließlich der WM 2026. Aktuelle Auftritte der neuen und noch recht frischen Saison spielen für die Wahl keine Rolle und fließen nicht in die Bewertung ein. Entscheidende Eckpfeiler der Wahl sollen sein: Die individuelle Leistung des Spielers, der Mannschaftserfolg sowie individuelle Klasse und Fairplay des Kandidaten.
Darum hat Rodri den Ballon d'Or 2026 verdient:
1.) Primus inter pares

Rodri befand sich 2025/26 sowohl im spanischen Nationalteam als auch bei seinem Ex-Klub Manchester City auf Vereinsebene abermals unter absoluten Top-Spielern. Dennoch war überall klar: Er ist derjenige, der den Hut aufhat, der verlängerte Arm des Trainers ist, an dem sich der Rest der Mannschaft orientiert und ausrichtet.
Ein Spieler von diesem Weltniveau mit einer derartigen Ausstrahlung muss den aller größten Respekt und das volle Vertrauen seiner namhaften und erfolgsverwöhnten Mitspieler genießen. Rodri nimmt dabei nicht nur positionstechnisch DIE zentrale Rolle im Spiel ein.
Der Kapitän der spanischen Nationalmannschaft ist der Führungsspieler schlechthin. Doch Rodri macht seine Führungsrolle keineswegs zur großen Sache, sondern arbeitet ungemein viel für seine Mannschaft und bewegt sich auf Augenhöhe. Dennoch ist immer klar, und das spürt man selbst am heimischen TV, dass der 30-Jährige höher gestellt zu sein scheint - beinahe wie ein Feldherr.
Grundsätzlich kann man Rodri wohl am besten lateinisch beschreiben: Primus inter pares - Der höhergestellte unter Gleichen. Für die Mannschaftssportart Fußball das absolute Paradebeispiel.
2.) Das Herzstück

Rodri ist kein Spieler, der für eine besondere Sache berühmt ist oder sich nur anhand einer besonderen Fähigkeit in den Vordergrund spielt. Der Mittelfeldstratege ist ein unfassbares Gesamtpaket und spielt im zentralen Mittelfeld auf der wohl schwierigsten Position im Fußball. Genau dort der Beste der Welt zu sein, muss also etwas heißen.
Dass der spanische Nationalspieler in beeindruckender Regelmäßigkeit deutlich macht, wie viel Spielintelligenz in ihm schlummert, wie pressingresistent er im Spielaufbau ist und dass er zugleich auch noch defensive Drecksarbeit erfüllt und im nächsten Moment schon wieder den tödlichen Pass spielt, erfährt in der auf Highlights fixierten Fußballwelt viel zu wenig Aufmerksamkeit und Wertschätzung.
Und: Es ist nicht verwunderlich, dass sich im Sommer mit dem FC Barcelona und Real Madrid die beiden vermeintlich größten Fußballmächte der Welt um die Dienste Rodris stritten. Die Katalanen erhielten den Zuschlag.
Da draußen gibt es viele Mittelfeldspieler, aber Rodri ist DER Mittelfeldspieler.
3.) Selbst bei 50% noch der Beste der Welt

Die Saison 2025/26 war dabei für Rodri gar keine einfache: Nach seinem Kreuzbandriss in der Saison 2024/25 laborierte er auch in der Saison 2025/26 an einigen verletzungsbedingten Problemen. Vor allem eine Oberschenkelverletzung setzte ihm lange zu und verhinderte zahlreiche Einsätze. Ebenso wie Leistenprobleme am Saisonende. Am Ende kam er nur auf 21 Ligaspiele für Ex-Klub Manchester City. Doch pünktlich zur WM war der Taktgeber wieder bei Bestform angelangt und dirigierte die spanische Auswahl nach dem EM-Titel 2024 nun auch zum Weltmeistertitel.
Dass im Vorfeld große Zweifel an Rodris Leistungsfähigkeit aufkamen und ihm aufgrund der Verletzungen sogar ein Qualitätsverlust unterstellt wurde, kam bei Nationaltrainer Luis de la Fuente überhaupt nicht gut an. Seine Reaktion auf die große Debatte alleine genügt wohl, um dieses Thema auch schon wieder zu beenden.
Der 65-Jährige sagte über seinen Schützling: "Bei allem Respekt: An Rodri zu zweifeln, war ganz offensichtlich eine Beleidigung der eigenen fußballerischen Intelligenz." Und weiter: "Unabhängig davon, was jemand sagt, empfinde ich es als Beleidigung, solche Meinungen über den besten Spieler der Welt zu äußern. Rodrigo ist der beste Spieler der Welt, und selbst wenn er nur zu 50 Prozent in Form ist, ist er vielen anderen Mittelfeldspielern weit überlegen." Deutliche Worte als des Welt- und Europameister-Trainers.
4.) Vorne, Hinten, Überall

Das aussagekräftigste Argument für Rodris ganze Klasse und starke Form in der entscheidenden Saisonphase der Saison 2025/26 ist sicherlich seine unfassbare WM 2026. Denn genau hier, beim wichtigsten und größten Sportereignis des Planeten, auf den Punkt da zu sein und sich auf höchstem Niveau als der wertvollste Spieler zu entpuppen, zeigt, wie unbeeindruckt Rodri von persönlichen Rückschlägen, externen Störfeuern und namhafter Konkurrenz war, einfach seinen Job machte und bedeutende Fakten schuf.
Bei der WM lieferte der spanische Mittelfeldmotor unglaubliche Zahlen – und das, wie bereits erwähnt, nicht nur in einem speziellen Bereich. Im Spielaufbau war der 30-Jährige nicht zu bremsen und brachte eine Passquote von 93,2 Prozent zustande und beeindruckte mit einer Laufleistung von über 96 km. Im WM-Finale gegen Argentinien kam Rodri sogar auf 95,3 Prozent Passquote - damit steckte er die Südamerikaner in die Tasche.
Rodri ist im Spielaufbau der große Anker und Ball-Magnet - der Inbegriff von Zuverlässigkeit und Dominanz in einem Bereich, in dem von allen Seiten Druck einschlägt. Im Schnitt lieferte das Herzstück des spanischen Spiels unglaubliche 94 erfolgreiche Pässe pro Partie an seine Mitspieler und inszenierte Reihenweise Großchancen. Der höchste Wert eines einzelnen Spielers mit mindestens 400 Minuten Einsatzzeit bei einer WM. Im Schnitt kam er auf 15,2 linienbrechende Pässe pro 90 Minuten Spielzeit.
Doch damit nicht genug. Insgesamt verhinderte Rodri mit 26 erfolgreichen Tacklings und einer Zweikampfquote von 63,3 Prozent zahlreiche gegnerische Angriffe und fungierte sozusagen als Türsteher vor der spanischen Abwehr mit überdurchschnittlichen Werten.
Wer bei einer derart hochkarätig besetzten Weltmeisterschaftsendrunde in einem so riesigen XXL-Teilnehmerfeld am Ende den Goldenen Ball für den besten Turnierspieler erhält – und das auf einer Position, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und mitreißende Offensivspielern wie Kylian Mbappé als Konkurrent hat –, der muss im Rennen um den Ballon d’Or zwangsläufig weit vorne liegen. Gepaart mit allen anderen Punkten sogar ganz vorne.
5.) Das Vorbild ohne Star-Allüren

Doch obwohl Rodri fußballerisch das Nonplusultra des weltfußballerischen Mittelfelds ist, ist er keineswegs ein Spieler des großen Hypes. Im Gegenteil.
Anstelle von einem schillernden Social-Media-Auftritt, großen Eskapaden, lautem Gepolter, aufsehenerregenden Sprüchen oder luxuriöser Angeberei glänzt er mit Bescheidenheit im Hintergrund und beweist eine enorme Vorbildfunktion. Ganz anders als andere Anwärter auf den Ballon d'Or 2026 wie Lamine Yamal., Kylian Mbappé & Co. Eine Rolle, die im heutigen Profifußballgeschäft an vielen Stellen abhandengekommen ist und von vielen Stars links liegen gelassen wird.
Selbst als er schon Profi war, verzichtete der spanische Mittelfeldstar auf teure Luxusautos, fuhr lange einen gebrauchten Opel Corsa oder Fahrrad, lebte in einer WG und machte neben seiner sportlichen Laufbahn als Fußballstar noch einen Uni-Abschluss, um seine Zukunft abzusichern. Keine auffällige Designer-Kleidung, kein luxuriöser Schmuck, keine auffälligen Tattoos. Diese Bescheidenheit ist noch heute Teil des Spaniers - trotz aller Erfolge und Auszeichnungen. Rodri spendet große Teil seines Gehalts für wohltätige Zwecke und engagiert sich bei gemeinnützigen Projekten.
Andere Fußballstars schwingen bildlich gesprochen gerne die E-Gitarre in der Öffentlichkeit und den Medien und verwüsten metaphorisch damit ganze Hotelzimmer. Rodri hingegen darf als Geige oder Harfe mit sanften Tönen und großer Seriosität beschrieben werden. Er ist dezent im Hintergrund wie klassische Fahrstuhlmusik in Fünf-Sterne-Hotels, elegant und stilvoll, bescheiden und dennoch auf Weltniveau. Rodri ist da, ohne aufzufallen, und hebt das Niveau deutlich an.
Gerade diese Eigenschaft ist es, die es besonders in den Vordergrund zu stellen gilt, denn Rodri zeigt einer von Social Media vergifteten Jugend eine ganz andere Seite des Lebens und beschränkt sich auf das, worauf es ankommt.
Damit zeigt der Spanier, dass man auch ohne großes Tamtam zu enormem Erfolg wie einem WM-Titel und der WM-MVP-Auszeichnung, anerkanntem und weltweitem Standing und zu einer beeindruckenden Persönlichkeit kommen kann. Umso bedeutender wäre es deshalb, wenn der Mittelfeldstar am 26. Oktober seine zweite Ballon-d’Or-Auszeichnung erhalten würde. Weil er ein Beispiel für sportliche Qualität, Resilienz und echte Werte ist und das auch 2026 mit Bravour unter Beweis gestellt hat.
Diese 30 Spieler stehen beim Ballon d'Or 2026 zur Wahl
Spieler | Verein |
|---|---|
Jude Bellingham | Real Madrid |
Pau Cubarsi | FC Barcelona |
Marc Cucurella | FC Chelsea, Real Madrid |
Ousmane Dembele | Paris Saint-Germain |
Luis Diaz | FC Bayern |
Bruno Fernandes | Manchester United |
Gabriel Magalhaes | FC Arsenal |
Erling Haaland | Manchester City |
Achraf Hakimi | Paris Saint-Germain |
Harry Kane | FC Bayern |
Kvicha Kvaratskhelia | Paris Saint-Germain |
Sadio Mané | Al Nassr |
Marquinhos | Paris Saint-Germain |
Lautaro Martinez | Inter Mailand |
Kylian Mbappé | Real Madrid |
Nuno Mendes | Paris Saint-Germain |
Lionel Messi | Inter Miami |
Joao Neves | Paris Saint-Germain |
Michael Olise | FC Bayern |
Willian Pacho | Paris Saint-Germain |
Julian Quinones | Al Quadsiah |
Declan Rice | FC Arsenal |
Rodri | Manchester City, FC Barcelona |
Fabian Ruiz | Paris Saint-Germain |
William Saliba | FC Arsenal |
Ferran Torres | FC Barcelona, Paris Saint-Germain |
Dayot Upamecano | FC Bayern |
Vinicius Jr. | Real Madrid |
Vitinha | Paris Saint-Germain |
Lamine Yamal | FC Barcelona |
