Für Werder Bremen steht das Wochenende unter einem ganz besonderen Stern, denn die Grün-Weißen feiern am Samstag (17. Oktober) 100 Jahre Weserstadion.
Das Bremer Wohnzimmer war seit seinem Bau vor einem Jahrhundert Zeuge und Bühne zahlreicher legendärer Fußballschlachten, atemberaubender Erfolge und schmerzhafter Rückschläge, steht dabei geschichtsträchtig als eines der kultbehaftetsten der gesamten Bundesliga und deutschen Fußballlandschaft da und verliert auch nichts an seiner emotionalen Bedeutung, selbst wenn mal das eine oder andere Tribünchen etwas nachgibt.
Anlässlich der großen Feierlichkeiten vor dem Duell gegen den Aufsteiger SC Paderborn am Samstag haben wir die zehn wohl bedeutendsten Fußballerlebnisse von Werder Bremen im heimischen Schmuckkästchen aufgelistet.
Und selbst wenn der eine oder andere Werder-Fan eine für ihn wichtigere und andere Begegnung in die Liste aufgenommen hätte, dürften die folgenden zehn Fußballmomente für jeden Grün-Weißen von ganz großer Bedeutung sein. Wir sagen: Happy Birthday, Weserstadion! Auf viele weitere schöne Momente mit dir!
Die zehn bedeutendsten Spiele im Bremer Weserstadion
12. Oktober 1963: Werder vs. Hamburger SV
Der 12. Oktober 1963 lieferte einen der ersten richtig bedeutenden Fußballmomente im Weserstadion und in der Vereinsgeschichte der Werderaner, denn an diesem Herbstsamstag kam es im Weserstadion zum ersten Nordderby gegen den Hamburger SV in der damals neu gegründeten Bundesliga.
Die beiden Gründungsmitglieder des deutschen Oberhauses und ewigen Rivalen aus dem Norden duellierten sich in einem mitreißenden Spiel. Am Ende behielt Werder im Weserstadion mit 4:2 die Oberhand. Dreifacher Torschütze war Arnold Schütz. Gegen keinen anderen Klub spielte Werder so oft wie gegen den HSV. Bislang insgesamt 157 Pflichtspielduelle. Alleine 110 Mal gab es dieses Duell bereits in der Bundesliga.
8. Mai 1965: Werder vs. Borussia Dortmund
Werder Bremen schlägt am vorletzten Spieltag der Saison 1964/65 Borussia Dortmund im Weserstadion mit einem klaren und ungefährdeten 3:0-Heimerfolg. Im Anschluss an die Partie erfahren die Werderaner, dass der ärgste Verfolger, der 1. FC Köln, gegen den 1. FC Nürnberg nur 0:0 gespielt hat. Damit ist der erste deutsche Meistertitel für Werder perfekt und die Stimmung im Stadion ist natürlich ausgelassen.

Ausgerechnet am letzten Spieltag gewinnt Werder beim Titelhelfer Nürnberg mit 3:2 und wird als deutscher Meister geehrt. Der damalige Trainer Willi Multhaup und seine Mannschaft schreiben Vereinsgeschichte - drei weitere Meisterschaften sollen in Werders Geschichte folgen. Doch dieser Titel ist der Meilenstein für den Mythos von der Weser.
7. Juni 1969: Werder vs. Borussia Mönchengladbach
Am 7. Juni 1969 ereignete sich ein wahres Torspektakel im Bremer Wohnzimmer. In einem engen Hin und Her gewann Werder gegen den damaligen Gegner Borussia Mönchengladbach am Ende mit 6:5. Bernd Rupp war mit drei Toren der Held des Tages. Eines der torreichsten Spiele der Bundesligahistorie und sicherlich eines der packendsten im Bremer Weserstadion.

Doch es gab einen kleinen Nebenschauplatz: Werders damaliger Trainer Fritz Langner verließ zur Halbzeit und beim Zwischenstand von 3:4 aus Bremer Sicht das Weserstadion wegen dringenden Vertragsverhandlungen mit 1860 München. Nach der Pause wurde er durch Co-Trainer Ackerschott vertreten und Langner übernahm zur Folgesaison in München.
3. November 1987: Werder vs. Spartak Moskau
Der 3. November 1987 war keineswegs ein gewöhnlicher Dienstag in der Geschichte von Werder Bremen. Nachdem die Grün-Weißen das Hinspiel des Europapokal-Duells mit dem russischen Vertreter Spartak Moskau deutlich mit 1:4 verloren hatten, kämpften sie sich im Rückspiel wieder heran und führten nach 90 Minuten selbst mit 4:1.
In der Verlängerung kam es dann zum "Wunder von der Weser”. Die Bremer erzielten durch Karl-Heinz Riedle und Manfred Burgsmüller zwei weitere Treffer, gewannen am Ende mit 6:2 und kamen unter Trainerlegende Otto Rehhagel eine Runde weiter. Bis heute gilt dies als eine der legendärsten Europapokalnächte in Bremen - wenn nicht sogar als die legendärste. In der gleichen Spielzeit sammeln die Bremer auch ihren zweiten Meistertitel ein.
11. Oktober 1988: Werder vs. Dynamo Berlin
Nur ein Jahr nach dem Wunder von der Weser schlugen die Bremer erneut zurück und bewiesen abermals ihre Comeback-Qualitäten. Im Hinspiel gegen den damaligen DDR-Meister Dynamo Berlin ging Werder noch klar mit 0:3 baden und drohte, aus dem Europapokal der Landesmeister zu fliegen.

Doch im Rückspiel wiederholt sich das Wunder und die Mannschaft von Otto Rehhagel dreht den Spieß erneut um. Am Ende siegt Werder deutlich mit 5:0 und stellt damit erneut alles auf den Kopf. Die Bestätigung der ganz besonderen Europapokal-Mentalität des norddeutschen Traditionsklubs.
21. Mai 1988: Werder vs. Hamburger SV
Das Nordderby am 14. Mai 1988, dem vorletzten Spieltag der Saison 1987/88, ist durchaus kurios, denn Werder verliert im heimischen Weserstadion deutlich mit 1:4 gegen den großen Kontrahenten. Grund zu großem Jubel gibt es dennoch, denn die Bremer erhielten nach dem Spiel die bereits gesicherte Meisterschale.

Eine schmerzhafte Niederlage gegen den größten Rivalen – und das im eigenen Wohnzimmer! Aber am Ende gab es doch die große Party mit der Meisterschale. War die Gefühlswelt im Weserstadion jemals schon so gegensätzlich? Am Ende war es Werder wurscht. Der zweite Meistertitel verschmerzte die deutliche Derby-Pleite und ließ die Fans ein Auge zudrücken.
8. Dezember 1993: Werder vs. RSC Anderlecht
Im Königsklassen-Duell gegen den belgischen Spitzenklub RSC Anderlecht lag Werder Bremen am 8. Dezember 1993 im Weserstadion nach 65 Minuten mit 0:3 zurück und drohte auszuscheiden – bis sich ein erneutes Wunder von der Weser ausbreitete und einer der legendärsten Europapokal-Abende der Vereinsgeschichte folgte.

Werder ging als deutscher Meister in die Saison 1993/94, rutschte dann aber in der heimischen Liga ins Mittelfeld ab. Doch diese Spielzeit war dennoch besonders, denn die Bremer sicherten sich neben dem DFB Pokal-Titel auch noch ein echtes Wunder in der damals noch jungen Champions League. Innerhalb von nur 24 Minuten drehten die Werderaner im Weserstadion den Spielverlauf komplett auf den Kopf, erzielten fünf Tore und sorgten für das nächste Wunder von der Weser.
15. Mai 2004: Werder vs. Bayer Leverkusen
Für Werder kommt es am 15. Mai zu einem ergebnistechnischen Debakel in einem überaus historischen Rahmen. Am vorletzten Spieltag der Saison 2003/04 standen die Bremer bereits als deutscher Meister fest und empfingen Bayer 04 Leverkusen. Die Gäste aus dem Rheinland nutzten die Bremer Nachlässigkeiten und fertigen die Hausherren vor heimischen Publikum deutlich ab. Am Ende steht für Werder eine herbe 2:6-Klatsche zu Buche, doch das ist den Anwesenden am Ende recht egal.

Die Werderaner nahmen mit Trainer Thomas Schaaf ihren vierten und bis dato letzten deutschen Meistertitel entgegen und machten damit den ersten Schritt zum Gewinn des Doubles. Wenige Wochen später gewannen die Bremer nämlich dann das DFB Pokal-Endspiel gegen Alemannia Aachen mit 3:2.
6. August 2004: Werder vs. Schalke 04
Zum Start in die Saison 2004/05 erlebte der frischgebackene Double-Sieger ein überaus kurioses Heimspiel mit großem Erinnerungs-Charakter. Werder sollte zum Saisonauftakt zuhause gegen den FC Schalke 04 die neue Spielzeit einläuten, doch plötzlich stand das Spiel auf der Kippe.

Am Abend des 6. August 2004 war plötzlich unklar, ob das Spiel überhaupt stattfinden könnte. Fünf Minuten vor dem geplanten Anstoß um 20:30 Uhr ging im prall gefüllten Weserstadion plötzlich das Licht aus – Stromausfall!

Das schmälerte die Stimmung auf den Rängen jedoch nicht. Im Schein unzähliger Feuerzeuge stimmten die Bremer Fans "So ein Tag, so wunderschön wie heute …" an und dürfen sich am Ende sogar noch über einen 1:0-Sieg freuen, nachdem das Spiel erst um 21:36 Uhr doch noch angepfiffen wurde. Der Siegtreffer an diesem Abend fiel damals zu später Stunde. Das erlösende Bremer Siegtor durch Nelson Valdez um 23:15 Uhr gilt bis heute als der späteste Treffer der Bundesligageschichte.
14. Mai 2016: Werder vs. Eintracht Frankfurt
Am 14. Mai 2016 erlebte das Bremer Wohnzimmer erneut ein bemerkenswertes Spiel. Am 34. Spieltag der Saison hieß der Gegner Eintracht Frankfurt und für Werder ging es um alles. Den Grün-Weißen drohte der Abstiegs-Relegationsplatz und damit der Gang in die zweite Bundesliga.

Im direkten Duell gegen die Hessen behielt die Bremer Mannschaft aber einen kühlen Kopf und gewann durch den späten Treffer von Innenverteidiger Papy Djilobodji in der 88. Spielminute knapp mit 1:0. Für Werder bedeutete dies die Rettung und am Ende sogar Platz 13, für die Eintracht die Relegation. Doch auch die Adler hielten am Ende ebenfalls die Klasse und setzten sich gegen Zweitligist Nürnberg durch.
