Erst der 3:2-Erfolg in Stuttgart, dann das Weiterkommen im DFB-Pokal gegen Karlsruhe trotz Unterzahl: Borussia Mönchengladbach hatte sich zuletzt gute Gründe geliefert, wieder zuversichtlicher auf die kommenden Wochen zu schauen. Nach dem schwierigen Saisonstart schien die Mannschaft endlich etwas Stabilität zu gewinnen.
Das Heimspiel gegen den SC Paderborn sollte diesen Eindruck bestätigen. Stattdessen hinterließ das 0:0 neue Fragen – vor allem, weil zwischen den beiden Halbzeiten ein deutlicher Unterschied lag.
Vor der Pause erarbeitete sich Gladbach noch gute Möglichkeiten. Robin Hack und Fabio Chiarodia scheiterten an Paderborns Torhüter Nahuel Noll, Joe Scallys vermeintlicher Führungstreffer wurde wegen eines Offensivfouls nach VAR-Eingriff zurückgenommen. Anschließend verlor die Borussia jedoch zunehmend den Zugriff.
Blessin fordert Klarheit statt großer Erwartungen
"Vor allem bei den zweiten Bällen haben uns die Aktivität und Präsenz gefehlt", erklärte Alexander Blessin nach der Partie laut Bild. Der Trainer vermisste damit genau jene Grundlagen, die seine Mannschaft benötigt, um sich aus dem Tabellenkeller zu arbeiten.
"Wer sind wir denn? Wo kommen wir denn her?"Alexander Blessin
Zugleich warnte Blessin davor, nach den jüngsten Erfolgen die Ansprüche zu schnell zu erhöhen. Niemand dürfe erwarten, dass Gladbach sich spielerisch wie Real Madrid aus seiner Lage befreie. "Wer sind wir denn? Wo kommen wir denn her?", fragte der Coach und forderte stattdessen klarere Entscheidungen – im Zweifel auch einen konsequent weggeschlagenen Ball.
Wie wenig Entlastung seine Mannschaft nach dem Seitenwechsel fand, zeigte sich auch offensiv. Lediglich Wael Mohya sorgte noch für einen halbwegs gefährlichen Abschluss. In der Schlussphase musste hingegen Daniel Batz mit seinen Paraden verhindern, dass Paderborn alle drei Punkte mitnahm.
Hack erinnert an die andere Seite der Bilanz
Auch Rouven Schröder beschönigte den Auftritt nicht. Der Manager räumte ein, dass nach der Pause eher ein Treffer der Gäste in der Luft gelegen habe. Dennoch müsse Gladbach in seiner Situation auch solche Punkte sammeln.
Jens Castrop verlangte eine genaue Aufarbeitung des Leistungsabfalls. Er könne selbst nicht verstehen, warum sich die Mannschaft nach ihrer guten Phase vor der Pause anschließend so weit habe zurückdrängen lassen.

Robin Hack teilte die Kritik an der Passivität, rückte aber auch die gesamte englische Woche ins Bild: Vier Ligapunkte und der Einzug in die nächste Pokalrunde seien eine Ausbeute, die man vorher angenommen hätte. Der Fortschritt ist also vorhanden – die Partie gegen Paderborn zeigte allerdings, wie wenig selbstverständlich eine Fortsetzung ist.
Bereits am Freitag um 20.30 Uhr beim Hamburger SV muss Borussia den nächsten Schritt machen. Schröder traut der Mannschaft dort einen Sieg zu. Dafür wird sie deutlich mehr Präsenz benötigen als zuletzt nach der Pause.
