Eine wichtige Frage hat Sandro Wagner an der Leine bereits beantwortet. Stefan Teitur Thordarson bleibt auch unter dem neuen Trainer der unumstrittene Kapitän von Hannover 96. Doch die zweite Frage bereitet dem ehemaligen Assistenten von Bundestrainer Julian Nagelsmann aktuell noch echtes Kopfzerbrechen: Wer wird Hannovers neue Nummer eins im Kasten?
Das Torwart-Duell der Niedersachsen ist in dieser Saison von reichlich Brisanz geprägt. Im vergangenen Sommer verpflichtete 96 den jungen Schweizer Pascal Loretz für über eine Million Euro Ablöse vom FC Luzern. Er sollte das Torwart-Problem der Zukunft lösen. Doch nach einem völlig verkorksten Zweitliga-Debüt in Cottbus (1:3) nahm ihm der damalige Trainer Christian Titz den Nummer-eins-Status prompt wieder ab – und setzte fortan auf den erfahrenen Leo Weinkauf.
Beim jüngsten 2:0-Testspielsieg gegen den Drittligisten SC Verl durften nun beide Anwärter unter dem neuen Chef-Coach jeweils für 45 Minuten ran. Beide hielten ihren Kasten sauber und glänzten als sicherer Rückhalt. "Wir haben zwei super Torhüter", lobte Wagner hinterher zufrieden.
Der Torwart-Trainer soll bei der Entscheidung helfen
Doch die Zeit drängt. Am Samstagabend steht für Wagner beim 1. FC Magdeburg die wichtige Pflichtspiel-Premiere auf dem Programm. Die endgültige Torwart-Entscheidung soll spätestens am Donnerstag fallen.
"Wir besprechen das in Ruhe. Ich will mit den Jungs sprechen und mit dem Torwarttrainer, das ist der Spezialist", erklärte Wagner sein geplantes Vorgehen. Er legt großen Wert auf die Expertise von Torwarttrainer Michael Ratajczak. "Dann schauen wir uns die letzten Spiele an, die nächsten Spiele, machen einen Ausblick und dann treffen wir eine Entscheidung", so der Coach.
Weinkauf trumpft mit starken Zahlen auf

Glaubt man den reinen Statistiken, die die Bild vorrechnet, dürfte Weinkauf, den Wagner noch aus gemeinsamen Zeiten bei Bayern München bestens kennt, aktuell klar im Vorteil sein.
Der 1,98-Meter-Hüne wehrte in dieser Saison starke 83 Prozent der Torschüsse ab – ein absoluter Top-Wert, der ligaweit nur von Kaiserslauterns Julian Krahl (89 Prozent) überboten wird. Zudem musste Weinkauf als einziger Zweitliga-Keeper noch keinen Gegentreffer aus der Distanz schlucken. Auch als Sprachrohr in der Kabine genießt der dienstälteste 96-Profi extrem hohes Ansehen.
Wagner nimmt die Brisanz aus dem Duell
Wagner versucht derweil, die Brisanz aus dem schwelenden Konkurrenzkampf zu nehmen. "Wir haben jetzt erst mal die Schwere aus dem Thema genommen", betonte der 38-Jährige und appellierte, die Situation "nicht größer zu machen, als sie ist".
Gleichzeitig ließ er sich jedoch für die Zukunft ein kleines Hintertürchen offen: "Fußball ist verrückt, diese Langzeitplanung kann man gar nicht geben." Wer in Magdeburg die Nase vorn haben wird, klärt sich wohl in den nächsten 72 Stunden.
