Gegen Borussia Mönchengladbach hatte man sich beim VfB Stuttgart fest vorgenommen, nach der bitteren 0:1-Niederlage beim HSV einen Dreier vor heimischer Kulisse in der MHP-Arena einzufahren. Stattdessen enttäuschten die Schwaben gegen die Fohlen auf ganzer Linie und kassierten eine verdiente 2:3-Pleite gegen das bis dato noch punktelose Bundesliga-Schlusslicht.
Gegen verletzungsgeplagte Gladbacher starteten die Jungs aus Cannstatt in den ersten 20 Minuten eigentlich gut in die Partie, doch danach kam es zum Einbruch und es ging quasi nichts mehr zusammen. Jetzt steht Stuttgart nach sieben Spielen mit gerade einmal sechs Punkten im Tabellenkeller der Bundesliga. Doch was muss sich beim VfB verbessern?
Ungewohnte Schlampigkeiten und individuelle Fehler

Beim VfB fällt aktuell auf, dass einige Schlampigkeiten im Spiel drin sind. Mal missglückt die Ballannahme komplett, ein anderes Mal wird ein Fünf-Meter-Pass in den Rücken des eigenen Mitspielers gespielt. Durch die Anhäufung kleiner Fehler fällt es Stuttgart auch automatisch schwerer, Tempo ins eigene Spiel zu bekommen, wodurch es über weite Strecken zu behäbig und berechenbar wirkt.
Darüber hinaus unterlaufen den Schwaben derzeit einfach zu viele individuelle Fehler, die zu gegnerischen Abschlüssen oder gar Gegentoren führen. Der Versuch, das Spiel flach aus der eigenen Hälfte aufzubauen, führt noch zu häufig zu frühen Ballverlusten, die den Gegner selbst bei eigentlicher Spielkontrolle einfach in die Partie kommen lassen. Dass solche Fehler bei einem eher riskanten Spielstil passieren können, ist selbstverständlich, aber nicht in einer so hohen Frequenz. Wenn dann noch individuelle Fehler wie von Lorenz Assignon vor dem 2:1 von Gladbach oder Finn Jeltsch beim 3:1 hinzukommen, sind das zu viele Einladungen für den Gegner.
DFB-Stars außer Form

In einer solchen Situation über Namen zu sprechen, ist nie ganz fair, aber gehört leider auch dazu. Jetzt sind vor allem die etablierten VfB-Profis gefordert, das Ruder rumzureißen. Dafür muss aber bei einigen Leuten eine ernsthafte Leistungssteigerung her. Auch unter den vermeintlichen Kandidaten für das DFB-Team gibt es aktuell noch größere Defizite.
Allen voran Deniz Undav wirkt aktuell etwas glücklos. Dass man bei sieben Bundesliga-Spielen ohne eigenen Treffer beim VfB-Kapitän zahlentechnisch von einem Formtief sprechen kann, ergibt sich von selbst. Aber auch das Drumherum, das Undav sonst so ausmacht, will momentan einfach nicht klappen. Der Angreifer bringt sich zu selten in gute Abschlusspositionen und baut auch noch zu viele kleine technische Fehler ein - Dinge, die ihm normalerweise nur selten passieren. Für den zukünftigen VfB-Erfolg braucht es dringend einen Undav voller Selbstbewusstsein!
Doch auch bei weiteren potenziellen deutschen Nationalspielern läuft es zurzeit nicht ganz rund. Während Angelo Stiller in der Champions League eine Weltklasse-Form abruft, hat der Deutsche in der Bundesliga immer wieder ungewohnte Wackler drin, die nicht seinem eigenen Anspruch genügen dürften.
Auch Maximilian Mittelstädt erwischte gegen Gladbach keinen guten Tag. Beim Linksverteidiger entspricht das aber nicht dem Gesamtbild, er ist normalerweise die große Konstante beim VfB. Wer immerhin offensiv für Frische sorgt, ist Chris Führich. Der Dribbelkünstler präsentiert sich entgegen der aktuellen Situation in einer guten Form.
VfB-Neuzugänge funktionieren noch nicht

Bislang war von den VfB-Neuzugängen aus dem Sommer noch nicht viel zu sehen. 25-Millionen-Einkauf Dzenan Pejcinovic hat zwar gegen Gladbach immerhin einen Assist beigesteuert, wirkt aber grundsätzlich noch nicht gut genug ins VfB-Spiel eingebunden. Bei Leo Sauer (15 Millionen Euro) sieht man in Ansätzen, warum man ihn an den Neckar geholt hat, aber der Slowake benötigt noch etwas Zeit.
Doch klar ist: Es liegt nicht an den zwei jungen Neuzugängen, dass der VfB in der Bundesliga da steht, wo er steht. Manchmal braucht man eben mehrere Monate oder sogar eine Saison, um sich im neuen Umfeld zurechtzufinden und seine Leistungen auf den Platz zu kriegen.
Bei Grischa Prömel hingegen, sieht man teilweise schon, was er dem Team bringen kann. Neben seinen wichtigen Leaderqualitäten bringt er Stuttgart neue Torgefahr aus dem Mittelfeld. Bei der Konterabsicherung muss aber auch der Routinier noch die perfekte Abstimmung mit Angelo Stiller finden.
Was dem VfB jetzt Hoffnung macht
Was bleibt dem VfB jetzt noch? Zeit, Hoffnung und der Glaube an die eigenen Qualitäten. Denn nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch schon in dieser Spielzeit hat das Team von Sebastian Hoeneß gezeigt, was ihn ihm steckt. Vielleicht muss der Knoten einmal platzen und Stuttgart kommt in den Flow. Es ist ihnen durchaus zuzutrauen. Allein das grandiose Spiel gegen Atletico Madrid (1:1) in der Champions League sollte als Mutmacher reichen.
Außerdem stehen wir bei Spieltag sieben in der Bundesliga. Der VfB hat also noch viele Monate Zeit, um wieder auf Kurs zu kommen. Jetzt gilt es allerdings, konsequent zu punkten!
