Beim Hamburger SV hat sich die Personalsituation auf der linken Schiene seit dem Saisonbeginn stark verändert: Aus einem Engpass wird spätestens nach der langen Länderspielpause ein Überangebot. Neuzugang David Möller Wolfe hat im Rennen um den Stammplatz aktuell die Nase vorn. Dahinter müssen sich Top-Talent Louis Lemke und Miro Muheim, Schweizer Nationalspieler und Dauerbrenner der vergangenen Jahre, erst einmal hinten anstellen. Wie stillt der HSV den Hunger auf Spielzeit seines LV-Trios?
Die Frage drängt sich vor allem bei der erst 16 Jahre alten Zukunftshoffnung Lemke auf. Auch aus Ermangelung an Alternativen durfte er seine Premiere im Profibereich feiern und bewies mit guten Auftritten sein großes Potenzial. Umso wichtiger ist es, dass der Sohn der Stadt Spielzeit bekommt und nicht auf der Bank versauert.

HSV hat für Lemke ein Minutenmodell entwickelt
Genau dafür haben die Verantwortlichen laut Hamburger Abendblatt einen klaren Plan entwickelt. Fehlen Lemke Einsatzminuten bei den Profis, soll er diese in der U21 sammeln. So kam der Linksverteidiger nach seinem Kurzeinsatz beim Bundesliga-Heimsieg gegen den 1. FC Köln (2:1) keine 24 Stunden später bereits wieder in der Regionalliga zum Einsatz und stand dort 85 Minuten auf dem Platz. Zudem reist er in dieser Woche erstmals zur deutschen U19-Nationalmannschaft. "Louis hat einfach Bock zu spielen. Ich will ihn nicht bremsen", erklärte Co-Trainer und Nachwuchsleiter Loic Favé.
Dass Lemke derzeit hinter Möller Wolfe steht, soll dabei keineswegs eine feste Rollenverteilung sein. "Louis ist voll im Konkurrenzkampf drin", betonte Favé und verwies auf den Schwung, den der Youngster nach seiner Einwechslung gegen Köln noch einmal gebracht habe. Lemke könne jederzeit ein Kandidat für die Startelf oder weitere Einsätze von der Bank sein.

Auch langfristig setzt der HSV auf sein Eigengewächs. Lemkes aktueller Vertrag läuft bis 2028, länger durfte der damals minderjährige Nachwuchsspieler bei der Unterschrift aufgrund der Regularien nicht gebunden werden. Sorgen, das Top-Talent schon bald an einen anderen Klub zu verlieren, machen sich die Verantwortlichen dem Bericht zufolge derzeit nicht.
Muheims Zukunft beim HSV deutlich offener
Ganz anders stellt sich die Situation bei Muheim dar. Der Schweizer war in den vergangenen vier Jahren die feste Größe auf der linken Abwehrseite, sein Vertrag läuft allerdings im kommenden Sommer aus. Gespräche über eine Verlängerung sind dem Vernehmen nach aktuell nicht vorgesehen.

Zunächst steht für den 28-Jährigen ohnehin ein anderes Thema im Vordergrund: Muheim soll nach körperlich schwierigen vergangenen Wochen wieder sein gewohntes Fitnessniveau erreichen. Bei der Weltmeisterschaft kam er nur zu Kurzeinsätzen, anschließend folgte der Urlaub, ehe ihn eine Adduktorenverletzung zurückwarf. "Jetzt beginnt sein Start. Dass er ein paar Wochen braucht, um auf sein Fitnesslevel zu kommen, ist klar", erklärte Favé. Für die anstehenden Nations-League-Partien der Schweiz wurde Muheim aufgrund seiner Verletzung nicht nominiert.
Während er stattdessen in Hamburg an seiner Fitness arbeiten kann, sind Lemke und Möller Wolfe mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Nach der Länderspielphase dürfte der Konkurrenzkampf auf der linken Seite damit endgültig Fahrt aufnehmen. Den besten Ausgangspunkt besitzt momentan Möller Wolfe. Eine Garantie für die kommenden Wochen ist das aber nicht.
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