Nach vier Spieltagen steht der VfB Stuttgart mit nur drei Punkten da. In der Bundesliga bedeutet das, wenn auch zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Saison, Tabellenplatz 15. Dass die Schwaben nicht in diese Tabellenregion gehören, ist logisch. Jedoch müssen sie für den Turnaround sofort beginnen, ihre Punkte einzufahren.
Mit dem kommenden Spiel beim Aufsteiger SC Paderborn möchte Stuttgart eine kleine Serie starten, um sich Stück für Stück wieder nach oben zu arbeiten. Doch dafür müssen einige Dinge besser laufen, als vor der Länderspielpause. Die Hauptthemen sind Konterabsicherung, Chancenverwertung und Genauigkeit im Spielaufbau sowie letzten im Drittel.
Die Mannschaft besitzt eine zu große Qualität, um ihr die Wende nicht zuzutrauen. Hier sind fünf Gründe, warum der VfB trotz des Fehlstarts am Ende noch in die Champions League kommt.
1. Hartes Auftaktprogramm

Der VfB hätte sich zum Start sicherlich über ein leichteres Programm gefreut. Stattdessen musste man zum Auftakt direkt zum Rekordmeister FC Bayern München (1:5) und duellierte sich auch mit der zweiten Macht des Landes, dem BVB (0:1).
Zudem musste man auswärts bei der TSG Hoffenheim (1:2), einem Europa-League-Teilnehmer, und gegen den 1. FC Köln (4:1) ran.
Vergleicht man die exakt gleichen Matchups mit letzter Saison fällt auf, dass der VfB lediglich einen Punkt mehr geholt hat. Und zwar beim Last-Minute-Drama in Sinsheim, als Tiago Tomas in der Nachspielzeit das für die spätere CL-Quali so wichtige 3:3 gegen die TSG erzielt hat.
Natürlich wäre vor allem gegen Hoffenheim auch in dieser Saison etwas mehr drin gewesen, aber die Ergebnisse stellen jetzt auch keinen Beinbruch dar.
2. Undavs Comeback zur Tormaschine

Als neuer VfB-Kapitän wartet Deniz Undav weiterhin auf sein erstes Tor. Zuletzt wirkte der Deutsche nach der WM etwas überspielt und befand sich in einem leichten Negativstrudel, der ihm zu schaffen machte. Sinnbildlich sein Querpass gegen Hoffenheim, als er eigentlich freistehend vor Oliver Baumann auftauchte und den Ball hätte einschieben können.
Doch Undav hat schon häufiger bewiesen, dass er solche Phasen überwinden kann. Sobald der Angreifer wieder trifft, bleibt der Stein im Rollen. Ein Undav mit Selbstbewusstsein kann fast jeden Gegner in der Liga zerschießen. Wichtig ist vor allem, dass der 30-Jährige wieder in Abschlusssituationen kommt.
Denn das bislang größte Problem Undavs war nicht seine Effizienz, sondern, dass er kaum zu Torschüssen kam. Das hängt auch damit zusammen, dass der DFB-Star häufig abkippte, sich den Ball abholte und somit Platz für seine Mitspieler schaffte. Das gehört zu seinem Spiel zwar dazu, jedoch muss er wieder die bessere Mischung zwischen Spielgestalter und Knipser finden - dann gibt es kein Halten.
3. Seimen und Co.: Verletzte kommen zurück

Der VfB hatte zum Saisonstart ordentlich mit Verletzungspech zu kämpfen: Dennis Seimen, Lorenz Assignon, Nikolas Nartey, Dan-Axel Zagadou, Luca Jaquez, Tiago Tomas und Jamie Leweling waren zu Beginn raus.
Immerhin sind vier der Profis wieder da: Seimen durfte zuletzt im Test gegen Greuther Fürth (5:0) wieder ran und soll in Zukunft die meisten Partien zwischen den schwäbischen Pfosten verbringen. Jedoch muss dazu gesagt sein, dass auch Fabian Bredlow in Abstinenz des 20-Jährigen einen hervorragenden Job gemacht.
Auf der Rechtsverteidiger-Position bekommt der jüngst so starke Joshua Vagnoman jetzt mit Lorenz Assignon und Nikolas Nartey wieder doppelte Konkurrenz. Vor allem Nartey könnte dem DFB-Spieler gefährlich werden, der Däne war eigentlich als A-Lösung für rechts hinten eingeplant.
Und Jamie Leweling wird mit zunehmender Fitness auch wieder seine gewohnte Form erreichen. Dann hat der VfB auf den Flügeln die absolute Qual der Wahl. Nur noch Tiago Tomas muss von seiner Muskelverletzung zurückkehren.
4. Machbare Aufgaben nach der Länderspielpause

Der VfB muss nach der Länderspielpause liefern. Vor allem, wenn man sich das anstehende Programm der Schwaben anschaut: In der Bundesliga warten nun in der Fremde der SC Paderborn und der Hamburger SV sowie vor heimischem Publikum Borussia Mönchengladbach auf Stuttgart.
Das Ziel müssen nach dem Fehlstart fast schon neun Punkte sein. Und mindestens sieben Zähler sind den Jungs aus Cannstatt gegen diese Gegner auch zuzutrauen.
In Paderborn wartet eine äußerst eklige Aufgabe, die sich schnell als Stolperstein erweisen kann. Jedoch muss es der Anspruch des VfB sein, dort einen Dreier zu holen. In Hamburg ist es immer nicht ganz so einfach, allerdings hat der HSV bislang noch so gar nicht in die Spur gefunden. Und das Heimspiel gegen Mönchengladbach ist zweifelsohne eine Pflichtaufgabe, obwohl mit dem Trainerwechsel zu Alexander Blessin etwas mehr Leben in die Truppe kommen dürfte.
Mit einem gefüllten Punktekonto sollten sich die darauffolgenden Aufgaben auch etwas lockerer bespielen lassen und der VfB könnte in einen Flow kommen.
5. Stiller und Prömel finden sich im VfB-Mittelfeld

Der VfB kassiert bislang zu viele Gegentreffer nach Kontern. Das hängt nicht nur, aber auch mit großen Lücken in der Mittelfeldzentrale zusammen. Da gilt es für Angelo Stiller und Grischa Prömel noch mehr zueinander zu finden. Es fehlt nunmal die klassische defensive Absicherung, wie es Atakan Karazor ist oder auch Chema war.
Wenn sich die Abstimmung und Balance zwischen Stiller und Prömel jedoch verbessert, ist es ein Zugewinn für das VfB-Spiel. Denn: Prömel bringt eine enorme Intensität und auch Torgefahr mit, die den Schwaben zuvor aus dem Mittelfeld fehlte.
Doch vor allem Stiller muss sich auch individuell steigern. Aktuell gibt der 25-Jährige noch nicht so richtig das Stuttgarter Metronom. Vor allem gegen die kommenden tiefstehenden Gegner wird Stiller jedoch wieder zu alter Stärke finden und sein Spiel aufdrücken können. Ähnlich wie bei Undav gilt: Ein kleiner Selbstbewusstseins-Boost und Stiller kann sein normales Level wieder ganz locker erreichen.
