Hinter Robert Andrich liegen die wohl kompliziertesten Wochen seiner Zeit bei Bayer 04 Leverkusen. Vor der laufenden Spielzeit verlor der deutsche Nationalspieler unter Neu-Trainer Carles Martínez überraschend sein Kapitänsamt, verkam zum Dauer-Reservisten und galt trotz eines gültigen Vertrags bis 2028 sogar als Verkaufskandidat – die Vereinsführung hatte ihm im August einen vorzeitigen Vereinswechsel nahegelegt.
Doch statt aufzugeben, nahm der Mentalitätsspieler den harten Konkurrenzkampf an und meldete sich am Wochenende mit einem echten Paukenschlag zurück.
Traumtor im Jubiläumsspiel
Beim spektakulären 4:3-Auswärtssieg beim 1. FSV Mainz 05 stand Andrich erstmals in dieser Bundesliga-Saison von Beginn an auf dem Rasen. Ausgerechnet in seinem 200. Bundesliga-Jubiläumsspiel krönte der Abräumer seine Rückkehr mit einem Traumtor der Extraklasse.
In der Anfangsphase hämmerte er den Ball aus gut 18 Metern mit satten 109 km/h humorlos zur 1:0-Führung in die Maschen.
"War nicht verkehrt. Ein Tor ist auch nicht so schlecht", kommentierte Andrich seinen Auftritt gewohnt trocken. "Wir haben so viele Spiele und wenn jeder, der anscheinend hinten dran ist, versucht reinzukommen, dann werden wir besser. Wenn ich in die Richtung vorangehen kann, dann mache ich das."
Klärung beim Abendessen mit den Bossen
Dass der 32-Jährige wieder eine zentrale Rolle bei der Werkself einnimmt, ist auch das Resultat eines klärenden Gesprächs abseits des Platzes. Wie die Bild berichtet, kam es kürzlich zu einem gemeinsamen Abendessen zwischen Andrich, Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes und Klub-Boss Fernando Carro.

Bei dem ersten ausführlichen persönlichen Austausch seit den Wechselempfehlungen im Spätsommer wurden alte Missverständnisse ausgeräumt und dem Routinier konkrete Perspektiven aufgezeigt.
Auch Chefcoach Carles Martínez weiß um den Wert der wiedergefundenen Kampfkraft: "Wir reden viel über Rob. Er ist hier und er ist wichtig. Und heute war seine Rolle wichtig – nicht nur wegen des Tores, sondern auch, um den Strafraum zu verteidigen und bereit zu sein."
Während Mittelfeldpartner Aleix García vorzeitig weichen musste, biss sich Andrich über die vollen 90 Minuten durch. Der Führungsspieler hat eindrucksvoll bewiesen: Abschreiben sollte man ihn unter dem Bayer-Kreuz keinesfalls.
