Es war eine mutige Entscheidung der Stuttgarter Verantwortlichen im Sommer. Nachdem Alexander Nübel den Klub in Richtung Besiktas Istanbul verlassen hatte, gab es eine klare Marschroute.
Der VfB Stuttgart beförderte mit Dennis Seimen das wohl größte deutsche Torwarttalent zur neuen Nummer eins. Doch ein bitterer Rückschlag im Juli durchkreuzte den ehrgeizigen Plan. Seimen erlitt eine Oberschenkelverletzung und verpasste den kompletten Saisonstart.
Bredlow liefert fehlerfrei ab
Statt panisch auf dem Transfermarkt aktiv zu werden, vertrauten die Bosse auf Fabian Bredlow. Und der erfahrene Routinier lieferte prompt ab. In den ersten vier Ligaspielen holte der VfB zwar mickrige drei Punkte. In der Bundesliga und der Champions League blieb der gebürtige Berliner aber weitgehend fehlerfrei und zeigte starke Paraden.
Doch nun drängt Top-Talent Seimen mit Macht auf sein Comeback. In der Vorsaison war er als Stammkeeper noch ein Garant für den Bundesliga-Aufstieg des SC Paderborn.
Hoeneß hält an seinem Plan fest
Nach der aktuellen Länderspielpause wird der 20-Jährige wieder hundertprozentig fit erwartet. Das nächste Ligaspiel steht am 10. Oktober ausgerechnet bei Seimens Ex-Klub Paderborn an.
Trainer Sebastian Hoeneß machte bereits deutlich, dass der eigentliche Torwart-Plan trotz Bredlows starker Leistungen Bestand hat. "Die ursprüngliche Idee, die wir hatten, haben wir nicht verändert", so der Coach, der seinen Vertreter dennoch in den höchsten Tönen lobte: "Fabi ist eine sehr starke Nummer zwei. Das ist einmal mehr der Beweis, dass er ein richtig guter Torwart ist."
"Alles andere entscheidet der Trainer. Mit mir wurde noch nicht geredet."Fabian Bredlow
Bredlow selbst nimmt die drohende Degradierung wie gewohnt hochprofessionell an. Seit seinem Wechsel 2019 an den Neckar stand er stets im Schatten von Keepern wie Kobel, Müller oder Nübel.
Gegenüber der Bild erklärte der 31-Jährige tiefenentspannt: "Ich kann nur meine Leistung beeinflussen, die habe ich in den letzten Wochen gebracht." Er fügte hinzu: "Alles andere entscheidet der Trainer. Mit mir wurde noch nicht geredet."
Ein harmonisches Duo in der Kabine

Böses Blut zwischen den beiden Torhütern gibt es ohnehin nicht. Bredlow hatte zuletzt als SWR-Studiogast schmunzelnd erklärt, er hoffe, dem Trainer zumindest "ein paar leichte Kopfschmerzen" bereitet zu haben.
Die Konkurrenzsituation belastet das Verhältnis jedoch überhaupt nicht, wie Bredlow der Bild verriet: "Wir haben einen guten Austausch. Wir sitzen auch in der Kabine nebeneinander, er ist ein geiler Typ."
Wie es aussieht, wird sich Bredlow nach der Länderspielpause jedoch wieder in die Rolle des Edeljokers fügen müssen. Klaglos und absolut verlässlich, wie in all den Jahren zuvor.
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