44 Spieler hat Jürgen Klopp in sein erstes DFB-Aufgebot berufen. Ein Name, den viele unter den Nominierten erhofft hatten, fehlt: Nicolo Tresoldi.
Begründet ist das offenbar weniger darin, dass Klopp den 22-jährigen Mittelstürmer nicht berufen wollte. Vielmehr hat sich der in Italien geborene Angreifer noch nicht endgültig entschieden, ob er künftig für das DFB-Team oder die Azzurri auflaufen möchte.
Das bestätigte Tresoldi in einer Medienrunde am Dienstag: "Mein Herz ist 50:50. Beide Länder bedeuten mir sehr viel."
Tresoldi will U21-EM mit Deutschland spielen
Der bei Hannover 96 ausgebildete Torjäger, der seit Sommer 2025 in Belgien für Club Brügge spielt, hat seine bisherige Nationalmannschafts-Karriere im Junioren-Bereich für Deutschland absolviert. Nach acht Einsätzen für die U19 hat Tresoldi mittlerweile schon 24 Spiele für die deutsche U21 bestritten und dabei zwölf Tore erzielt.
Bis er sich für eine A-Nationalmannschaft entscheidet, will er weiterhin für die DFB-Junioren auflaufen. "Ich trage mit Stolz das Deutschland-Trikot, bin super gerne hier. Ich möchte noch die EM hier spielen. Danach werden wir sehen, wie es weitergeht", erklärte der 22-Jährige.
Mit der deutschen U21 nimmt Tresoldi Kurs auf die EM 2027 in Albanien und Serbien. In der Quali-Runde liegt Deutschland in Gruppe F auf Platz eins vor den punktgleichen Griechen. Nur die neun Gruppensieger und der beste Gruppenzweite qualifizieren sich direkt für die Endrunde. Die restlichen acht Gruppenzweiten spielen in Playoffs die vier verbliebenen EM-Tickets aus.
Auf seiner Nominierungs-PK hatte Klopp bereits erklärt, dass sich Tresoldi noch nicht endgültig entschieden habe. U21-Nationaltrainer Antonio Di Salvo zeigte dafür Verständnis: "Ich finde: Die Welt hat sich verändert. Vor 20, 30 Jahren war es so, dass Spieler diese Entscheidungen gar nicht treffen mussten. Aber die Welt ist globaler geworden, viele Spieler haben die Möglichkeit für ein zweites oder sogar drittes Land zu spielen – und wenn sie die Zeit brauchen, muss man sie ihnen geben."
"Vater-Sohn-Gespräch" mit Klopp
Tresoldi sprach derweil auch über seinen Kontakt zu Klopp und Italiens Nationaltraner Roberto Mancini: "Wir hatten gute Gespräche. Ich habe Kloppo meine Situation erklärt, und er hat es verstanden. Er ist ein super Mensch. Das war kein Trainer-Spieler-Gespräch, sondern wie ein Vater-Sohn-Gespräch. Er meinte, dass die Tür für mich immer offen ist", so Tresoldi, der bei Mancini hinzufügte: "Zu ihm habe ich das Gleiche gesagt wie zu Kloppo."
Für den Deutsch-Italiener Tresoldi ist auch eine Laufbahn für Italien attraktiv. "Es ist nicht nur so, dass nur mein Vater aus Italien kommt. Auch ich bin da geboren, bin da aufgewachsen", erklärte er.
Der viermalige Weltmeister befindet sich nach drei verpassten WM-Endrunden in Folge im Neuaufbau. Tresoldi könnte für Italien eine wichtige Rolle einnehmen.
Seit seinem Wechsel nach Brügge konnte er mit starken Leistungen in Belgien auf sich aufmerksam machen. Im Sommer sollen zahlreiche Klubs an ihm interessiert gewesen sein. Das rund 30 bis 35 Millionen Euro hohe Preisschild von Brügge verhinderte aber einen Wechsel.
In Belgien hat Tresoldi bislang in 67 Pflichtspielen 28 Tore erzielt und neun Assists geliefert. Sein Marktwert ist mittlerweile auf geschätzte 25 Millionen Euro angewachsen.
Die Konkurrenz im Sturm bei Deutschland und Italien
Für einen Platz im DFB-Team müsste sich der Ex-Hannoveraner im Sturmzentrum unter anderem gegen Kai Havertz, Nick Woltemade, Jonathan Burkardt, den erstmals nominierten Younes Ebnoutalib und auch U21-Teamkollege Dzenan Pejcinovic durchsetzen.
Die Italiener setzen auf der Neun derzeit auf Moise Kean, Gianluca Scamacca und Pio Esposito.
