Am Mittwoch hat Alexander Blessin seinen Dienst bei Borussia Mönchengladbach angetreten. Die Vormittags-Einheit leitete noch Interimscoach Jan-Moritz Lichte, im Anschluss stellte sich Blessin dann im Rahmen seiner Vorstellungs-Pressekonferenz den Fragen der Journalisten. An seine neue Mannschaft hatte der 53-Jährige zuvor schon die ersten Worte gerichtet.
Nach dem missglückten Neustart unter Eugen Polanski dürfte es unter Blessin erneut zu einigen Veränderungen bei der Fohlenelf kommen. Polanski hatte das System im Sommer wieder auf eine Viererkette umgestellt, um die Vorgabe von Sportchef Rouven Schröder zu erfüllen, wieder aktiveren Offensivfußball zu spielen.
Dass das krachend fehlschlug, zeigt der Blick auf die Bundesliga-Tabelle zur Länderspielpause. Nach vier Spieltagen hat der VfL die Rote Laterne und ist das einzige Team, das noch ohne Punkt dasteht. 16 Gegentore, also genau vier im Schnitt pro Spiel, hat die Borussia kassiert. Werte eines Absteigers.
Blessin will in Gladbach "aus der scheiß Zeit eine gute Zeit machen"
"Ich sehe die Mannschaft so, dass man da mehr rauskitzeln kann."Alexander Blessin
Gut für Blessin, dass er noch 30 Spieltage Zeit hat, um anders als im vergangenen Jahr mit dem FC St. Pauli den Gang in die 2. Liga zu verhindern. Deutlich mehr Potenzial sollte im Kader eigentlich vorhanden sein. "Ich will aus der scheiß Zeit eine gute Zeit machen. Und ich sehe die Mannschaft so, dass man da mehr rauskitzeln kann. Sie hat das Potenzial", unterstrich Blessin am Mittwoch.
"Ich habe den Jungs gleich gesagt, dass wir aus der Opferrolle raus müssen. Wir müssen den ersten Schritt gehen, um diese riesige Fan-Base wieder zu einem Faustpfand für uns zu machen. Ich verlange viel von mir, aber auch viel von der Mannschaft", so Blessin weiter.
Natürlich sehe aber auch er "ein paar Probleme, die man nicht wegdiskutieren kann". Allen voran in der Defensive, wo der neue Gladbach-Coach am liebsten auf ein System mit Dreierkette setzt. "Die erste Aufgabe wird eine kurzfristige. Heißt: Wie können wir möglichst schnell einen Input haben und diese Scharte auswetzen?", erklärte Blessin.
Dafür liegt der Fokus zunächst auf einer stabileren Abwehr, an der die gesamte Mannschaft beteiligt sein soll, ohne dabei "den Bus zu parken".
"Mein eisernes Gesetz lautet, dass gegen den Ball jeder mitzuarbeiten hat. Das hat auch etwas mit Gruppendynamik zu tun. Wer bei mir mitzieht, der wird auch belohnt. Und es geht mir um Respekt, dazu gehört auch Pünktlichkeit. Man darf sich auch mal im Training anschnauzen, denn Reibung erzeugt Wärme. Aber danach hat man sich sofort wieder die Hand zu geben", führte er aus.
Blessin "kein Feuerwehrmann"
Eine Art Feuerwehrmann soll Blessin aber keinesfalls sein. Nach der Stabilisierung der Mannschaft "geht es um eine Entwicklung". Das sieht auch Sportchef Schröder so: "Es war nie ein Feuerwehrmann gesucht", betonte dieser und will "langfristig" mit dem neuen Cheftrainer planen.
Blessin ist dabei der fünfte Cheftrainer nach dem Abgang von Marco Rose im Sommer 2021. Damals war die Borussia am Saisonende letztmals auf einem einstelligen Tabellenplatz zu finden (8).
Von solchen Regionen kann man am Niederrhein aktuell nur träumen. Vielmehr geht es jetzt um Antworten, um aus dem Tabellenkeller zu kommen. Gelingen soll das nach der Länderspielpause ausgerechnet direkt im Derby in Köln. Am 11. Oktober reist der VfL zum rheinischen Erzrivalen. "Die Bedeutung des Spiels ist mir klar. Ich freue mich wahnsinnig darauf", so Blessin.
Ob sich seine Mannschaft – zumindest die, die nicht bei ihrer Nationalmannschaft sind – auf die kommenden Wochen freut? Am Donnerstag steht für Gladbach zunächst ein Testspiel gegen Siegen an (wo Blessin einst als Spieler aktiv war), im Anschluss gibt es drei Tage frei. Im Training soll es laut Blessin dann ab Montag "schweißtreibend und hart" werden...
