Skip to main content

Pfiffe nach Auswechslung: Köln-Trainer Wagner erklärt umstrittene Entscheidung

Die Kritik der Fans des 1. FC Köln an Trainer René Wagner ist groß. Beim 0:0 gegen Schalke sorgte eine Auswechslung für zusätzlichen Unmut beim Anhang. Nun erklärte Wagner seine Entscheidung.
VonFranz Krafczyk
Effzeh-Coach René Wagner steht stark in der Kritik
Effzeh-Coach René Wagner steht stark in der Kritik | Ralf Ibing - firo sportphoto/GettyImages

Die Punkteausbeute von acht Zählern aus den ersten sieben Spielen ist eigentlich in Ordnung, doch die Stimmung beim 1. FC Köln ist derzeit trotzdem vergiftet. Besonders groß ist die Kritik an Trainer René Wagner, dessen Entlassung nach dem 0:0 gegen Schalke 04 von den Anhängern lautstark gefordert wurde.

Bei der torlosen Punkteteilung gegen den direkten Konkurrenzen blieben die Fans trotz des zähen Auftritts lange geduldig, doch in der 68. Minute brachte die Auswechslung von Mikey Moore dann das Fass zum überlaufen. Dass sich Wagner dafür entschied, den dribbelstarken Engländer für Luca Waldschmidt vom Feld zu nehmen, wurde von den Zuschauern mit klar vernehmbaren Pfiffen quittiert.

Littbarski stimmt den Fans zu - Wagner ordnet ein

Auch Effzeh-Ikone Pierre Littbarski kritisierte in einem Video auf seinem Instagram-Account, dass der "vielleicht beste Spieler Moore ausgewechselt wird, obwohl er wirklich gute Aktionen hatte und noch einigermaßen frisch aussah. Ich fand, der Junge hat top gespielt, der hat etwas bewegt."

Während Littbarski also die Meinung der unzufriedenen Fans vertrat, sah Wagner die Sache anders. Dieser sah mit dem 19-Jährigen auf dem Feld eine zu große Gefahr für die Schlussphase, als dass er ihm hätte weiterhin vertrauen können.

Mikey Moore im Zweikampf mit Schalkes Satoshi Tanaka
Mikey Moore im Zweikampf mit Schalkes Satoshi Tanaka | Ralf Ibing - firo sportphoto/GettyImages

"Mikey hatte drei, vier Aktionen, bei denen wir das Gefühl hatten, dass er uns mit dem Risiko, das er eingeht, den einen oder anderen Umschalter kosten kann. Da muss er noch lernen, dass die Balance im letzten Drittel stimmen muss, dass er den Ball auch mal zum Mitspieler bringt und wir uns dort festsetzen können, statt nach diesen Einzelaktionen immer wieder einen Umschalter zuzulassen", erklärte Wagner (via Geissblog) und forderte damit ein besseres Gespür von Moore.

Der Wechsel war gleichzeitig auch ein Vertrauensbeweis in Waldschmidt, der in dieser Saison bislang kaum zum Einsatz kam. "Wir dachten, dass Luca zwischen den Linien gefährlich werden kann. Er weist im Training jeden Tag nach, dass er dort seine Stärken hat. Das war der Wechsel, der für uns zu diesem Zeitpunkt Sinn gemacht hat", begründete der Effzeh-Coach seine Entscheidung.

Kessler stellt sich hinter Wagner: "Keine Einwechslung, um etwas abzusichern"

Für die Fans wirkte es so, als würde Wagner mit dem Wechsel unbedingt den einen Zähler absichern und damit jegliches Risiko vermeiden wollen. Das sah Sportdirektor Thomas Kessler jedoch anders. "Luca Waldschmidt ist keine Einwechslung, um etwas abzusichern", betonte er.

Zwar sei der Wechsel eine Entscheidung, "die das Trainerteam für sich trifft und die René verantworten muss, aber ich sehe da keinen fehlenden Mut", ordnete Kessler weiter ein. "Wenn die Jungs auf dem Platz nicht die richtigen Entscheidungen treffen, erhofft man sich durch Wechsel einen anderen Impuls."

Wagner hätte einen defensiveren Spieler rausnehmen sollen

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Während Moore sein großes Potenzial künftig noch mit besseren Leistungen durch eine cleverere Entscheidungsfindung rechtfertigen muss, darf Wagner bei Heimspielen gegen direkte Konkurrenten ruhig mutiger agieren und auf drei Punkte spielen. Waldschmidt für einen defensiveren Spieler einzuwechseln als für Moore, der trotz allem immer für einen genialen Moment gut ist, wäre also die bessere Entscheidung gewesen.

Klar ist: Mit Entscheidungen wie diesen wird sich Wagner das Vertrauen der Fans nicht zurückholen.


Füg uns bei Google als bevorzugte Quelle hinzu