Was die reinen Ergebnisse angeht, war Dino Toppmöllers Start beim RC Lens gar nicht so verkehrt. In der Ligue 1 holte der frühere Trainer von Eintracht Frankfurt mit seinem neuen Klub zwar nur vier Punkte aus vier Spielen, doch dafür gewann er den Supercup gegen Paris Saint-Germain (1:0) sowie das erste Vorrundenspiel der Champions League bei Slavia Prag (3:2). Und das, mit einem stark verletzungsgeplagten Kader.
Die Verantwortlichen entschieden sich dennoch dafür, Toppmöller nach sechs Pflichtspielen schon wieder vor die Tür zu setzen. Der Hintergrund: Sportdirektor Jean-Louis Leca und Generaldirektor Benjamin Parrot erklärten dem 45-Jährigen, dass sie seinen langjährigen Co-Trainer Nelson Morgado entlassen wollten. Dieser sei in den Augen der Verantwortlichen "zu fordernd, zu laut, eckt mit zu vielen Menschen an“ und sei insgesamt ein "Störfaktor" im Team gewesen.
Toppmöller erklärt seinen Rauswurf
Die Verantwortlichen von Lens erwarteten also, dass Toppmöller seinen Assistenten fallenlassen würde. "Das Gespräch war in den zwei Stunden ein sehr harmonisches. Sie wollten mich davon überzeugen, dass es auch für mich besser wäre und für die ganze Gruppe", verriet Toppmöller nun im Podcast seiner Berateragentur "Spielmacher von 360Media".
Als er die Bosse fragte, was passieren würde, wenn er sich weigere, war ihre Antwort klipp und klar. "Dann haben sie gesagt, sie sehen diesen Schritt als so zwingend notwendig an, dass, wenn ich es nicht akzeptiere, sie einen großen Cut machen müssen", so Toppmöller.
Allerdings hielt der Ex-Frankfurter zu Morgado - mit großen Folgen. "Er ist ein Mensch, der unfassbar viel arbeitet und das auch von seinen Mitstreitern verlangt. Wenn ich gesehen hätte, dass da ein extremes Fehlverhalten stattgefunden hätte, dann hätte ich das natürlich nicht tolerieren können. Aber es war einfach nicht so", sagte er.
Daher sorgt die Entlassung bei Toppmöller nach wie vor für Unverständnis. "Die Resultate waren gut, die Stimmung war gut. Der Kontakt zu den Fans war sofort da", beschrieb er seinen Anfang bei den Nordfranzosen. Nach dem Sieg in Prag seien sogar "alle total euphorisch" gewesen. Den Präsidenten Joseph Oughourlian habe er sogar als "unfassbar glücklich, unfassbar stolz" wahrgenommen.
Ex-Frankfurter entschied sich für seine Werte
Logischerweise hatte sich Toppmöller auch schon auf die anstehenden Aufgaben gefreut, unter anderem hätte er mit Lens in der Königsklasse beim FC Liverpool gastiert. Die Loyalität zu Morgado überwog schlussendlich aber. "Das gibst du ja nicht einfach so auf. Aber wenn ich Werte hätte verletzen müssen, dann nehme ich das in Kauf, dass ich dann in dem Moment keinen Job habe", erklärte Toppmöller.
Im Klartext: "Für mich war es keine Überlegung wert, jemanden fallen zu lassen, der nichts Außergewöhnliches gemacht hat. Und von daher ist es mir schon wichtig, dass ich jetzt heute noch in den Spiegel schauen kann, anstatt am Spielfeldrand zu stehen."
An der Seitenlinie könnte Toppmöller bald trotzdem wieder stehen. Die Tür für eine schnelle Rückkehr ist vonseiten des Trainers jedenfalls offen. "Ich brauch’ jetzt kein Jahr Pause", sagte er.
