Bei seiner zweiten Kadernominierung als Bundestrainer hatte Jürgen Klopp eine faustdicke Überraschung parat: Er nominierte erstmals Wael Mohya für das DFB-Team, der mit seinen zarten 17 Jahren zum drittjüngsten Nationalspieler avancieren würde, sollte er gegen Serbien (13.11.) oder die Niederlande (16.11.) zum Einsatz kommen.
Bei Borussia Mönchengladbach, wo Mohya in dieser Saison Stammspieler ist und bislang in allen Spielen zum Einsatz kam, verfolgt man die Entwicklung natürlich genau. Ist die Nominierung für den Youngster nicht womöglich etwas zu früh? Gibt es Sorgen, dass der Hype um Mohya nun ungesunde Ausmaße nimmt?
Blessin freut sich mit und für Mohya
Nein, behauptet zumindest Cheftrainer Alexander Blessin. Er verspüre "auf jeden Fall ungeteilte Freude", versicherte er laut Bild, als er auf die Mohya-Nominierung angesprochen wurde. "Es ist einfach eine tolle Geschichte für Wael, aber auch für uns als Verein. Ich habe mit Kloppo telefoniert, er will den Jungen kennenlernen und beschnuppern. Und Wael hat da einfach richtig Bock drauf!"
Blessins Rat an den Teenager: "Er soll sich nicht beeinflussen lassen, sondern sich diese Unbekümmertheit erhalten. Natürlich wird er jetzt in der Öffentlichkeit noch mehr gefragt sein, aber da schützen wir ihn dann auch. Ich selbst wäre mit 17 sicher überfordert gewesen, aber bei Wael macht es einfach Spaß zu sehen, wie cool er bei dem ganzen Hype bleibt."

Auch Gladbachs Nachwuchs-Chef Mirko Sandmöller, der Mohya vielleicht am besten kennt, macht sich keine Sorgen, dass der 17-Jährige den Kopf verlieren könnte: "Dass Wael etwas ganz Besonderes hat, hat man natürlich schon früh gesehen. Aber dann kommen immer auch die körperliche Entwicklung und vor allem auch der Kopf dazu. Beides hat bei ihm so gestimmt, dass man ihn schon mit 16 guten Gewissens für das Training bei den Profis empfehlen konnte."
"Es geht ja oft darum, dass sich die Jungs eine Bühne erarbeiten, auf der sie sich dann oben zeigen können - und die hat Wael einfach eindrucksvoll genutzt", freute sich Sandmöller.
Klopp will behutsam mit Mohya umgehen

Jürgen Klopp betonte, dass er sich vor der Nominierung viele Gedanken gemacht und auch den Austausch mit Mohyas Umfeld gesucht habe: "Bei ihm ist es so, dass ich mit ihm und mit der Familie in Kontakt bin. Wir haben uns da besprochen: Wie wollen wir das angehen? Ich habe große Lust, die Zukunft gemeinsam mit Wael anzugehen, ohne jetzt Versprechungen zu machen."
"Als Trainer hat man natürlich nicht nur die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Jungs auf ihren besten Positionen spielen und ihre beste Leistung bringen können. Sondern man hat auch eine Sorgfaltspflicht", ist sich der Bundestrainer bewusst. "Und je jünger die Spieler sind, desto größer ist sie. Ich kümmere mich jetzt schon eine geraume Zeit um jüngere, hochtalentierte Menschen und habe da große Lust drauf. Das habe ich der Familie Mohya auch gesagt."
Mohya-Debüt noch offen
Ob Mohya bei seiner ersten Nominierung zum Einsatz kommen wird, wollte Klopp nicht versprechen. In erster Linie gehe es erstmal darum, den Youngster im Kreise der Nationalmannschaft zu begutachten. "Dass wir einfach eine Woche Zeit haben, vielleicht sieben Trainingstage, um ihn mal im Training live zu sehen. Weil das wichtig ist, wenn man die Gelegenheit hat, und das möchten wir in der Zukunft beibehalten", erläuterte Klopp.
Ein Einsatz im Länderspiel hänge "natürlich immer auch von Trainingsleistungen ab", so Klopp. "Ist ja logisch. Aber mal zu erleben, wie so ein Junge sich verhält, auf und neben dem Platz. Und die Gespräche mit ihm, ich hatte mittlerweile drei, die waren top. Also kann ich ja sagen, ich war mit 17 Jahren nicht so selbstbewusst, aber ich war noch nicht so gut mit 17. Also dementsprechend freue ich mich sehr auf Wael."
