Nach dem doppelten Sieg im Hamburger Doppelpack sieht die Welt in Frankfurt schon deutlich freundlicher aus. Die Eintracht steht im DFB-Pokal-Achtelfinale und empfängt dort zum Top-Duell den BVB. In der Bundesliga rückte die SGE auf Rang acht vor und hat wieder Tuchfühlung ans obere Drittel.
Seit der 0:6-Packung in Leipzig gewann das Hütter-Team drei von vier Pflichtspielen und schlug sich auch beim knappen 0:1 in Dortmund gut. Auffällig: Die zuvor wackelige Defensive kassierte in diesen Partien nur drei Gegentore.
Eintracht 3-1 HSV: Die Highlights im Video
Uzun erneut mit starkem Auftritt gegen den HSV
Und dass die Mannschaft offensiv über großes Potenzial verfügt, wird alleine mit Blick auf die individuelle Klasse deutlich. Can Uzun gehört in diese Riege ganz nach oben. Nach einer eher schwachen Phase hat sich der 20-Jährige beim HSV-Doppelpack auch wieder aus dem kleinen Loch befreien können.
Den 3:1-Treffer durch Younes Ebnoutalib bereitete der zehnfache türkische Nationalspieler am Sonntag vor. Das HSV-Eigentor zur 1:0-Führung leitete Uzun mit einem herrlichen Pass auf Fares Chaibi ein.
Nach neun Pflichtspiel-Einsätzen in dieser Saison steht Uzun nun bei vier Toren und vier Assists, auch wenn seine Fünf-Scorer-Gala zum Pokal-Auftakt gegen St. Tönis die Bilanz natürlich aufhübscht.
Hütter wollte Uzun "die Augen öffnen"

"Ich bin nur hier, um ihn zu supporten, zu unterstützen, aber auch, um ihm die Augen zu öffnen", hatte Hütter vor rund 1,5 Wochen vor dem Spiel in Dortmund deutliche Worte zu Uzun gewählt. "Je schneller Can es auch versteht, dass Fußball auch ein Mannschaftssport ist, wo er auch seine Fähigkeiten einbringen kann, wird er eine sehr große Karriere machen. Wenn nicht, wird er sich möglicherweise selber im Weg stehen", so Hütter weiter.
Die Botschaft des SGE-Coaches war klar: Uzun hat das Potenzial für eine Weltkarriere, muss dafür aber mannschaftsdienlicher Spielen und seine Einstellung verbessern. Dass Hütter keine Rücksicht auf große Namen nimmt und auch öffentlich gerne mal deutlich wird, hatte man zuvor schon bei Kapitän Robin Koch gesehen.
Ähnlich wie der Frankfurter Abwehrchef scheint es im Anschluss auch bei Uzun 'Klick' gemacht zu haben. "Ich habe einen anderen Can Uzun als vorher gesehen. Er hat gezeigt, dass er für die Mannschaft und sich selbst arbeiten kann", lobte Hütter schon nach dem Eintracht-Sieg gegen den HSV im Pokal.
"Ich weiß, er will mich nur besser machen"
Uzun selbst erklärte nach dem Sieg am Sonntag am DAZN-Mirko, dass er gut mit der Hütter-Kritik umgehen kann: "Ich bin eh eine Person, die oft Kritik bekommt, sei es von den Fans, sei es von meinem Trainer. Ich weiß, er will mich nur besser machen."
Zu seinem Assist meinte Uzun noch scherzhaft: "Habe ich gut gemacht, ne?" Und fügte hinzu: "Wenn die Eroberung so mit einem Tor endet, dann ist es perfekt." Vor seinem starken Assist hatte Uzun den Ball an der Mittellinie selbst erobert.
Was aus Hütters Sicht bei Uzuns Leistung sicher auch "perfekt" war: Sein Einsatzwille und die Laufbereitschaft. Knapp über zwölf Kilometer spulte Uzun bis zu seiner Auswechslung in der Nachspielzeit ab.
Hütter sieht sich bestätigt – wie schon bei Koch
Uzuns Trainer betonte nach dem Heimsieg nochmals: "Es geht immer um Leistung. Ich möchte, dass er ein besserer Spieler wird. Wenn er so spielt, dann kommen auch die Aktionen. Dann steckt er die Bälle auch durch und gewinnt den Zweikampf."
Hütter sieht sich jedenfalls bestätigt. Seine Strategie, öffentlich Kritik zu üben, hatte schon bei Koch gefruchtet: "Bei Robin Koch habe ich es ganz klar öffentlich gemacht, und seitdem ist die Leistung einfach viel, viel besser. Wenn ich das Potenzial sehe und das wird nicht ausgeschöpft, weil wir gewisse Dinge nicht machen, finde ich das einfach schade."
Gewissermaßen kann Hütters Kritik also auch als Ritterschlag für einen Spieler bewertet werden. Denn diese will der Österreicher nur üben, wenn er "das Potenzial" sieht. Und das ist bei Uzun definitiv reichlich vorhanden.
