Das Old Firm ist eines der heißesten Derbys der Fußballwelt. Gleich zweimal hintereinander stieg das Duell der verhassten Glasgower Stadtrivalen Celtic und Rangers vor der Länderspielpause. Zunächst gewann Celtic das Viertelfinale im schottischen Pokal mit 3:0. Eine Woche später waren die Rangers im Ligaduell mit 1:0 erfolgreich.
Immerhin jeweils in der Schlussphase mittendrin war VfB-Leihgabe Badredine Bouanani. Der Flügelstürmer wurde in beiden Derbys eingewechselt. Es waren erst seine Einsätze Nummer zwei und drei für seinen neuen Klub.
Auf die Insel gezogen hatte es den fünffachen algerischen Nationalspieler, als in Deutschland das Sommer-Transferfenster bereits zu war. In Schottland waren Verpflichtungen aber noch bis zum 3. September möglich. Am schottischen Deadline Day schlugen die Rangers dann auch noch beim Stuttgarter Transferflop zu.
Hohe Kaufoption für die Rangers
Als diesen muss man Bouanani zumindest bislang in Bad Cannstatt bezeichnen. Schließlich hatte der VfB den 21-Jährigen im Sommer zuvor für bis zu 20 Millionen Euro Ablöse von OGC Nizza verpflichtet. Mit zwei Toren und zwei Assists in 28 Pflichtspielen fällt Bouananis VfB-(Zwischen-)Bilanz aber ernüchternd aus. Zumal er lediglich elfmal von Beginn an auflaufen durfte. Fünfmal stand er dabei in der Bundesliga in der Startelf.
Vor seinem Leih-Wechsel nach Glasgow hatten die Stuttgarter Bouanani nicht für den Champions-League-Kader nominiert. Es war ein weiteres Zeichen, dass der 21-Jährige kurzfristig beim VfB kaum Aussichten auf Spielzeit hat. Die Leihe zu den Rangers war daher für alle Seiten eine gute Lösung.
Der VfB soll dafür eine Leihgebühr in Höhe von 500.000 Euro erhalten haben. Zudem wurde den Rangers eine Kaufoption zugesprochen. Mit rund 19 Millionen Euro fällt diese aber extrem hoch aus. Dass die Schotten diese ziehen, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Die Rangers sind in dieser Saison nicht europäisch vertreten und sind finanziell eigentlich nicht so gut aufgestellt, um solch hohe Ablösen bezahlen zu können.
Der Rekord-Neuzugang ist seit dem Sommer 2000 Tore André Flo mit 18 Millionen Euro. In der Klub-Geschichte hat man erst viermal für einen Spieler zehn oder mehr Millionen Euro gezahlt.
Transferflop oder Spätzünder nach Unweg?
Aus VfB- und Spieler-Sicht geht es aber ohnehin viel eher darum, dass Bouanani endlich wieder regelmäßig spielt, Selbstvertrauen sammelt und sich so weiterentwickeln kann. "Es wäre sehr wichtig für ihn, jetzt regelmäßig Spielzeit zu bekommen und sich dort zu entwickeln", meinte auch VfB-Trainer Sebastian Hoeneß zum Leih-Abschied.
Ein gestärkter Bouanani könnte im kommenden Sommer beim VfB neu angreifen. Oder zumindest die Chance erhöhen, dass ein anderer Klub eine ordentliche Ablöse zahlt. Bis 2030 ist der Flügelstürmer noch in Stuttgart gebunden. Ausschließen sollte man einen VfB-Durchbruch im zweiten Anlauf also keinesfalls. Talent genug dafür wäre bei Bouanani sicher vorhanden.
Das muss er nun aber vorerst in Glasgow unter Beweis stellen. Dafür wird es nach der Länderspielpause mehr als nur Joker-Einsätze für die Rangers brauchen. Und Scorer. Tore oder Vorlagen konnte Bouanani in seinen bisher drei Rangers-Spielen noch nicht auflegen (zwei Einwechslungen, einmal Startelf).
