Es sind zwei Worte, die immer noch jeden Fußball-Fan auf der Welt elektrisieren: El Clasico. Das Duell zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona begeistert seit Generationen und hat schon mehrere legendäre Momente hervorgebracht.
Gareth Bales unglaubliches Tor im Pokalfinale 2014 zum Beispiel. Oder als Barça die Königlichen 2010 mit 5:0 demontierte. Oder das erste Spiel von Luis Figo, nachdem er von den Katalanen in die spanische Hauptstadt gewechselt war und unter anderem ein Schweinekopf auf das Feld geworfen wurde.
El Clasico hat zahlreiche Geschichten geschrieben und nachdem es in den letzten Jahren etwas ruhiger um das Duell zwischen Madrid und Barcelona wurde, elektrisiert das Spiel in der jüngsten Vergangenheit wieder so wie zu den Hochzeiten von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo.
Insofern kommt dem Clasico am Sonntagabend besondere Bedeutung zu, denn es ist mehr als nur ein Spiel – sowohl sportlich, als auch politisch.
Florentino Pérez gießt Öl ins Feuer – viel Öl
Denn während es beim FC Barcelona in der Liga wie am Schnürchen läuft und die Katalanen mit neun Siegen aus neun Spielen perfekt gestartet sind, brennt bei den Königlichen (mal wieder) der Baum. Fünf Punkte liegen die Königlichen hinter dem Erzrivalen, überzeugenden Fußball spielt Real auch unter José Mourinho nicht.
Der muss gegen Barça auch noch auf Vini Jr. verzichten, der gegen Villareal seinen Gegenspieler an den Haaren zog und daraufhin für vier Spiele gesperrt wurde. Im Anschluss witterten die Königlichen mal wieder eine Verschwörung gegen sich und das ist auch eine Tatsache, die dieses Duell so besonders macht.

Denn nachdem es in den letzten Jahren viel heile Welt zwischen den beiden Erzrivalen gab, ist diese Phase spätestens seit den berüchtigten Interviews und Pressekonferenzen von Real-Präsident Florentino Pérez beendet.
Pérez warf Barça vor, mit der spanischen Liga unter einer Decke zu stecken und erklärte, Real sei unter anderem durch die Negreira-Affäre um Titel betrogen worden. Die Vorwürfe, dass die Katalanen durch Zahlungen an den ehemaligen Schiedsrichter José María Enríquez Negreira Einfluss auf Ergebnisse nahmen, wurde allerdings nie bewiesen.
Das Tischtuch ist zerschnitten
Seitdem herrscht Eiszeit zwischen beiden Vereinen – eigentlich sogar mehr als das. "Es gibt keine Beziehung mehr zu Real Madrid. Ich würde sogar sagen, es gibt eine Konfrontation. Real Madrid hat jegliche Glaubwürdigkeit verloren", sagte Barcelona-Präsident Joan Laporta gegenüber der französischen Zeitung L'Equipe.

Es sind Aussagen, die zeigen, weshalb dem anstehenden Clasico so viel Bedeutung zukommt. Es geht nicht nur um Sport, es geht auch um Politik. In gewisser Weise ist man damit zu den Wurzeln des Duells zurückgekehrt – allerdings mit vertauschten Rollen.
Vertauschte Rollen
Einst war es Real, der Lieblingsklub vom damaligen spanischen Diktator Franco, der in der Gunst aller ganz oben stand. Barça war zu dieser Zeit aus Franco- und Real-Sicht ein Ärgernis, auch weil die Region Katalonien schon damals für Unruhen und Aufruhr sorgte.
Das übertrug sich dann auch auf dem Fußballplatz, spätestens mit der Ankunft von Johan Cruyff in Barcelona wurden die Duelle dann richtig hitzig. Die Katalanen spielten Francos Spiel nicht mit, sowohl politisch als eben auch sportlich, und sendeten so ein wichtiges Zeichen.
Heute jedoch sieht sich Real selbst in der Rolle des "Rebellen", des "Widerständlers", der gegen den von der spanischen Liga bevorzugten Klub antreten muss. Es ist ein bemerkenswerter Wandel, den die Königlichen vollzogen.
Real ohne Energizer Vini
Es ist also an sich schon sehr viel Brisanz im Duell zwischen den beiden Erzrivalen, doch die sportliche Situation tut ihr Übriges. Barça ist unter Hansi Flick so torhungrig wie schon lange nicht mehr und hat eine Mannschaft zusammengestellt, die kaum einen wirklichen Schwachpunkt hat.

Hingegen ist Real häufig von Einzelaktionen seiner Superstars abhängig, einen wirklich flüssigen und ansehnlichen Fußball spielen die Königlichen dabei häufig nicht. Insofern tut der Ausfall von Vini Jr. noch mehr weh als sowieso schon.
Denn der Brasilianer ist nicht nur nach Mbappé der wichtigste Offensivspieler, er ist auch als Energizer enorm wichtig. Vini provoziert gerne, er bringt Temperament und EMotionen ins Spiel, wodurch er seine Mannschaft aufwecken und wachrütteln kann.
Lamine vs. Cucurella
So werden andere die Kohlen aus dem Feuer holen müssen – sowohl auf sportlicher als auch auf emotionaler Ebene. Das wird keine leichte Aufgabe, denn auch Barça hat ein paar Heißsporne, die vor allem im Clasico immer zu Höchstform auflaufen.

Zu allererst zu nennen ist hier natürlich Lamine Yamal. Der 19-Jährige ist nicht nur einer der Favoriten auf den Ballon d'Or, sondern schon seit Jahren das neue Feindbild der Madridistas. Der Flügelstürmer provoziert wie Vinicius gerne, läuft im Clasico jedoch regelmäßig zur Hochform auf.
Insofern werden viele Augen auf das Duell zwischen ihm und Marc Cucurella gerichtet sein. Auch der Linksverteidiger ist jemand, der gerne provoziert und die Dauerbaustelle auf der linken Seite bei den Königlichen endlich geschlossen hat.
Wacklige Real-Abwehr gegen torhungrige Barça-Offensive
Doch wo die Außenverteidigung stabiler geworden ist, ist das Zentrum plötzlich nicht mehr so sattelfest. Ibrahima Konaté konnte sein hohes Niveau noch nicht komplett abrufen, während Dean Huijsen und Antonio Rüdiger immer für einen Schnitzer gut sind.
Gegen die brandheiße Offensive der Katalanen rund um Yamal, Raphinha, Fermin Lopez sowie Anthony Gordon und Karim Adeyemi könnte das schnell für Probleme sorgen. Thibaut Courtois sollte sich also auf einen arbeitsreichen Abend einstellen.
Wer gewinnt den Clasico?
Dasselbe dürfte allerdings für Joan Garcia auf der anderen Seite gelten, dem Kylian Mbappé gemeinsam mit Jude Bellingham und Arda Güler das Leben schwer machen wird. Gerade der junge Türke ist aktuell in glänzender Form und könnte zum X-Faktor für die Königlichen werden.

Dennoch geht der FC Barcelona angesichts der aktuellen Form als leichter Favorit ins Spiel. Mit einem Sieg könnten die Katalanen auf acht Punkte wegziehen und die Stimmung bei Real noch weiter verschlechtern.
Doch jegliche Tipps sind beim Clasico von Natur aus schwierig. Dieses Spiel hat seine eigenen Gesetze, so oft ist es schon vorgekommen, dass der vermeintliche Favorit an die Wand gespielt wurde und das Spiel verloren hat.
Vorfreude auf Sonntagabend
Es wird spannend zu sehen sein, ob das auch am Sonntagabend der Fall sein wird. Doch es ist vor allem die politische Komponente, die diese Ausgabe des Clasicos so interessant – und vermutlich auch so hitzig – macht.
Das Duell zwischen Barça und Real elektrisiert wieder. Dank Spielern, die sich voll mit ihrem Verein identifizieren, wie Vini Jr oder Lamine Yamal. Dank der Funktionäre, die mittlerweile offen ihre Abneigung gegeneinander zeigen. Und nicht zuletzt dank der Fans, die sich von Natur aus nicht grün sind.
Insofern sollten wir uns alle auf Sonntagabend, 21 Uhr freuen.
