Das 0:6-Debakel bei RB Leipzig markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer ohnehin krisenhaften Phase für Eintracht Frankfurt. Die Hessen gerieten bei den Sachsen nach allen Regeln der Kunst unter die Räder und offenbarten defensive Auflösungserscheinungen.
Zum traurigen Sinnbild des Frankfurter Absturzes avancierte dabei ausgerechnet Spielführer Robin Koch, der von Cheftrainer Adi Hütter mit der fußballerischen Höchststrafe belegt wurde: Bereits nach 45 desaströsen Minuten und vier Gegentoren wurde der Innenverteidiger in der Kabine ausgewechselt.
Hütter rechnet schonungslos ab
Als wäre der sportliche Nackenschlag nicht genug, knöpfte sich Hütter seinen Abwehrchef auf der Pressekonferenz schonungslos vor.
"Ich habe Robin erlöst. Von einem Führungsspieler und Kapitän erwarte ich etwas ganz anderes", schimpfte der Österreicher sichtlich bedient und legte unmissverständlich nach: "Wenn du 16 Gegentore bekommst und der Leader in der Abwehr bist, setze ich irgendwann auch mal ein Zeichen. Das hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich erwarte mehr von Robin."
Nach der brutalen Demontage hat der 15-fache deutsche Nationalspieler nun erstmals selbst Stellung bezogen. Gegenüber dem Kicker ging Koch mit sich und der Mannschaft hart ins Gericht, zeigte sich von der öffentlichen Schelte aber kämpferisch.
Koch entschuldigt sich bei den Fans
"So wie wir in Leipzig aufgetreten sind, darf uns das nicht passieren. Ich will nichts beschönigen: Das war eine desaströse Vorstellung", stellte der 30-Jährige klar und betonte, dass die gezeigte Leistung in keinem Verhältnis zur Vorbereitung stand: "Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv und gut gearbeitet, der Zusammenhalt und die Stimmung innerhalb der Mannschaft waren sehr positiv. Leider haben wir davon überhaupt nichts auf den Platz gebracht."
"Wir haben uns selbst und unsere Fans enttäuscht."Robin Koch
Besonders der mitgereiste Anhang schmerzt den Abwehrmann: "Wir haben uns selbst und unsere Fans enttäuscht. Das tut uns unfassbar leid, denn wir wissen, wie viel ihnen die Eintracht bedeutet und wie sehr sie uns Woche für Woche unterstützen."
"Weglaufen ist keine Option"
Dass er selbst derzeit weit von seiner Bestform entfernt ist, bestreitet Koch nicht. Dennoch weigert er sich, vor der Krise zu kapitulieren: "Für mich war immer klar, dass ich Verantwortung übernehmen möchte – in erfolgreichen und in schwierigen Zeiten. Ich habe an mich selbst einen anderen Anspruch: Deshalb stelle ich mich als Kapitän dieser Leistung und übernehme die Verantwortung."

Die harte Maßnahme seines Trainers und die anschließenden deutlichen Worte nimmt er professionell auf: "Dazu gehört für mich auch, Entscheidungen zu respektieren und zu akzeptieren, selbst wenn sie mich persönlich treffen oder ich sie mir anders gewünscht hätte. Das ändert aber nichts an meiner Haltung, ganz im Gegenteil – ich werde meine ganze Kraft hineinlegen, damit sich auch dieser Moment wieder ins Positive wendet."
Koch weiß genau, dass die kommenden Tage am Main ungemütlich werden dürften. Die Marschroute des Leaders steht dennoch fest: "Weglaufen oder den Kopf in den Sand stecken ist für mich keine Option. Ich bin Kapitän und meine Pflicht ist es, diese Niederlage gemeinsam mit dem Team aufzuarbeiten, wegzustecken und unsere Mannschaft wieder aufzurichten. Wir stehen zusammen und können nur gemeinsam den Weg aus dieser Situation finden."
