Während die erste Länderspielreise vom neuen Bundestrainer Jürgen Klopp eher vom Experimentieren und Ausprobieren geprägt war, soll der Fokus in den nun anstehenden Länderspielen stärker auf erkennbare Fortschritte gelegt werden. Heißt: Klopp und seine Stars sollen und wollen liefern.
Gerade für diese fünf Spieler werden die kommenden DFB-Länderspiele – aus unterschiedlichen Gründen – zu einer großen Bewährungsprobe, die mit reichlich Druck verbunden ist:
1. Florian Wirtz

Beim FC Liverpool läuft es für Florian Wirtz überhaupt nicht nach Plan, weshalb der Spielmacher auf der Insel regelmäßig von Experten – allen voran von LFC-Legende Jamie Carragher – kritisiert wird.
Die Nationalmannschaft bot für Wirtz zuletzt die Möglichkeit, seine enttäuschende Bilanz bei den Reds kurzzeitig in den Hintergrund rücken zu lassen. Stattdessen erinnerte er im DFB-Dress jeden daran, über welche große Fähigkeiten er prinzipiell verfügt.
Das birgt jedoch auch eine Gefahr: Was, wenn Wirtz nun auch im DFB-Trikot nicht abliefert? Dann würden die kritischen Stimmen – gerade in England – noch lauter werden. In 13 Spielen in dieser Saison hat Wirtz für Liverpool erst ein einziges Tor erzielt.
2. Jonathan Tah

Abwehrchef beim FC Bayern, Abwehrchef im DFB-Team. Das war der Status von Jonathan Tah bis zu diesem Sommer. Doch in der Saison 2026/27 bröckelt dieser Status gewaltig.
Beim FC Bayern hat Minjae Kim zuletzt immer mehr auf sich aufmerksam machen und Tah ein wenig den Rang als Partner von Dayot Upamecano ablaufen können. Der Ex-Leverkusener muss aufpassen, dass ihm Ähnliches nicht auch bei der Nationalmannschaft passiert.
Mit dem BVB-Duo Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton hätte Jürgen Klopp nämlich theoretisch ein sehr eingespieltes – und formstarkes! – Duo für das Abwehrzentrum zur Verfügung. Liefert Tah nicht, könnte er sich im DFB-Team schnell in der Rolle als Herausforderer wiederfinden.
3. Joshua Kimmich

Rund um Joshua Kimmich ist im Zuge des WM-Ausscheidens und dem damit verbundenen Umbruch eine große Debatte entstanden. Hätte der Bayern-Star nicht lieber auch zurücktreten sollen?
Fakt ist, dass Kimmich qualitativ einer der besten Fußballer ist, die Deutschland zu bieten hat. Doch Fakt ist auch, dass er diese Qualitäten im DFB-Dress nicht regelmäßig abruft.
Zu allem Überfluss musste Kimmich nach dem überraschenden Tod seines Vaters zuletzt ein paar Spiele aussetzen. In dieser Zeit drängten sich beim FC Bayern Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof in den Vordergrund, die ein eingespieltes Duo abgaben. In der Nationalmannschaft pocht zudem auch Felix Nmecha auf Spielzeit.
Es sind aktuell schwierige Wochen für Kimmich. Aber auch ziemlich entscheidende.
4. Marc-André ter Stegen

Bei seinem Amtsantritt hatte Jürgen Klopp klargestellt, dass Marc-André ter Stegen die Nummer eins der Nationalmannschaft sein wird. Zumindest vorerst. Denn natürlich gilt auch im Tor das Leistungsprinzip.
Dort machte Jonas Urbig zuletzt immer mehr auf sich aufmerksam. Während der ersten Klopp-Länderspielreise durfte der Bayern-Keeper als einziger Torhüter zweimal ran und zeigte tadellose Leistungen. Weil Manuel Neuer beim FC Bayern zudem über einige Wehwehchen klagte, durfte Urbig auch im Verein zuletzt regelmäßig ran.
Das erhöht den Druck für ter Stegen: Liefert er nicht auf höchstem Niveau ab, stünde der Ersatz direkt Gewehr bei Fuß. Irgendwie würde es leider zu ter Stegens tragischer DFB-Karriere passen, wenn er seinen Stammplatz an Urbig verlieren würde...
5. Nick Woltemade

Nach seinem Abschied vom VfB Stuttgart läuft es für Nick Woltemade überhaupt nicht rund: Weder bei Newcastle United, noch bei Juventus Turin weiß der Angreifer zu überzeugen.
Kann Woltemade auch beim DFB-Team nicht abliefern, gibt es keinerlei Gründe, künftig auf ihn zu setzen. Zumal die Konkurrenz nicht ohne ist: Kai Havertz, Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib bewerben sich (mit Toren) auf Spielzeit unter Klopp. Und dann ist da ja auch noch Niclas Füllkrug, der aktuell wie am Fließband trifft...
6. Karim Adeyemi

Der Wechsel vom BVB zum FC Barcelona hat Karim Adeyemi gut getan. Bei den Katalanen spielt der Offensivpfeil eine überraschend große Rolle und liefert beachtliche Leistungen ab.
Der Haken: Diese sollte Adeyemi allmählich auch mal im DFB-Team zeigen. Denn in der Nationalmannschaft ist der Ex-Dortmunder bislang nicht positiv aufgefallen. Gerade wenn er auf einen Stammplatz unter Klopp schielt, sollte er jetzt mal mit dem Bundesadler abliefern.
