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Der Karl-Jubel in Madrid: Das sollte auch ein 18-Jähriger besser wissen...

Mit seinem Torjubel hat Lennart Karl seine gute Leistung gegen Atlético etwas verwässert. Das ist schade und unnötig, weil die jüngste Kritik an ihm ohnehin übertrieben war. Ein Kommentar.
VonYannik Möller
Lennart Karl mit seinem Jubel nach dem 1:0-Führungstreffer
Lennart Karl mit seinem Jubel nach dem 1:0-Führungstreffer | Diego Souto/GettyImages

"Mir doch egal, was ihr sagt."

So oder so ähnlich dürfte der Jubel von Lennart Karl zu deuten sein, den er am Dienstagabend zeigte. Der 18-jährige Offensivspieler durfte gegen Atlético Madrid aus der Startelf heraus aufspielen, nicht zuletzt bedingt durch manchen Personalausfall beim FC Bayern.

Umso wichtiger war es für Karl, in dieser Partie eine gute Leistung zu zeigen und diese mit einem sehr wichtigen Treffer, bei dem er sich die Torchance durch ein hartnäckiges Zweikampfverhalten auch selbst erarbeitet und verdient hatte, krönen zu können. Nach fast 70 Minuten wurde der Youngster dann ausgewechselt.

Es hätte ein rundum gelungener Abend für den zuletzt häufig und deutlich kritisierten Nachwuchsspieler der Münchner sein können.

Das hat sich Karl allerdings selbst zumindest anteilig kaputt gemacht. Während nicht an seiner guten Leistung zu rütteln ist, bleibt ein fader Beigeschmack durch seinen Torjubel. So hielt er sich beide Hände an die Ohren und imitierte redende Münder. Die Botschaft dürfte angesichts der jüngsten Wochen klar sein und wenig Interpretationsspielraum zulassen.

Atletico De Madrid V Bayern Munich - Uefa Champions League 2026/27 League Phase Md4
Mit dem Jubel nimmt Karl die Thematik der Kritik an ihm wieder auf | Europa Press Sports/GettyImages

Die Kritik an Karl war übertrieben – doch damit legitimiert er sie

Kritik hier, Ratschläge da – mir alles egal. Richtig ist wohl, dass die Kritik zuletzt überzogen war. Und zwar sowohl in der Menge als auch in der Deutlichkeit. Hier geht es um einen 18-Jährigen, der seine Profikarriere gerade beim deutschen Rekordmeister startet und nach einem umso beeindruckenden Start zuletzt Probleme hatte, diese Top-Leistungen mit bereits einigen Torbeteiligungen zu wiederholen.

Ein ganz normaler Entwicklungsschritt, der mit dem ein oder anderen extravaganten Auftreten (Stichwort: komplett pinker Jogginganzug) kombiniert wurde.

Insbesondere Uli Hoeneß schien das nicht zu gefallen. Wie schon Bild-Redakteur Alfred Draxler am Sonntag im 'Doppelpass' bei Sport1 anmerkte: Der gleiche Hoeneß, der 1973 und damit im Alter von 21 Jahren lediglich in Unterhose zusammen mit Paul Breitner an einem Auto stehend einen Herrenausstatter bewarb. Wenn sich sowas nun auch der Lennart erlauben würde...

Soccer: Hoeneß and Breitner pose in bathing trunks
Hoeneß (li.) und Breitner - Fußballer und zugleich Models... | picture alliance/GettyImages

Also: Die Kritik an Karl ist übertrieben. Er hat sich mit dem Jubel aber wieder keinen Gefallen getan. Erzielt er dieses Tor, belässt es beim Jubel mit seinen Teamkollegen und schließt den Dienstagabend damit ab, wird er für eine gute Leistung gefeiert und gelobt – die jüngste Thematik rückt in den Hintergrund, er hinterlässt einen reifen Eindruck. Motto: Ich fokussiere mich auf den Fußball und möchte der Mannschaft wieder mehr helfen.

Mit dem Jubel macht er dieses Thema aber wieder auf, macht es noch größer. Er nimmt die Kritik und legitimiert sie, obwohl sie in der Deutlichkeit eigentlich fehl am Platz ist. Er schnallt sich genau die Zielscheibe auf den Rücken, die ihm die Kritiker zuletzt hinterhergetragen haben. Auch ein 18-Jähriger, der in wenigen Monaten dann auch 19 Jahre alt wird, sollte es mittlerweile besser wissen.


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