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Der HSV-Check vor dem Restart: Gewinner und Verlierer der XXL-Länderspielpause

Verletzungssorgen in der Offensive, neue Hoffnung in der Defensive: Das sind die Gewinner und Verlierer der Länderspielpause beim HSV.
VonThomas Wygold
Für HSV-Trainer Merlin Polzin verlief die spielfreie Zeit nicht optimal
Für HSV-Trainer Merlin Polzin verlief die spielfreie Zeit nicht optimal | Stuart Franklin/GettyImages

Der große Befreiungsschlag ist mittlerweile fast drei Wochen her, der Effekt merklich verblasst. Gegen den 1. FC Köln gelang dem Hamburger SV der wichtige erste Saisonerfolg, zudem präsentierte sich die Defensive deutlich verbessert. Doch dann folgte die XXL-Pause zur Unzeit - und dann auch noch einige schwerwiegende Ausfälle.

Vor dem Bundesliga-Restart am Samstag (15.30 Uhr) bei der TSG Hoffenheim blicken wir auf die Entwicklungen der vergangenen Wochen, auf die Gewinner und Verlierer - und wir ziehen ein Gesamtfazit.

Drei HSV-Verlierer der XXL-Länderspielpause

1. Der Angriff (insbesondere Patson Daka)

Patson Daka im Bundesligaspiel gegen den BVB
Patson Daka im Bundesligaspiel gegen den BVB | Christof Koepsel/GettyImages

Ohnehin ist die Offensive die Problemzone dieser Länderspielpause. Terem Moffi laboriert an Knieproblemen, Patson Daka fällt mehrere Wochen aus und Yussuf Poulsen musste beim Test gegen den FC Kopenhagen (2:0) schon nach 20 Minuten angeschlagen vom Platz. Damit drohte dem HSV zwischenzeitlich sogar ein kompletter Ausfall seiner etablierten Mittelstürmer. Gegen Hoffenheim sind Moffi und Poulsen aber zumindest wieder Kaderoptionen.

Insbesondere für Daka ist seine Verletzung ein herber Rückschlag. Der Sommer-Neuzugang hatte sich seinen festen Platz im Sturm bislang noch nicht gesichert und hätte gerade in den kommenden Wochen die Gelegenheit gehabt, sich nachhaltig in den Vordergrund zu spielen. Stattdessen zog sich der Sambier auf Länderspielreise einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu.

2. Albert Grönbaek

Fällt vorerst aus: Albert Grönbaek (am Ball)
Fällt vorerst aus: Albert Grönbaek (am Ball) | Selim Sudheimer/GettyImages

Ausgerechnet als Albert Grönbaek so richtig in Fahrt gekommen war, wurde er ausgebremst. Beim 2:1 gegen Köln hatte der Däne beide HSV-Treffer vorbereitet und damit maßgeblichen Anteil am ersten Saisonsieg. Wenige Tage später folgte der Rückschlag: Im Nations-League-Duell mit Norwegen wurde Grönbaek spät eingewechselt, verließ den Platz anschließend aber mit bandagiertem Oberschenkel. Die Diagnose: Muskelfaserriss. Der bislang beste Scorer der Hamburger fällt damit vorerst aus. Statt den Schwung der ersten Saisonwochen mitzunehmen, muss er nun erneut zuschauen.

3. Merlin Polzin und sein Plan

Merlin Polzin (in weiß) konnte nur bedingt an Automatismen arbeiten
Merlin Polzin (in weiß) konnte nur bedingt an Automatismen arbeiten | picture alliance/GettyImages

Eigentlich hätte die XXL-Länderspielpause für Merlin Polzin genau zur richtigen Zeit kommen können. Nach dem befreienden 2:1 gegen Köln wollte der HSV-Trainer die drei Wochen nutzen, um einzelne Spieler körperlich auf ein höheres Niveau zu bringen und vor allem die Abläufe innerhalb der Mannschaft weiter zu festigen.

Doch daraus wurde nur bedingt etwas. Mit Grönbaek, Daka und Moffi brachen gleich mehrere Offensivspieler weg, gegen Kopenhagen musste Polzin zudem Yussuf Poulsen schon nach 20 Minuten angeschlagen vom Platz nehmen. Gerade die Entwicklung der offensiven Abläufe wurde durch die Abwesenheit der Nationalspieler und die Verletzungen sehr erschwert.

Damit ist ausgerechnet der Plan, den Schwung aus dem ersten Saisonsieg mitzunehmen und die lange Unterbrechung zur Weiterentwicklung zu nutzen, zu einem der Verlierer der vergangenen Wochen geworden.

Doch die vergangenen Wochen brachten längst nicht nur schlechte Nachrichten. Teilweise gilt sogar: Des einen Leid ist des anderen Freud.

Die HSV-Gewinner der XXL-Länderspielpause

1. Die Abwehr - mit Rückkehrern und Omari im Aufwind

Wieder fit: Sebastian Bornauw soll die Defensive zusammenhalten
Wieder fit: Sebastian Bornauw soll die Defensive zusammenhalten | Catherine Ivill - AMA/GettyImages

In den ersten Saisonwochen war die Defensive eines der größten Probleme des HSV, gerade beim 0:5 gegen Mainz offenbarte sie massive Schwächen. Erst beim 2:1 gegen Köln wirkte die Hintermannschaft deutlich stabiler. Und nun wird auch die personelle Auswahl wieder größer.

Der als Abwehrchef vorgesehene Sebastiaan Bornauw steht wieder zur Verfügung. Der Belgier hatte beim Köln-Spiel noch wegen muskulärer Probleme gefehlt. Und auch Miro Muheim sammelte gegen Kopenhagen nach langer Verletzungspause wieder wichtige Minuten.

Und dann ist da noch Warmed Omari. Der Innenverteidiger kehrt mit reichlich Spielpraxis und einem persönlichen Erfolgserlebnis zurück: Beim 1:3 der Komoren gegen Kamerun in der Afrika-Cup-Qualifikation spielte er durch und erzielte sogar sein erstes Länderspieltor. Anschließend stand er auch beim 1:0 gegen Namibia 90 Minuten auf dem Platz.

Bornauw zurück, Muheim wieder näher an voller Belastbarkeit und Omari mit Selbstvertrauen: Die Voraussetzungen sind zumindest deutlich besser als noch in den ersten Saisonwochen. "Eine richtig gute Situation für uns als Mannschaft", bilanzierte Polzin.

2. Fábio Vieira

Fábio Vieira muss wieder mehr Verantwortung übernehmen
Fábio Vieira muss wieder mehr Verantwortung übernehmen | Stuart Franklin/GettyImages

Auch Fábio Vieira dürfte die Pause gut getan haben. Während zahlreiche Teamkollegen mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren, konnte der Portugiese kontinuierlich in Hamburg arbeiten. Gegen Kopenhagen gehörte er nach einer schwachen ersten Hälfte zu den Spielern, die das HSV-Spiel nach der Pause belebten. Durch Grönbaeks Ausfall wird der kreative Druck auf Vieira größer. Der Kopenhagen-Test deutete zumindest an, dass der 26-Jährige bereit sein könnte, wie schon in der Vorsaison mehr Verantwortung zu übernehmen.

3. Otto Stange

Otto Stange winkt mehr Spielzeit
Otto Stange winkt mehr Spielzeit | Jürgen Fromme - firo sportphoto/GettyImages

Noch deutlicher verändert sich die Perspektive für Otto Stange. Der 19-Jährige kam gegen Kopenhagen bereits nach 20 Minuten für den angeschlagenen Poulsen ins Spiel und bekam damit beinahe eine komplette Partie, um sich im Zentrum des Angriffs zu zeigen.

Allein durch die Personallage könnte Stange nun schneller zu deutlich mehr Bundesliga-Minuten kommen als ursprünglich gedacht. Daka fällt aus, Moffi und Poulsen waren einige Zeit durch ihre Blessuren nicht voll belastbar. Die Hierarchie im Sturm ist dadurch wesentlich durchlässiger geworden.

Stange selbst sammelte während der Pause zudem Spielpraxis mit der deutschen U20. Damit zählt er zu den Spielern, für die die schwierige Personalsituation des HSV gleichzeitig eine persönliche Chance bedeutet.

Mini-Gewinner: Kofi Amoako und Kelvin Ojo

Und dann wären da noch zwei Reservisten, die im Test gegen Kopenhagen zumindest ein kleines Ausrufezeichen setzten. Kelvin Ojo kam in der Schlussphase ins Spiel und bereitete praktisch umgehend den Führungstreffer vor. Seine Hereingabe verwertete Kofi Amoako in der 83. Minute zum 1:0. Für Amoako und Ojo bedeutet das noch lange keinen Platz in der Startelf. Gerade in einer Phase, in der der HSV offensiv nach neuen Lösungen suchen muss, haben sich beide aber zumindest in Erinnerung gebracht.

Das Fazit: Vorne Sorgen, hinten Hoffnung

Unterm Strich hat die XXL-Länderspielpause dem HSV etwas mehr Probleme gebracht als gelöst. Besonders schwer wiegen die Ausfälle von Grönbaek und Daka, weil beide Positionen betreffen, auf denen die Hamburger ohnehin noch nach der richtigen Besetzung und Konstanz suchen. Auch die erneuten körperlichen Probleme im Sturm kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Ganz ohne positive Entwicklung geht es aber nicht nach Hoffenheim. Die Defensive bekommt wichtige Spieler zurück, Omari reist mit Selbstvertrauen an und mit Vieira, Stange sowie zumindest Amoako und Ojo haben sich mehrere Spieler für größere Rollen empfohlen.


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